Riff

Riff, das, mitunter auch: der, melodische Figur, die von einem Instrument (Gitarre, Bass, Orgel) im Prinzip unverändert wiederholt wird, während sich die anderen Instrumentalstimmen, vielfach improvisierend, solistisch entfalten; der Begriff stammt aus dem Jazz, wird aber im gleichen Sinne auch in Rock und Pop gebraucht. Nur auf den Bass beschränkt entspricht das Phänomen dem Basso Ostinato oder ostinaten Bass in der traditionellen europäischen Kunstmusik.

In der Kunstmusik treten ostinate Bässe in Gattungen wie Chaconne und Passacaglia auf; eines der bekanntesten Beispiele bildet etwa die Passacaglia c-Moll BWV 582 für Orgel von Johann Sebastian Bach.

Das Phänomen der Riff-Bildung selbst stammt aus dem Blues. Das relativ einfache harmonische Gerüst verschiedener Bluestypen legt formelhafte Ausdeutungen nahe, zumal derartige Formeln auf der Gitarre auch leicht gespielt werden können.

In Jazz und Rock kann ein Riff ein schlichtes, nur einen Takt umspannendes Motiv sein, es kann aber auch ein regelrechtes Thema ergeben und mehrere Takte einnehmen. Häufig erweisen sich längere Riffs aber bei näherer Betrachtung ebenfalls als im Kern nur ein- oder zweitaktig. Während bis Ende der 1970er-Jahre Riffs in der Regel recht lang waren, wurden im Free Funk, Jazz-Rock und Funk zu Beginn der 1980er-Jahre extrem kurze Riffs verwendet, zuweilen, etwa bei Bill Laswells Band Material, erreichten sie gerade die Länge eines halben Taktes; die zweite Hälfte des Taktes wurde pausiert oder mit improvisierten Tönen gefüllt. Ohnehin sind Riffs keineswegs unantastbar, es lässt sich sogar die Regel aufstellen, dass Rockmusik, je näher sie dem Jazz steht, um so freizügiger in der Behandlung des Riffs vorgeht.

Auf einem eintaktigen Riff basiert beispielsweise »Come Together« von den Beatles:

Come Together (Bass-Riff)

Come Together (Bass-Riff)

Während Paul McCartney als der Bassist der Band dieses Riff nicht antastete, verfuhr Bill Laswell, Bassist der New Yorker Gruppe Material, mit einem ebenfalls nur eintaktigen Riff anders: Der Riff von »Reduction« wirkt auf den ersten Blick zwar zweitaktig, doch ist er im Kern eintaktig, denn die Abwandlung im zweiten Teil eines jeden Taktes erweisen sich im Laufe des Stückes als verfestigte Improvisation.

Reduction (Bass-Riff)

Reduction (Bass-Riff)

Verbindlich, also stets wiederkehrend, sind bei diesem Riff nur die Töne:

Reduction (Teil des Bass-Riffs)

Reduction (Teil des Bass-Riffs)

Die weiteren Takte jedes Taktes werden immer wieder minimal abgewandelt, sei es durch kleine Glissandi, sei es durch einen anderen Klang oder durch ein kurzes Abstoppen der Saitenschwingung.

Ein in seiner Einfachheit ähnliches Riff findet sich bei der Gruppe Chicago in dem Song »It Better End Soon«.

It Better End Soon (Vollständiges Riff)

It Better End Soon (Vollständiges Riff)

Auch dieses zweitaktige Riff ist im Grunde nur halbtaktig:

It Better End Soon (Teil des Bass-Riffs)

It Better End Soon (Teil des Bass-Riffs)

Der zweite Teil des Taktes erfährt im Laufe der ausgedehnten Flötenimprovisation starke Veränderungen bis hin zur Auflösung des gesamten Riffs. Dieses Verfahren wandte der Bassist der Band, Peter Cetera, wiederholt an, so auch mit dem viertaktigen Riff der Komposition »Sing A Mean Tune Kid«.

