Rap

Rap, von englisch to rap für »klopfen (an)«, Sprechgesang, der als Gesangstechnik Stilmittel in afroamerikanischer Musik, besonders aber im Hiphop ist; Rap als Technik tritt spätestens seit Ende der 1980er-Jahre aber auch in anderen Bereichen der Rock- und Popmusik auf.

Rap hat seine Wurzeln vermutlich in der Musik Westafrikas, insbesondere der der Griots, die als Übermittler von Nachrichten, Chronisten und Erzähler von Geschichten eine kaum zu überschätzende Rolle in westafrikanische Kulturen innehatten. Das rhythmische Sprechen zu Musik ist auch Stilmittel im Talking Blues und besonders im Reggae, wo es als Toasting zu einer eigenen Kunstform wurde und Teil der jamaikanischen Poetik werden konnte, etwa in den Dichtungen von Linton Kwesi Johnson. Ob Talking Blues und Toasting allerdings als Vorläufer des Rap gesehen werden können, ist nicht mit letzter Sicherheit zu klären.

Im Sinne von ausführlichen Ankündigungen war das Sprechen zur ohnehin laufenden Musik Teil der afroamerikanischen Diskotheken-Kultur, in der die Aufgabe des Masters of Ceremony (MC) darin bestand, den Gästen der jeweiligen Lokalität eine Art Einführung über den Ort zu geben, etwas zu dem jeweiligen DJ zu sagen und allgemein die Gäste über das zu informieren, was sie zu erwarten hatten. Die Aufgaben von MC und DJ vermischten sich, zumal der DJ durch geeignete Auswahl der Musik – meist Funk- und Soul-Titel – die Pausen im von der Platte kommenden Gesang für seien Rap-Einlagen nutzte. So wurde der Sprechgesang integrales Element der DJ-Musik, die aus Bruchstücken existierender, durch Backspins und Scratching verfremdeter Schallplattenmusik und dem ad hoc hinzugefügten Sprechgesang bestand. Der eigentliche Gestaltungsprozess beginnt damit schon bei der Auswahl der Musik, die in Tempo und Verteilung von Gesang und instrumentalen Teilen – die der DJ durch die erwähnten Eingriffe auch verlängern kann – dem Rapper Raum für seinen Vortrag geben muss.

Grundsätzlich orientiert sich ein Rapper an den metrischen Verhältnissen der Musik. Dazu kann er die Verteilung von schwer-leicht direkt von der Musik adaptieren, er kann das Tempo aber auch vervielfachen, etwa in doppeltem Tempo sprechen, oder aber verlangsamen. Rap-Techniken, die mit dem Tempo spielen, werden unter dem Oberbegriff Flow zusammengefasst. Rap-Texte können, aber müssen nicht gereimt sein; es kommen hierbei auch diverse aus der Literatur bekannte Techniken zur Anwendung, also etwa mehrfache Reime. Worte können in ihren Lauten an andere Worte angepasst werden, auch können mehrere aufeinander folgende Zeilen mit demselben Wort beendet werden – als so genannter tag muss es dabei noch nicht einmal in einem Sinnzusammenhang zum Inhalt der Zeile stehen. Rap blieb nicht auf Diskotheken oder kommerzielle Tanzveranstaltungen beschränkt: In den von Armut geprägten Wohngebieten der großen amerikanischen Städte, allen voran New York, veranstaltet die afroamerikanische Bevölkerung selbst Partys, bei denen jedermann auch zur Musik beitragen konnte – durch Rap. Die Themen der Texte stammten in diesen Fällen aus dem sozialen Umfeld und handelten etwa vom Leben auf der Straße. Hiphop als Ganzes ist eine Kultur des spielerischen Wettbewerbs, in der das Rappen das Mittel zur Selbstdarstellung und Begrenzung wurde. Regelrechten Battles dienen einerseits der Selbstbehauptung, andererseits auch der Abgrenzung bis hin zum Dissen, dem Verächtlichmachen des jeweiligen Gegenübers.

Rap in der etablierten Form entstand in den späten 1970er-Jahren, etwa in der Musik der Last Poets und von Gil Scott Heron. Weltweit bekannt wurden die Aufnahmen »Rapper’s Delight« (1979) des amerikanische Trios Sugarhill Gang und »The Message« (1982) von Grandmaster Flash and the Furious Five. Zu dieser Zeit wurde Rap noch als eigener Stil angesehen, weniger als Technik; der Begriff Hiphop existierte noch nicht, vielmehr galt Rap als weitere Spielart afroamerikanischer Tanzmusik. Die Vokaltechnik wurde schnell populär, Musiker und Formationen wie Run-DMC, LL Cool J und Beastie Boys, später dann Public Enemy, Eminem erreichten ihr Publikum weltweit, so dass die Technik auch von Musikern in Europa aufgegriffen wurde, so in Frankreich, Großbritannien und Deutschland, etwa von der Gruppe Die Fantastischen Vier. Ein Vorteil des Rap liegt darin, dass weder größere Kenntnisse hinsichtlich der Ausübung von Musik – sowohl theoretischer Art als auch instrumentaler – vorhanden sein müssen und ein Rapper auch nicht singen können muss. Nicht zuletzt aus diesem Grund fanden Rap und Hiphop auch Eingang in die Musikpädagogik.

Literatur

Toop, David: Rap Attack – African Jive to New York Hip Hop; New York 1984; dt. 1992
George, Nelson: XXX – Drei Jahrzehnte Hiphop; London 1998; dt. 2002
Klein, Gabriele/Friedrich, Malte: Is This Real? Die Kultur des Hiphop; Frankfurt/Main 2003