Power Trio

Power Trio, zusammengesetzt aus englisch power für »Kraft, Stärke« und trio, obligate Besetzung einer Rockband, zu der ein Gitarrist, ein Bassist und ein Schlagzeuger gehören; der Gesang wird von einem der Musiker zusätzlich übernommen.

Die ausgesparte Besetzung eines Power Trios – es fehlt entweder ein Rhythmusgitarrist oder ein Keyboard-Spieler –, kam in den 1960er Jahren mit der britischen Bluesrock-Band Cream (gegründet 1966) und der amerikanisch-britischen Band The Jimi Hendrix Experience (gegründet 1966) auf. Bei Cream übernahm in den meisten Fällen der Bassist Jack Bruce den Lead-Gesang, bei der Jimi Hendrix Experience ausschließlich der Gitarrist Jimi Hendrix.

Bei Power Trios sind alle Musiker gleichermaßen ständig gefordert, sie sind in aller Regel also Virtuosen ihrer Instrumente. Doch liegt die hauptsächliche Last auf den Schultern des Gitarristen, der gleichermaßen Aufgaben eines Lead- wie die eines Rhythmusgitarristen übernehmen muss. Dabei treten besonders Gitarristen, die gleichzeitig auch Lead-Sänger sind, oft in einen Dialog mit ihrem Instrument, Gesang und Gitarrespiel ergänzen sich also komplementär. Es ist deshalb wohl auch kein Zufall, dass viele Power Trios im Blues verwurzelt sind.

Obwohl es diverse Rock-Quartette gibt, in denen ebenfalls lediglich die Instrumente Gitarre, Bass, Schlagzeug vertreten sind, zusätzlich aber ein Sänger, werden diese Gruppen nicht als »Power Quartet«, schon gar nicht als Power Trio wahrgenommen, obwohl sich deren Klangbild nicht von dem eines Power Trios unterscheidet. Bands wie The Who, Led Zeppelin oder auch noch Queen, gelten nicht als Power Trios. Auch Bands, in denen statt eines Gitarristen ein Keyboard-Spieler vertreten ist – etwa bei The Nice oder später bei Emerson, Lake & Palmer – gelten nicht als Power Trios im engeren Sinn. Andererseits schadet es dem Image als Power Trio nicht, wenn einer der Instrumentalisten auch andere Instrumente einsetzt, wie etwa der Bassist von Rush, Geddy Lee, immer wieder auch diverse Keyboards spielt.

Die Bezeichnung Power Trio hat natürlich vorrangig dann Gültigkeit, wenn tatsächlich nur die drei Musiker wenigstens im Konzert allein auftreten. Die in der Rockmusik gängigen Produktionsmethoden machen es aber möglich, dass auch nur drei Musiker eine Vielzahl von Instrumenten verwenden könenn, die im Konzert dann von Sidemen übernommen werden müssen. Denn die ausgesparte Besetzung erfordert auch Reaktionen in ästhetischer Hinsicht, indem etwa Gitarristen den Klang ihres Instrumentes mit diversen Effektgeräten quasi »verbreitern«. Auch ausgedehnte Instrumentalsoli sind Ausdruck der besonderen Ästhetik der Trio-Besetzung: auch in konventionellen Bands sind in solistischen Abschnitten die Bands häufig auf das Trio Solo-Instrument, Bass und Schlagzeug reduziert.

Zu den Power Trios zählen neben Cream und The Jimi Hendrix Experience etwa Rush, The Police, The Jam, Beck, Bogert & Appice, West, Bruce & Laing, Motörhead, Nirvana (USA), Motorspsycho, die Bands von Rory Gallagher, zeitweilig die Henrik Freischlader Band wie auch die Bands von Erja Lyytinen, Johnny Winter und Steve Morse, außerdem spielten Wolfmother, Elephant9, The John Mayer Trio, King Crimson zeitweise im Doppel-Power-Trio.

Die Besetzung Power Trio scheint in psychologischer Hinsicht fragil, wenn nicht heikel zu sein: Stets bilden sich Fraktionen von 1 zu 2, die auch in kürzester Zeit wechseln können. Dieser Umstand kann zu kreativen Höchstleistungen sowohl im Studio wie im Konzertsaal führen, mitunter aber auch zum Gegenteil und gelegentlich auch zu offener Aggression. Dennoch ist nicht festzustellen, dass Power Trios als Band eine kürzere Lebensdauer als andere Besetzungen haben, wie etwa die langjährigen Karrieren der Trios ZZ Top und Rush beweisen.