Partitur

Partitur, englisch score, Notation mehrerer gleichzeitig erklingender Stimmen in einem geordneten Schriftbild; die Aufzeichnung einer einzigen – vokalen oder instrumentalen – Stimme wird nicht Partitur genannt.

Die gleichzeitig verlaufenden Stimmen notiert man in mehreren Fünflinien-Systemen untereinander, wobei die durchgezogenen Taktstriche dafür sorgen, dass die rhythmischen und metrischen Beziehungen unter den vertikal zusammenschaubaren Stimmen sichtbar werden. In der entwickelten Partitur-Aufzeichnung der älteren Kunstmusik gruppiert man die einzelnen Instrumentengattungen nach folgendem Verfahren: Zuoberst erscheinen die Holzblasinstrumente in der Reihenfolge Piccolo-Flöte, Große Flöte, Oboe, Englisch Horn, Klarinette, Bassklarinette und Fagott; sodann für die Blechbläser Horn, Trompete, Posaune und Tuba. Darunter folgt die Notation der Schlaginstrumente, noch weiter unten der ggf. verwendeten menschlichen Stimmen Sopran, Alt, Tenor und Bass. Ganz unten werden die Streichinstrumente Violine 1 und 2, Viola (Bratsche), Violoncello und Kontrabass aufgezeichnet.
In der Rockmusik spielt die Partitur eine untergeordnete Rolle, da die Musik ausschließlicher als in der Kunstmusik mit Hilfe akustischer und elektrischer Übermittlung (Konzert, Schallplatte, Tonband) statt durch Notenbilder vom Musiker zum Hörer gelangt. Die meisten Aufzeichnungen von Rockmusik, die sich in Klavierauszügen und Gitarrenheften finden, entstehen nachträglich unter Zuhilfenahme der Schallplatte. Beispiele wirklicher Partitur-Notation finden sich etwa auf dem Cover von »200 Motels« von Frank Zappa und dem Cover der LP »Score« des Pianisten und Organisten Duncan Mackay. In regelrechte Partituren fassten Tetsuya Fujita, Yuji Hagino, Hajime Kubo und Goro Sato ihre akribischen Transkriptionen von Beatles-Songs
In einem umgewandelten, modernen Sinn ist auch die Skizze eine Partitur, die zum Zwecke der Realisation von elektronischer Musik und für den Gebrauch des Tonmeisters im Studio verfertigt wird. Im Gegensatz zur herkömmlichen Klang-Partitur ist die letztere eine Anweisungs- oder Aktionspartitur, da sie weniger ein musikalisches Ergebnis bildlich festhält als vielmehr Anweisungen zur Erzeugung von Klangprozessen erteilt (vergl. die Innenseite der Plattenhülle zu Tangerine Dreams »Alpha Centauri«). Doch lassen sich beide Gesichtspunkte einer Partitur, nämlich Abbild und Vorschrift, nicht scharf voneinander trennen.



Partitur

Tetsuya Fujita, Yuji Hagino, Hajime Kubo, Goro Sato: The Beatles – Complete Scores; Tokyo 1989



Diskografie

Duncan Mackay: Score (1977)
Tangerine Dream: Alpha Centauri (1971)



Literatur

Dickreiter, Michael: Partiturlesen. Ein Schlüssel zum Erlebnis Musik; Mainz 1983
Halbscheffel, Bernward: Zur Ontologie der Rockmusik, in: International Review of the Aesthetics and Sociology of Music; Zagreb 1983