Rock in Opposition

Rock in Opposition, abgekürzt RIO, eigentlich lediglich der Titel eines 1978 in London veranstalteten Rock-Festivals, anschließend aber auch die Bezeichnung für europäische Rockbands, die sich unter einer gemeinsamen Prämisse zusammengeschlossen hatten; RIO war und ist keine institutionalisierte Organisation. Als Vorbild für die Intentionen von RIO kann ein von der deutschen Band Faust 1978 aufgestelltes Manifest gesehen werden.

Die britische Rockband Henry Cow hatte Zeit ihres Bestehens ihr Publikum eher auf dem europäischen Festland gefunden als in Großbritannien. Bei ihren Tourneen stießen die Musiker, allesamt politisch links eingestellt, immer wieder auf andere Musiker und Bands, die der Schallplattenindustrie kritisch gegenüber standen und eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit ihr ablehnten. Die Musiker von Henry Cow nutzten einen ihnen vom British Arts Council zugestandenen Betrag von 1000 britischen Pfund für die Organisation eines Festivals in London, bei dem außer ihnen selbst auch die italienische Band Stormy Six, die schwedisch Band Samla Mammas Mann, die belgische Band Univers Zero und die französische Band Etron Fou Leloublan auftreten sollten. Der Titel des Festivals, das das britische Publikum mit der Existenz dieser Bands bekannt machen sollte, war »Rock in Opposition«.

Tatsächlich nahm die einschlägige Presse Notiz von dem Festival, das am 12.3. 1978 im New London Theatre stattfand und weckte das Interesse anderer Rockbands, so dass aus dem eigentlich punktuellen Ereignis sich eine Art Bewegung bildete, die auch Bestand hatte, als Henry Cow als Band gar nicht mehr bestand. Zu den RIO-Gruppen wurden fortan auch Art Zoyd aus Frankreich, Aksak Maboul aus Belgien und die Nachfolge-Band von Henry Cow, Art Bears, gezählt.

Manche Journalisten wollten auch gemeinsame Merkmale in der Musik dieser Bands ausgemacht haben, doch ist dies nicht der Fall; RIO wird häufig als Synonym für »Avantgarde Rock« gesehen, wenn auch unklar ist, was das eigentlich sein soll. Gemeinsam ist den RIO-Bands natürlich, dass sie den kommerziellen Mainstream der Pop- und Rockmusik wie das Anbiedern an ein Publikum vermeiden, und natürlich sehen sie in der Rockmusik auch andere Möglichkeiten als die des schnellen Geldes. Ein direktes und auch die Zeit überdauerndes Ergebnis von RIO ist die Grüdnugn des Labels Recommended Records.

Ein zweites RIO-Festival wurde im April und Mai 1979 von der italienischen Band Stormy Six im Teatro dell’Elfo in Mailand veranstaltet, an dem alle Bands außer Henry Cow teilnahmen. In schneller Folge wurden auch Festivals in Reims und Stockholm abgehalten. Weitere Festivals, bis dato insgesamt vier, fanden in Carmaux Frankreich in den Jahren 2007, 2009, 2010 und 2011 statt; das Festival 2011 wurde in dem Film »Romantic Warriors II: A Progressive Music Saga About Rock in Opposition« (2012; Regie: Adele Schmidt/José Zegarra Holder) dokumentiert. Für September 2014 ist ein dreitägiges RIO-Festival geplant.

An den Festivals nahm eine Vielzahl von Gruppen teil; Chris Cutler hatte den Veranstaltern erlaubt, die Bezeichnung »Rock in Opposition« zu verwenden. Beteiligt an den Festivals waren auch Bands, deren Affinität zu den ursprünglichen Intentionen von RIO etwas bemüht wirkt.

Literatur

Cutler, Chris: Recommended Records/Rock in Opposition,in: Humann, Klaus/Reichert, Carl-Ludwig (Hg.): Rock Session 4 – Magazin der populären Musik; Reinbek 1980; S. 260ff.

Weblinks

www.rocktime.org/rio/index.php/en (Website des Festivals Rock in Opposition)
www.squidco.com/rer/rio.facts.html (Website mit diversen Informationen zur Geschichte von RIO)