Refrain

Refrain, von lateinisch refringere für »brechend zurückwerfen« über französisch »Rückprall«, englisch: refrain, chorus (Musik), Kehrreim, der in strophischer Dichtung und in Liedern regelmäßig meistens nach jeder Strophe wiederkehren kann.

Refrains sind seit Jahrhunderten Bestandteil vieler Kinder-, Volks- und Tanzlieder. In der Musik des 12. bis 16. Jahrhunderts ist der Refrain in Liedgattungen wie Rondeau, Virelai, Ballade, Villanelle und anderen als ordnendes Element sogar von herausragender Bedeutung. Auch in der Musik des 19. Jahrhunderts, etwa in Opern oder im Kunstlied können Refrains auftreten.

Das englische Wort Chorus erklärt sich daraus, dass der Refrain häufig tatsächlich einen singenden Chor annimmt, während den ersten Teil der Strophe – das Couplet – von einem Vorsänger vorgetragen wird; die Handlung im Text wird also vom Vorsänger mittels des Couplets vorangetrieben, während der Chor im Refrain kommentiert und bestärkt, also außerhalb der Handlung steht.

In der Rock- und Popmusik werden diese formalen Gegebenheiten oft strikt eingehalten, Refrains also in der überlieferten Aufgabenteilung genutzt, als wiederkehrendes Element nach jeder Strophe – etwa »Yellow Submarine« bei The Beatles. Gerade diese Band eröffnete aber viele ihrer Songs mit dem Refrain – »She Loves You« und »All You Need Is Love« geben nur zwei Beispiele.

Refrains sind oft die Erkennungs-Embleme eines Songs und geben dann auch den Titel ab, oft enthalten sie die zentrale Aussage. Sie sind meist sangbar gebaut, so dass jedermann die Melodie leicht nachvollziehen und sogar mitsingen kann. Oft werden Refrains im Satzgesang vorgetragen und nicht selten sind sie in der Lautstärke angehoben.

In der Analyse von Rock- und Pop-Songs wird mitunter zwischen Refrain und Chorus noch unterschieden, je nachdem, ob der Text identisch ist oder ob es leichte Abweichungen gibt. »Penny Lane« beispielsweise enthält einen Refrain, den es in mehreren Ausformungen gibt, jeweils aber eingeleitet mit den Worten »Penny Lane is in my ears and in my eyes …«. Da dieser Teil nicht wortgetreu ist, könnte er als Chorus bezeichnet werden, zumal im Arrangement auch Elemente des »Trompeten-Verses« aufgegriffen werden. Andererseits ist die Hauptaussage stets gleich. So spricht etwa Alan W. Pollack von Refrain, während Walter Everett das Wort Chorus verwendet.

Musiker treffen eigentlich keine Unterscheidung zwischen Chorus und Refrain, sondern sprechen meist nur von Chorus, wobei sie stets den Teil meinen, der die Hookline enthält.

Diskografie

The Beatles: She Loves You (1963; Single)
The Beatles: All You Need Is Love (1967; Single)
The Beatles: Yellow Submarine (1969; Soundtrack)
The Beatles: Penny Lane (1967; Double-Single mit Strawberry Fields Forever)

Literatur

Kaiser, Ulrich/Gerlitz, Carsten: Arrangieren und Instrumentieren -Barock bis Pop; Kassel 2005
Jeßing, Benedikt/Köhnen,Ralph: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft; Stuttgart 2007
Everett,Walter: The Beatles as Musicians – Revolver through the Anthology; Oxford 1999
von Appen, Ralf/Frei-Hauenschild, Markus: AABA, Refrain, Chorus, Bridge, PreChorus – Songformen und ihre historische Entwicklung, in: Helms, Dietrich/Phleps, Thomas (Hg.): Black Box Pop – Analysen populärer Musik; Bielefeld 2012
Kramarz, Volkmar: Die PopFormeln – Die Harmoniemodelle der Hitproduzenten; Bonn 2006
Covach, John: Leiber and Stoller, the Coasters, and the „Dramatic AABA“Form, in: Spicer, mark/Covach, John (Hg.): Sounding Otu Pop – Analytical Essays in Popular Music; Ann Arbor (Michigan) 2010

Weblinks

www.musiktheorie-aktuell.de/tutorials/popformeln.aspx (Website mit einem Tutorial zur Formbildung in der Rock- und Popmusik)
www.icce.rug.nl/~soundscapes/DATABASES/AWP/awp-notes_on.shtml (Website mit Analysen sämtlicher Songs der Beatles)