Plagiat

Plagiat, unrechtmäßige Benutzung eines urheberrechtlich geschützten geistigen Eigentums, z. B. einer Melodie, eines Songtitels oder eines Liedtextes; ein Missbrauch kann zivilrechtliche Folgen, etwa Entschädigung oder Leistung aus einer ungerechtfertigten Bereicherung nach sich ziehen.

Einer der bekanntesten Fälle von Plagia war in den 1970er-Jahren George Harrisons Stück »My Sweet Lord« (auf »All Things Must Pass«, 1970). Auf Betreiben des us-amerikanischen Musikverlages Bright Tunes verglich ein New Yorker Gericht das Stück mit »He’s so fine« (1963) des Vokaltrios The Chiffons und kam zu dem Ergebnis, dass es sich um ein- und denselben Song mit lediglich verändertem Text sei, und verurteilte Harrsion zur Herausgabe der eingeflossenen Tantiemen. Der Fall ist insofern beachtlich, als von anderer Seite behauptet wurde, die Melodie der Chiffons habe ihrerseits eine alte geistliche Melodie zur Grundlage, die normalerweise als Traditional gelten würde, hätte der Komponist des Chiffons-Musikstückes sie nicht bei seinem Musikverlag registrieren lassen. In diesem Zusammenhang ist auch vermutet worden, dass der us-amerikanische Kläger etwa in Großbritannien, wo abweichende Rechtsanschauungen herrschen, vom Gericht abgewiesen worden wäre.
In der Regel sind Fragen des Plagiats in der Rockmusik komplizierter als Harrisons Vergesslichkeit, denn sie betreffen nicht ganze Stücke, sondern Teile von ihnen. Gerade die Entwicklung auf dem Sektor der Musikelektronik hat in den 1980er-Jahren mehrmals gezeigt, dass die Praxis vieler Musiker, sich das geistige Eigentum anderer durch Sampling nutzbar zu machen, juristisch nur schwer zu erfassen ist. Sampler machen es mög lich, Ausschnitte aus bereits erschienenen Schallplatten herauszutrennen und in ein anderes Musikstück einzubauen; vor allem Hip Hop und dem Hip Hop verwandte Stile basieren geradezu auf diesem Verfahren. So wird die Rockmusik geplündert und dabei hart an die Grenze des gerade noch Erlaubten gegangen. Zwei Beispiele seien genannt: Die Gruppe DNA unterlegte Suzanne Vegas A-Capella-Stück »Tom’s Diner« (auf »Solitude Standing«, 1987) mit einigen House-Elementen, vor allem mit den Klängen eines Schlagzeugs. Weil DNA die Einnahmen des erfolgreichen Stücks mit der Sängerin teilten, unternahm sie nichts gegen die Gruppe – und erteilte damit sozusagen im Nachhinein ihr Einverständnis für dieses Vorgehen. Stewart Copeland, früher Schlagzeuger von The Police sah es gelassen, als Jan Hammer für die Musik (»Crocket’s Theme«) der Fernseh-Krimiserie Teile von Copelands Schlagzeugspiel, vor allem den Snare-Drum-Klang, mit einem Sampler aufnahm und in seine Komposition integrierte. So ist zu den bekannten Fragen der Nachahmung die Frage aufgetaucht, ob ein individueller Klang auch Bestandteil des geistigen Eigentums ist. Der individuelle Klang eines Musikers, Resultat seiner persönlichen Überlegung und Spielweise, ist zwar von zentraler Bedeutung für die Rockmusik, aber juristisch kaum dingfest zu machen. Ohnehin stellt die Rockmusik ein denkbar schlechtes Beispiel für die Einhaltung von Urheberrechten dar. Rock ist seinem Wesen nach eine eklektizistische Kunst, die vor fremden Kulturen und vergangenen Stilen ebensowenig haltmacht wie vor Hervorbringungen der Schlagerindustrie, des Jazz und auch vor eigenen früherer Jahre. Angesichts des herrschenden Zuges, alles Frühere im neuen Musikstück zu integrieren, fällt es nicht schwer, bei unzähligen Melodiefloskeln, harmonischen Wendungen, formalen Lösungen und aufnahmetechnischen Gimmicks nachzuweisen, dass sie in einer früheren Komposition bereits Verwendung fand. Doch enthält das neue Stück zumeist auch eigenschöpferische Zutaten, die das Fremde ergänzen und ggf. übertragen können. Stilparodien von Gruppen wie The Rutles, Gruppo Sportivo und Alberto Y Lost Trios Paranoias wären ohne eindeutige Nachahmungen gar nicht möglich. Auch Entlehnungen, die darüber hinausgehen, werden im allgemeinen geduldet, wenn das neue Stück, in dem sie vorkommen, nicht gerade millionenfach verkauft wird. Dies allerdings geschah im Falle George Harrsions, und so wurde eine alltägliche Erscheinung im Rockbereich zu einem juristischen Fall.