Single

Single, englisch für »einzig, einzeln«, Schallplatte mit einem Durchmesser von sieben Inch (etwa 17,9 Zentimeter), die auf jeder Seite nur einen Track enthält. Schallplatten gleicher Größe, die aber mehr Tracks enthalten, werden EP (Extended Play) genannt; im Gegensatz dazu wird die Single auch als Normal Play (NP) bezeichnet.

Die Single ist in der Regel auf eine Umdrehungszahl von 45 U/min eingestellt. Zum Abspielen der mit einem relativ großen Mittelloch (ca. 38 mm) versehenen Schallplatte ist in die Platte entweder ein Stern aus Plastik einzusetzen oder auf dem Plattenteller ein Zentrierstück, Puck genannt, aufzulegen. Eine Single hat eine Spieldauer von bis zu acht Minuten, die aber in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht ausgenutzt werden.
Die kleine Schallplatte wurde 1949 von RCA Victor auf den Markt gebracht und sollte eigentlich die herkömmliche Schellackplatte von 30 cm Durchmesser ablösen. Da kurze zuvor (1948) die Schallplattenfirma Columbia die Langspielplatte präsentierte, gerieten die beiden System unmittelbar in Konkurrenz: RCA wollte die Technik Columbias – bei der die von RCA bereits 1931 eingeführte Umdrehungsgeschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen pro Minute verwendet wurde – lizenzieren. Die »Battle of Speeds« mündete in der friedlichen Koexistenz der beiden Systeme. Bald aber wurde die Single-Schallplatte eher mit so genannter Unterhaltungsmusik bespielt, während die LP das Medium der klassischen Musik wurde. Da um 1950 auch der Rock ‚n’ Roll für den Musikmarkt bedeutsam wurde, stand mit der Single auch gleich das passende Verbreitungsmedium zur Verfügung.
Die Stellung der Single in der Geschichte der Rockmusik wechselte aber über die Jahrzehnte. Auf Grund ihres geringen Preises war sie zunächst auch und besonders für Jugendliche attraktiv; erst durch das Interesse der Jugendlichen und deren Kaufkraft konnte Rockmusik in den 1950er- und 1960er-Jahren überhaupt Bedeutung erlangen. Langspielplatten waren in diesem Bereich dann häufig bloße Zusammenstellungen von Stücken, die vorher schon auf Singles erschienen waren. Noch die ersten LPs der Beatles beispielsweise entstanden auf diese Weise. Die Verkaufszahl von Singles war ein Gradmesser der Popularität eines Musikers, unterschwellig sogar zu einem Maßstab für künstlerischen Wert gemacht (Hit).
Seit Mitte der 1960er-Jahre etwa verlor die Single gegenüber der LP an Bedeutung. Rockmusiker wandten sich längeren musikalischen Prozessen zu, denen die Single naturgemäß nicht gerecht werden konnte. In dieser Zeit eröffneten Plattenläden, die keine Singles mehr verkauften. Erst gegen Ende der 1970er-Jahre stiegen die Verkaufszahlen der Singles wieder, als im Zeichen von Punk und New Wave Rockmusiker ihre künstlerischen Ambitionen zurücknahmen und sich wieder in stärkerem Maße den Wurzeln der Rockmusik verpflichtet fühlten.
In der Rockmusik wurde mit der Single sogar ein gewisser Kult getrieben, indem ausgefallene Singles wie EP, 10- und 12-inch-Singles (wieder) auf dem Markt erschienen. Eine 10-Inch-Single hat den Durchmesser von 25 cm und die Drehgeschwindigkeit von 45 U/min; eine 12-Inch-Single hat die Größe einer LP, aber gleichfalls die Umdrehungszahl von 45 U/min (Maxi-Single) und wurde wegen der verbesserten Wiedergabequalität besonders in Diskotheken bevorzugt; daher auch ihr zweiter Name Disco-Single. Mitunter handelte es sich bei den auf Maxi-Singles erschienenen Songs schon um besondere Abmischungen eines auf einer LP veröffentlichten Stückes. Um die Mitte der 1980er-Jahre hatte der Verkauf von Singles einen neuen Höchststand erreicht, fiel dann aber schnell und stetig ab, so dass beispielsweise in den USA die klassische Vinyl-Single fast nur noch für Promotionzwecke eingesetzt wurde. Dieser Niedergang hatte mehrere Ursachen: Rockmusik – und damit die neuesten Hits – war durch zahllose, öffentlich-rechtliche und private Rundfunksender allgegenwärtig geworden. Allein in der Bundesrepublik Deutschland gibt es mehr als 300 Rundfunksender und zahllose Internet-Sender, die ihr Programm zum großen Teil mit dem Senden von Rockmusik gestalten; dabei kommen zumeist die aktuellen Hits zum Einsatz, also eben die Songs, die früher auf Singles verkauft wurden. Auch das von der Schallplattenindustrie ständig beklagte Mitschneiden von Rundfunksendungen auf Compact Cassette spielte einige Jahre lang eine Rolle. Schließlich kann der Rückgang des Single-Verkaufs (Vinyl) nicht ohne Berücksichtigung des Verkaufs von CD-Singles gesehen werden. Natürlich hat auch die Industrie ihren Anteil an dieser Entwicklung: Kaum sind Single-Hits aus den Hitparaden verschwunden, werden sie auf Samplern veröffentlicht, oft sogar gekoppelt mit einem oder zwei aktuellen Hits.
Üblicherweise werden Songs aus einem Album als Single ausgekoppelt, die erste Single zumeist vor der Veröffentlichung der LP bzw. CD, danach in regelmäßigen Abständen weitere Songs des Albums. Oft werden verschiedene Fassungen eines Songs auf der CD und auf Single veröffentlicht.
So erhielt die vorab veröffentlichte CD-Single die diffuse Rolle einer Art »Ankündigungs-EP«, ist es doch für Fans und Sammler unerlässlich, jede erhältlichen Tonträger eines Musikers oder einer Band zu kaufen. Allerdings gab es auch früher schon Singles, die Songs enthielten, die auf keiner mehr oder weniger zeitgleich veröffentlichten LP zu finden waren: Die Single »All You Need Is Love« (1967) der Beatles war die zum Album »Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band« gehörige Single, der Song selbst war aber nicht Teil des Albums. Oft – und dies geschah besonders häufig in den 1970er-Jahren – wurde ein Song für die Single in einer gekürzten Fassung produziert. Dazu wurde entweder das Arrangement verändert oder aber der jeweilige Song einfach ausgeblendet. Die Entscheidung, welche Fassung herausgebracht wird, verlangt in Zeiten der CD und anderer digitaler Tonformate ebenso einige Überlegung wie früher die, welches Stück auf Seite A bzw. auf Seite B (Flip Side) der Platte gepresst wird; die Einführung der CD machte zumindest letztere Entscheidung überflüssig.



Diskografie

Howard Jones: No One Is To Blame (1985)
Howard Jones: No One Is To Blame (1986; Extended Mix; auf derselben Maxi-Single befindet sich auch ein Long Mix)
Porcupine Tree: Lazarus (2005; die CD-Single mit drei Titeln wurde vor dem dazugehörigen Album veröffentlicht)
Porcupine Tree: Deadwing (2005; die CD enthält eine andere Fassung des Songs »Lazarus« als die Single)