Rave

Rave, englisch für »rasen, toben«, dann aber Synonym für »Party«, 1988 zunächst als Variante so genannter Acid Partys in Großbritannien veranstaltet; ein Rave war in erster Linie eine Tanzveranstaltung, bei der Bands auftraten, aber auch DJs gleichberechtigt Teile des Musikprogramms bestritten.

Der Begriff lässt sich inhaltlich indes nicht recht trennen von dem Begriff Madchester: Während der Begriff Rave etwa in Deutschland gängig war, war der Begriff Madchester nahezu unbekannt. Madchester bezog sich auf die Stadt Manchester; die dort gegen Ende der 1980er-Jahre in den Diskotheken bevorzugte Musik – eine Mischung von Pub-Rock, Elementen des früheren Psychedelic Rock und elektronischen Klängen – war außerhalb Großbritanniens als Manchester Rave bekannt. Manchester Rave wurde bald zu Rave verkürzt, und kollidierte damit zu einem schon eingeführten Begriff in der sich gerade bildenden Acid-House-Gemeinde. So wurde die Musik, die in Großbritannien Madchester genannt wurde, zumal in Deutschland zu Rave.

Für kurze Zeit bildete die Madchester-Bewegung eine Art Lebensstil: Der angebliche Rückgriff auf den Summer of Love von 1967 zeigte sich in nächtelangen Partys, in der Kleidung – zu der weit geschnittene Jeans und bunte Hemden und T-Shirts gehörten – sowie im Gebrauch von LSD und andere Designerdrogen. Von größter Bedeutung war die Musik der Partys: Einerseits traten bei einer Tanzveranstaltung mehrere Bands auf, andererseits legten DJs Schallplatten auf und popularisierten dabei neueste Entwicklungen elektronisch erzeugter Tanzmusik, die seinerzeit noch in den Kinderschuhen steckte. Die Ähnlichkeit der äußeren Umstände zum Sommer 1967 in San Francisco fand ihre Entsprechung bald in der Behauptung, es handele sich um einen »Second Summer of Love«.

Mit dieser Phase der britischen Musik werden die Namen einiger Bands verbunden: The Happy Mondays, The Charlatans (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Pub-Rock-Band), The Soup Dragons, Flowered Up, The Shamen, A Guy Called Gerald, Primal Scream, The Stone Roses und 808 State. Zwar wurde auch versucht, einen Musik-Stil »Rave« aus der Existenz dieser Bands abzuleiten, doch bestand deren Musik allemal aus eher konventioneller Rockmusik, die gelegentlich auf Stilmittel einiger Bands der mittleren 1960er-Jahre Bezug nahmen.

Von größerer Bedeutung war die durch die lange Dauer der Partys bedingte herausgehobene Stellung der DJs. Durch deren Auftritte wurde das Publikum mit der Existenz einer neuartigen Tanzmusik bekannt gemacht, die vornehmlich auf elektronische Klangerzeuger setzte. Spezielle Nuancen und Unterschiede in dieser Musik wurden zwar noch nicht mit jeweils eigenen Namen bedacht, doch liegt in den Raves der ausgehenden 1980er-Jahre bereits das Fundament für Techno und die damit verbundenen Tanzveranstaltungen.

Der Begriff Rave hielt sich über die eigentliche Zeit der Madchester-Bewegung – die kaum mehr als drei Jahre betrug – hinaus als Begriff für Tanzveranstaltungen. Auch wurde die mit den Raves verbundene Aufgabe formeller Orte für Tanzveranstaltungen – etwa Diskotheken – einige Jahre lang beibehalten: Raves fanden oft an besonderen Stätten wie verlassenen Fabrikhallen und Straßenbahn-Depots statt, Orte und Termine waren nur per Mundpropaganda zu erfahren und die Besucher waren sich der nicht ganz geklärten Legalität ihres Treibens bewusst.

Diskografie

A Guy Called Gerald (Voodoo Ray (1988; Single)
Happy Mondays: Bummed (1988)
The Stone Roses: – (1989)
The Charlatans: Some Friendly (1990)
Inspiral Carpets: Life (1990)
The Farm: Spartacus (1991)
808 State: Ex:el (1991)
Rave (1991; Zusammenstellung)

Literatur

Spex Oktober 1990