Singing Cowboy

Singing Cowboy, von englisch to sing für »singen« und Cowboy für »Kuhhirte, Kuhtreiber«, Schauspieler, der in einem Wild-West-Film in der Rolle als Cowboy auch einige Songs singt.

Der Singing Cowboy stellt im frühen Wild-West-Tonfilm den »guten« Helden dar: Er trägt oft einen weißen Hut, ist glatt rasiert, sauber und adrett gekleidet und mehr oder weniger offensichtlich in die Heldin verliebt. Zwar kann er wie alle Cowboys nicht über seien Empfindungen sprechen, aber darüber singen – so greift er zur Gitarre und trägt der Angebeteten ein Lied vor. Im Grunde genommen ist der Singing Cowboy also der eine Hauptdarsteller in der Wild-West-Fassung der im Theater schon seit Jahrhunderten üblichen Balkon-Szenen.
Der Singing Cowboy trat in den 1920er-Jahren erstmals auf: In diesem Jahrzehnt wurden die ersten Hillbilly- und Old-Time-Music-Songs auf Schallplatten aufgenommen. Der Sänger Carl T. Sprague (* 1895, † 1979) gilt als der Prototyp des Singing Cowboys, trat aber nicht im Film auf. Die Existenz der Schallplatten mit Cowboy-Liedern führte um 1930 dazu – als der Tonfilm seinen Siegeszug begann -, in den beliebten Wild-West-Filmen die positive Hauptfigur auch singen zu lassen. Der Schauspieler Ken Maynard (* 1895, † 1973) war der erste Singing Cowboy, sang beispielsweise 1930 in dem Film »Sons of the Saddle« (1930) zwei Songs. Maynard wollte auf den Erfolg der Filme hin eine Karriere als Country-Sänger aufnehmen, doch gelang ihm dies nicht. Weitere bekannte Singing Cowboys waren Gene Autry, Roy Rogers und Michael Martin Murphy. Auch John Wayne trat zu Beginn seiner Karriere als Schauspieler als Singing Cowboy auf, sang aber nicht selbst; diese Aufgabe übernahm der Sohn des Regisseurs Robert N. Bradbury.
Der Singing Cowboy blieb über die Frühzeit des Tonfilms hinaus erhalten: Noch Elvis Presley griff in seinen Wild-West-Filmen zur Gitarre und sang seine gerade aktuellen Hits. Als Singing Cowboy im traditionellen Sinn wurde er dennoch nicht bezeichnet.