Polytonal

Polytonal, Eigenschaft eines Stückes oder einer Episode davon, bei dem mehrere gleichzeitig geführte Stimmen nicht zur selben Tonart, sondern zu mehreren Tonarten gehören. Zum Beispiel verläuft die eine Stimme in C-Dur, die andere in E-Dur, die dritte in Fis-Dur usw.

Polytonale Werke kommen in der französischen Musik der 1920er- und 1930er-Jahre (etwa bei Darius Milhaud) vor, bei Béla Bartók, Igor Strawinsky u. a. Eine Sonderart der Polytonalität stellt Bitonalität dar, bei der zwei (bi-) Tonarten gleichzeitig verwendet werden.
In seiner Unterweisung im Tonsatz von 1937 (I. Teil, S.177) lehnte Paul Hindemith polytonale Techniken mit den schroffen Worten ab: »Das nette Spiel, zwei oder mehr Tonarten zugleich nebeneinander herlaufen zu lassen und damit neue harmonische Wirkungen zu erzielen, ist für den Komponisten zwar sehr unterhaltend, der Hörer kann den verschiedenen tonalen Verläufen aber nicht folgen, da er jeden Einzelklang doch immer wieder auf das Fundament bezieht – und damit ist die Zwecklosigkeit des Bemühens erwiesen.« Polytonale Abschnitte finden sich, eher durch die Zufälle des Zusammentreffens, auch in der Rockmusik, besonders bei Frank Zappa und Captain Beefheart and His Magic Band.