Off-Beat

Off-Beat, zusammengesetzt aus englisch off für »aus, weg« und beat für »Schlag«, solistische Vortragseigentümlichkeit bezüglich des Rhythmus, die dem Blues, dem Jazz und dem Rock gemeinsam ist und diese Stilbereiche etwa von der traditionellen, europäisch geprägten Kunstmusik unterscheidet.

Der Begriff wird nicht einheitlich gebraucht und hat sogar zwei miteinander unvereinbare Bedeutungen: Vorausgesetzt wird ein durchgehender Beat, im als Beispiel angenommenen Vier-Viertel-Takt also vier Schläge. In der traditionellen europäischen Kunstmusik wird der Schlag auf der Zählzeit Eins betont, ebenso, wenn auch schwächer, der Schlag auf Zählzeit Drei; der Schlag auf der Zählzeit Eins wird Down-Beat genannt. Die unbetonten Schläge auf Zwei und Vier werden als Off-Beat bezeichnet.

Diese Sichtweise kollidiert mit den Begriffen Down-Beat und Up-Beat, die allgemein als Bezeichnung der Dirigierbewegung angesehen werden, denn der Up-Beat erfolgt auf der Zählzeit Vier. Der Begriff On-Beat wiederum – der sprachlich einen Gegensatz zu Off-Beat darstellen könnte – wird dahingehend interpretiert, dass ein Musiker exakt Töne auf die vier Schläge des Taktes setzt, also etwa exakt in Vierteln spielt. Die traditionell leichten Zählzeiten Zwei und Vier werden zur Unterscheidung auch Back-Beat genannt.

Aus dieser Sichtweise ergibt sich eine zweite, ebenso übliche, bei der Off-Beat aber eben die Bewegung »weg« vom Beat meint. Der vokale oder instrumentale Solovortrag sitzt also nicht exakt auf den Zählzeiten – eben On-Beat –, sondern kurz vor (Fore-Beat) oder hinter ihnen (After-Beat), schafft dadurch von der einfachen Taktgliederung abweichende Akzente. Durch derartigen Off-Beat entsteht eine eigentümliche Spannung zwischen dem Taktmetrum und den Einzelakzenten des Solovortrags. Zu diesem Umfeld gehören auch die Begriffe Pulse oder Puls und Subdivisions (Unterteilungen). Pulse ist identisch mit dem Beat, während der Begriff Subdivison von einem anderen Zeitmodell ausgeht: Während Begriffe wie Metrum, Zählzeit und teilweise auch Beat sich auf einen Zeitpunkt beziehen, wird bei Nutzung des Begriffes Subdivison der Zeitraum als Basis betrachtet. Dieser kann – in einem Vier-Viertel-Takt – in Achtel, Sechzehntel usw. unterteilt werden. Es ist evident, dass diese Sichtweise auf den Takt Ergebnis der Komposition mit Software-Sequencern ist, bei denen der Raum zwischen den Schlägen als Kontinuum aufgefasst und grafisch unterteilt wird. So ist auch die Ansicht zu finden, dass der Off-Beat grundsätzlich im Achtel-Abstand zwischen den Zählzeiten sitzt, also bei Zählweise »Eins-und-Zwei-und-Drei« usw. jeweils auf dem Wort »und« (Everett, siehe Literaturhinweise).

Off-Beat ist nicht einfach Synkope, obwohl der Unterschied zwischen beiden eher graduell als grundsätzlich ist. Eine Synkope ergibt sich aus der Verschiebung der Binnentakt-Akzente um einfache, rational teilbare Werte, während der Off-Beat mit metrischen Verschiebungen arbeitet, die der Hörer nicht mehr als die Hälfte oder als das Viertel der Schlagzeit aufzufassen imstande ist. Daraus folgt, dass der Off-Beat nicht angemessen notiert werden kann. Die Zergliederung der Zeitwerte überlässt man dem spontanen Vortrag, statt damit das Notenbild zu belasten. Hingegen ist die Synkopierung sehr wohl schriftlich fixierbar, z.B. lässt sich die Spielweise von Eric Clapton relativ leicht notieren, da sie auf Synkopierung, nicht auf Off-Beat beruht.

Literatur

Longstreet, Stephen/Dauer, Alfons M.: Knaurs Jazz Lexikon; München 1957
Dauer, Alfons M.: Jazz – die magische Musik; Bremen 1961
Viera, Joe: Grundlagen der Jazzrhythmik; Wien 1970
Heister, Hanns-Werner: Jazz (Reihe Musik aktuell); Kassel 1983
Everett, Walter: The Foundations of Rock – From Blue Suede Shoes to Suite: Judy Blue Eyes; Oxford/New York 2009