Play Bach

Play Bach, Bezeichnung für die Bearbeitungen von Kompositionen Johann Sebastians Bach, die der französische Pianist Jacques Loussier (* 1934) seit Ende der 1950er-Jahre auf mehreren LPs präsentierte.

Loussier, der eine fundierte pianistische Ausbildung am Conservatoire National de Musique in Paris, unter anderem bei Yves Nat, genossen hatte, hatte nach dem Studium Engagements in verschiedene Gruppen angenommen und zeitweise auch dem Orchester des Sängers Charles Aznavour angehört. Zum eigenen Vergnügen bearbeitete er Klavierkompositionen J.S. Bachs und flocht in den originalen Satz jazz-ähnliche Improvisationen ein; Loussier selbst sieht seine Bearbeitungen allerdings nicht als genuinen Jazz an, sondern als seine eigenen Kompositionen. 1959 weckten diese Bearbeitungen das Interesse der Plattenfirma Decca. Decca schlug vor, für die Arrangements einen Jazz-Kontext zu wählen und eine dem Modern Jazz Quartet ähnliche Gruppe aufzustellen; außerdem gab Decca der Musik Loussiers den Namen Play Bach, der bald zu einer Art Markenzeichen wurde. Loussier gewann für sein Trio mit dem Bassisten Pierre Michelot (* 1928, † 2005) und dem Schlagzeuger Christian Garros (* 1920, † 1988) zwei renommierte Jazz-Musiker Frankreichs und veröffentlichte ab 1959 in schneller Folge fünf LPs mit Arrangements Bachscher Kompositionen. Auch nach der Auflösung des ersten Play-Bach-Trios genoss die Musik Loussiers jahrelange Popularität, so dass er seit den 1980er-Jahren mit einem neuen Trio Arrangements auch anderer Komponisten wie Vivaldi, Ravel, Mozart und Satie veröffentlichte.

Auf die Rockmusik hatte Loussier mit Play Bach einen gewissen Einfluss. Die Methoden seiner Bearbeitungen wurden etwa auch von Keith Emerson (The Nice) oder Rick van der Linden (Ekseption) angewandt; am deutlichsten ähnelt »The Only Way«, eine Bearbeitung zweier Bach’scher Kompositionen auf der LP »Tarkus« (1971) den Arrangements Loussiers.

Die vor allem in Großbritannien sehr beliebte Version Loussiers des Air aus der Orchester-Suite D-Dur Nr. 3 BWV 1968 hatte sogar unmittelbaren Einfluss auf die Rockmusik: Loussiers Arrangement der Komposition wurde Mitte der 1960er-Jahre von der Zigarrenfirma Hamlet zur Untermalung ihrer Fernsehwerbung verwendet. Diese Werbung kannte der Pianist Gary Brooker und regte den Organisten seiner Band Procol Harum, Matthew Fisher, dazu an, dem von Brooker geschriebenen Song »A Whiter Shade of Pale« ein ähnliches Arrangement zu geben.

Loussier selbst hatte später sporadisch mit Rockmusik zu tun, denn gelegentlich wurde sein in Südfrankreich aufgebautes Studio Miraval auch von Rockmusikern gebucht, so etwa von der britischen Band The Icicle Works. Bei den Aufnahmen zu deren LP »The Small Price of a Bicycle« (1985) steuerte Loussier ein kleines Klaviersolo bei.

Diskografie

Trio Play Bach

Play Bach No. 1 (1960)
Play Bach No. 2 (1961)
Play Bach No. 2 (1962)
Play Bach No. 2 (1963)
Play Bach No. 2 (1965)

Procol Harum

Procol Harum (1967)

The Icicle Works

The Small Price of a Bicycle (1985)