Sing A Mean Tune Kid (Bass-Riff)

Sing A Mean Tune Kid (Bass-Riff)

Auch hier wird das Riff selbst von Cetera in einer parallelen Improvisation zur Improvisation des Saxofonisten Walter Parazaider aufgelöst, bis nur noch die Töne auf der Zählzeit 1 übrig bleiben:

Überspitzt könnte man die 1980er-Jahre auch als das Jahrzehnt des Riffs bezeichnen: In beinahe jedem Stil – Jazz, Jazz-Rock und Rock – wirkten Riffs formgebend, selbst etablierte Formen wie der Blues wurden durch Riffs verändert. Green Gartside, seinerzeit unter dem Namen Scritti Politti zumindest zeitweise recht erfolgreich, verwendete beispielsweise für seinen Song »Lions After Slumber« ein typisches Funk-Riff, das über eine lange Zeit auf einer einzigen Stufe verharrt; der Eindruck eines Blues ergibt sich erst, als er das Riff auf die vierte Stufe verschiebt. Dadurch ergibt sich ein tonal-funktionaler Eindruck, denn die Bluesformel in der Abfolge Tonika-Subdominante wird dadurch erfüllt. Derartige Abfolgen finden sich selbst bei Bands, die dem Blues denkbar fern stehen, etwa bei Yes oder Electric Light Orchestra.

Noch weiter gehen Stücke, wie sie etwa in den 1980er-Jahren The Cure, Japan oder Ochestral Manoeuvres In The Dark (OMD) veröffentlichten: Sie bestehen in jedem ihrer Teile aus kürzeren oder längeren Riffs, die kunstvoll ineinander verzahnt sind. Beispiel dieser Art bilden etwa die Songs »Talking Loud and Clear« von OMD und »Six Different Ways« von The Cure. Bei der Band Japan waren es die monolithischen Riffs des Bassisten Mick Karn, die mit den Patterns des Schlagzeugers und den perkussiven Synthesizer-Klängen des Keyboard-Spielers Richard Barbieri eine eigenartige Kontrapunktik ergaben.

Riffs spielen natürlich auch in der Dance Music eine bedeutende Rolle, sie sind als Samples Grundlage zahlloser Stücke. Da in Hiphop wie House und Techno Riffs häufig aus bestehenden Aufnahmen mittels Sampler extrahiert oder aber einfach am Computer nachgebaut werden, wird am Material selbst nichts verändert. Die diese Samples – aufgrund ihrer Erscheinungsform Loop genannt – lediglich als Baustein begriffen werden, ist die Auswahl der Riffs von größter Bedeutung. Unter den Anforderungen des Konzertbetriebs waren und sind vor allem Hiphop-Gruppen gezwungen, bei Auftritten nicht nur auf Samples zurückzugreifen, sondern auf Musiker, also Bassisten und Schlagzeuger. Für diese aber gilt wieder, was für die Musiker anderer Stile gilt: Sie können die gegebenen Riffs als Spielmaterial verstehen und verändern. Hierin treffen sich dann wieder Jazz, Funk und Dance Music.

Riffs haben immer auch emblematischen Charakter. Natürlich bleibt nicht jedes Riff im Gedächtnis der Zuhörer haften, doch sind einige Riffs von derartigem Gewicht, dass sie für den jeweiligen Song stehen. Beispiele bieten etwa das Riff von »Smoke On The Water« von Deep Purple:

Smoke On The Water (Riff)

Smoke On The Water (Riff)

oder »Jumpin’ Jack Flash« von den Rolling Stones:

Jumpin' Jack Flash (Riff)

Jumpin‘ Jack Flash (Riff)

Beispiele

The Beatles: Abbey Road (1969)
Material: Temporary Music (1979)
Chicago: II (1971)
Chicago: III (1972)
Scritti Politti: Songs To Remember (1982)
Orchestral Manoeuvres In The Dark: Junk Culture (1984)
The Cure: The Head On The Door (1985)
Japan: Tin Drum (1981)
Deep Purple: Machine Head (1972)
The Rolling Stones: Jumpin’ Jack Flash (1968)