Orchester

Orchester, englisch orchestra, Gruppe von Instrumentalisten, bei denen wenigstens einzelne Instrumentalgruppen chorisch, also mehrfach besetzt sind; Instrumentalistengruppen, bei denen jedes Instrument nur einfach besetzt ist, werden dementsprechend nicht als Orchester, sondern als Trio, Quartett, Quintett usw. bezeichnet. Es kann außerdem zwischen Symphonieorchester und Kammerorchester – letzteres mit einer geringeren Anzahl von Musikern besetzt – unterschieden werden. Zu einem Orchester gehören in aller Regel Streichinstrumente, Blasinstrumente und Schlaginstrumente; weitere können je nach Erfordernis hinzutreten.

Der Begriff Orchester stammt aus dem Altgriechischen bezeichnete die orchestra, den halbrunden Platz vor der Bühne antiker Theater. Ursprünglich wurde dieser Begriff nicht für Gruppen gemeinsam musizierender Instrumentalisten verwendet. Erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wurden andere Bezeichnungen für Instrumentalistengruppen verwendet, so etwa Cappella, concert, Consort, chorus instrumentalis und symphonie. Größerer Gruppen von Musikern wurden seit dem 15. Jahrhundert zusammengestellt, meist zu höfischen oder auch bürgerlichen – zum Beispiel Hochzeiten – zusammengestellt. Entsprechend war die Unterhaltung eines ständigen Orchesters nur dem Adel möglich. Zu dieser Zeit waren die Musikergruppen noch nicht nach Instrumenten geordnet, sondern häufig mit dem Ziel aufgestellt, einen effektvollen Mischklang zu erreichen. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts sich herausbildende Vorliebe für einen homogenen Streicherklang führte zunächst in Italien und England, dann auch in Frankreich und Deutschland zu mehrstimmigen Streichorchestern, die mehr als zwei Dutzende Musiker umfassen konnte. In Deutschland gehörte bald obligat ein Bläsertrio – zwei Oboen, ein Fagott – zu diesen Musikergruppen, die bei Bedarf aber um weitere Bläser erweitert wurden. Anfang des 18. Jahrhunderts bestand ein Orchester aus einer vierstimmigen Streichergruppe, eine Gruppe von Holzbläsern und wenigstens zwei Hornisten. Geleitet wurde ein Klangkörper dieser Größe von einem Dirigenten, der gleichzeitig ein mitten im Orchester aufgestelltes Cembalo spielte. Die Größe eine Orchesters war nicht festgelegt und konnte je nach Ort – und Geldbeutel des jeweiligen Fürsten – stark variieren – Joseph Haydn konnte auf Schloss Esterházy maximal 23 Musiker aufbieten.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts traten eine Vielzahl weiterer, auch neu entwickelter Instrumente hinzu, so bei den Blechbläsern Trompeten, Posaunen und Tuben, bei den Holzbläsern Piccoloflöte und Kontrafagott, aber auch eher exotische Instrumente wie Ophikleïde, Bassklarinette und Saxophon; auch das Schlagwerk wurde stark erweitert.

Aus der zunächst nicht festgelegten Sitzordnung ergab sich aus der Ordnung barocker Orchester eine so genannte Alte Sitzordnung. Der Dirigent – nunmehr nicht gleichzeitig auch Cembalist – stand vor dem Orchester. Die Gruppe der 1. Geige befand sich direkt links, die 2. Geige direkt rechts vor ihm; dahinter die Bratschen rechts, Celli und Bratschen rechts, dazwischen die Holzbläser, hinter denen wiederum die Blechbläser saßen. Ganz hinten fanden die Pauken ihren Platz. Bei der neuen Sitzordnung, mitunter auch Amerikanische Sitzordnung genannt, sitzen im Uhrzeigersinn links von Dirigenten die 1. Geiger, die zweiten Geiger, die Bratschen, dann die Kontrabässe. Die Holzbläser nehmen hinter den Streichern in der Mitte Platz, dahinter wiederum die Hörner und trompeten, nochweiter hinten links das Schlagwerk, rechts die tiefen Blechblasinstrumente, also Posaunen und Tuben. Direkt hinter den 1. Violinen ganz links steht in der Regel die Harfe.

Im Zuge der bürgerlichen Revolutionen im 18. und 19. Jahrhundert wurden Orchester von Privatleuten unterhalten, von Vereinen getragen und in vielen Fällen schließlich vom Staat übernommen. Gerade in der Bundesrepublik Deutschland werden die großen, bedeutenden Orchester, auch die Orchester an den Opernhäusern, in erheblichem Umfang vom Staat subventioniert.

Außerhalb der traditionellen Kunstmusik wird der Begriff Orchester nicht sonderlich häufig verwendet, doch tragen einige Rockgruppen, etwa das Electric Light Orchestra, das Yellow Magic Orchestra und das Panikorchester Udo Lindenbergs den Begriff im Namen. Auf den Klangkörper Orchester greifen Rock- und Popmusiker immer wieder zurück, sei es in vielen Arrangements, sei es in für Rockbands und Orchester geschriebenen Kompositionen. Mitunter werden Rocksongs auch in Orchesterfassungen überführt, wie etwa das Album »Scratch My Back« (2010) von Peter Gabriel eíndrucksvoll demonstriert.