Pseudonym

Pseudonym, altgriechisch, etwa »unechter, scheinbarer Name«, Deckname, auch Künstlername, Namen, die anstelle des wahren Namens verwendet werden.

Die Gründe für die Verwendung eines Namens können vieler Art sein: Ein Spitznamen kann zu einem Pseudonym werden, hinter dem der wahre Name verschwindet, es können rechtliche Gründe sein, den eigenen Namen nicht zu verwenden, um etwa lizenzrechtlichen Problemen aus dem Wege zugehen, es kann die Unzufriedenheit mit dem eigenen Namen sein oder aber auch die möglicherweise schwierige Aussprache des Namens wie seine exorbitante Länge oder aber auch schlicht ein Spaß. Manch einer fand seinen Namen wohl auch zu langweilig: David Bowie heißt eigentlich David Jones.

In der Musik wurden Pseudonyme seit Jahrhunderten dann und wann verwendet, in der jüngeren Rock- und Popmusik sind sie gang und gäbe und im Hiphop geradezu unumgänglich. So nannte sich Robert Zimmermann eines Tages Bob Dylan, Paul McCartney produzierte eine Schallplatte der Bonzo Dog Doo Dah Band unter dem Pseudonym Apollo C. Vermouth, Ringo Starr heißt eigentlich Richard Starkey, nannte sich bei seiner Zusammenarbeit mit Harry Nillsons LP »Son of Schmilsson« (1972) Richie Snare, die Mitglieder der deutschen Rockband Die Ärzte Bela B., Farin Urlaub und Sahnie heißen eigentlich Dirk Felsenheimer, Jan Vetter-Marciniak und Hans Runge, Al Kooper nannte sich gelegentlich Roosevelt Gook, heißt eigentlich aber Alan Peter Kuperschmidt, hinter Aphex Twin verbirgt sich Richard D. James, auf Randy Californias – eigentlich: Randy Craig Wolf – LP »Kapt. Kopter and the (Fabolous) Zwirly Birds« (1972) nannte sich der Bassist – kein Geringerer als Noel Redding – Clit McTorius, der Schlagzeuger Ed Cassidy Cass-Strange-Drums, Captain Beefheart war das Pseudonym von Don Glen Van Vliet, der eigentlich Donald Vliet hieß, Jerry Samuels hatte unter dem Namen Napoleon XIV. mit »They’re Coming to Take Me Away, Ha-Haa« 1966 einen Top-Ten-Hit, Reginald Kenneth Dwight ließ 1972 seinen Künstlernamen Elton John regulär ins Standesamt-Register eintragen, verwendete aber weiterhin eine Vielzahl von Pseudonymen (Ann Orson, Lord Choc Ice, William A. Bong, Reggae Dwight, Frank N. Stein), Thom Yorke von der britischen Band Radiohead nennt sich nach Gutdünken mal Tchock, Tchocky oder Dr. Tchock, heißt aber tatsächlich Thomas Edward Yorke, Marilyn Manson ist eigentlich Brian Hugh Warner und der deutsche Saxofonist Klaus Doldinger (Passport) war unter dem Pseudonym Paul Nero als Komponist von Film- und Fernsehmusik (Titelmelodie »Der Tatort«) besonders erfolgreich. Sehr weit ging Prince: Mit vollem Namen heißt er Prince Rogers Nelson, wollte zeitweise aber als Love Symbol gelten, woraufhin ihn die Musikpresse TAFKAP nannte (The Artist Formerly Known As Prince); Hintergrund der Namensverwirrung war ein zäher Streit mit seinem Platten-Label um die Rechte der unter seinem Namen veröffentlichten Musik. Aber auch sonst fand der Musiker Gefallen an Pseudonymen: Mal nannte er sich Alexander Nevermind, mal Jamie Starr, Christopher oder Joey Coco, wenn nicht gleich nach seinem Label einfach nur Paisley Park. All diese stellte John Lennon in den Schatten, der sich mehr als ein Dutzend Pseudonyme einfallen ließ: Long John, Dr. Winston Booker Table & the Maître Ds, Dwarf McDougal, Rev Fred Ghurkin, Dr. Winston O’Ghurkin, Dr. Winston O’Boogie and Los Paranois, Musketeer Gripweed, Dr. Dream, Mel Torment, Dr. Winston O’Reggae, Honorary John St. John Johnson, Captain Kundalini, John O’Cean, Joel Nohnn und Dad.