Munich-Sound

Munich-Sound, zusammengesetzt aus englisch Munich für »München« und Sound für »Klang, Klangbild«, Bezeichnung für eine spezielle Form der Disco-Musik, die vornehmlich in München produziert wurde.

Eines der Kennzeichen von Disco-Musik ist der Einsatz von Streichern: Verschiedene Spielarten der Disco-Musik sind unter anderem am spezifischen Einsatz der Streichergruppen erkennbar. So ist dem Philly Sound ein anderes Klangbild zueigen als dem Munich Sound, der vor allem von den hohen Streichern dominiert wird, während Celli und Kontrabässe in den Arrangements nicht vorgesehen sind. Die Arrangements sind so gehalten, dass der Gesang stets in einer Wechselwirkung zum Orchester steht; sehr häufig wird ein kurzes, aufwärts gerichtetes Glissando eingesetzt. Auch die obligate Verwendung des Hohner Clavinets ist Kennzeichen des Munich-Sounds.

Idealtypisch für den Munich-Sound sind etwa die Produktionen des Vokaltrios Silver Convention, das mit »Fly, Robin, Fly« und »Get Up and Boogie« in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre auch in den USA erfolgreiche Songs des Genres vorlegte. Urheber des Streicherklangs waren die Münchner Symphoniker, ein professionelles Orchester, das vor allem in der Produktion von Filmmusik arbeitet und auf den Disco-Platten meist als Munich Symphony Orchestra firmiert. Die Platten von Silver Convention wurden von Michael Kunze und Sylvester Levay produziert, die sich bei den Streicherarrangements von dem Konzertmeister des Orchesters, Fritz Sonnleitner, unterstützen ließen.

Der Munich-Sound hat auch Einfluss auf Rockmusiker genommen, zumal um 1975 einige Rockbands Disco-Produktion vorlegten. Zu diesen Bands gehört das Electric Light Orchestra mit seiner LP »Discovery« (1979): Der Song »Last Train to London« trägt einige Merkmale des Munich-Sounds.

Diskografie

Silver Convention: Fly, Robin, Fly (1975; Single)
Silver Convention: Get Up and Boogie (1976; Single)
Penny McLean: Lady Bump (1975; Single)
Electric Light Orchestra. Last Train to London (1979; Single)