Ska

Ska, jamaikanisches Kunstwort, in den 1950er Jahren aus einer Mischung von Mento und Rock’n’Roll entstandene Musik, die als Vorläufer des Rock Steady und des Reggae gilt. Herkunft und Bedeutung des Wortes sind nicht eindeutig geklärt; vermutlich soll es lautmalerisch den im Ska auffälligen Klang der Rhythmusinstrumente Gitarre und Bass nachempfinden.

Die in Jamaika bevorzugte Musik war bis in die 1950er-Jahre hinein der Mento und der Calypso. In den 1940er-Jahren lernten die Jamaikaner durch die Stationierung amerikanischer Soldaten Swing Jazz, später Rhythm’n’Blues und Rock’n’Roll kennen. Die für die Verbreitung von Musik bedeutenden Sound-System-Men – so vor allem Laurel Aitken, Prince Buster, Clement Coxson Dodd und Duke Reid – griffen die amerikanische Musik auf und verbanden sie in ihren eignen Produktionen zu einer Musik mit auffälligen und charakteristischen Merkmalen. Zu einer Ska Band gehören wenigstens Rhythmusgitarre, Bass – früher Kontrabass, später elektrische Bassgitarre – und Schlagzeug. In vielen Ska-Bands gibt es aber neben einem Organisten auch Trompeter, Saxofonisten und Posaunisten; Zahl und tatsächliche Besetzung sind aber nicht festgelegt. Der obligate Gesang kann zwar solistischausgestaltet sein, doch wird oft unisono im Chor gesungen, mitunter werden gesprochene Abschnitte eingefügt.

Das rhythmische Gerüst besorgt der Bass, häufig im Walking-Bass-Stil ausgeführt; Bass-Drum-Schläge sitzen meist auf der Zählzeit Eins und Drei, oft aber auch nur auf der Zählzeit Drei. Bei der Snare Drum kann der Snare-Teppich abgehoben sein, meist aber spielen die Schlagzeuger Fill-Ins auf dem Kesselrand. Zu diesem Gerüst stehen Gitarre, Orgel – das Klavier wird seltener verwendet – und Bläser in Kontrast, indem vor allem die Rhythmusgitarre, Upstroke gespielt, jeweils die Achtel zwischen den Beats markiert, als Off-Beat eingesetzt wird; diese konstante Bewegung wird analog zum Ska-Tanz auch Skanking genannt. Der Organist gleicht sich dieser Bewegung an, hat in der Regel aber etwas größerer Freiheiten als der Gitarrist; gleiches gilt für die Bläser, aus denen einzelne Instrumentalisten aber immer solistisch hervortreten können. Während im Reggae die Hammond-Orgel bevorzugt wurde, gehörte zu den Ska-Bands eher eine elektronische Orgel.

Neben diesem häufigen so genannten Eight Note Skank – der eigentlich ein ungebräuchlicher 8/8-Takt ist –, steht der Quarter Note Skank, in dem die Rhythmusgitarre die Zählzeiten Zwei und Vier akzentuiert.

Die in Jamaika produzierten Ska-Aufnahmen fanden Anfang der 1960er-ihren Weg nach Großbritannien. Oft wurden bekannte Titel in Ska-Versionen umgeformt, wie zahlreiche Aufnahmen der jamaikanischen Band The Skatalites zeigen. Im Laufe der 1960er-Jahre veränderte sich der Ska. Insbesondere wurde das vordem relativ hohe Tempo der Musik verringert. Diese Musik erhielt den Namen Rocksteady und verdrängte für Jahre den bekannten Ska – in Europa etwa von Milli Small und Desmond Dekker repräsentiert – aus den Hitparaden.

Parallel zu Punk und New Wave gegen Ende der 1970er-Jahre begann auch der Ska, zumal in Großbritannien, wieder eine größere Rolle zu spielen. Diese nach dem Vorbild von Punk aggressivere Variante des Ska, getragen von Bands wie Selecter, The Specials und Madness, wurde 2 Tone Ska genannt: Mit »2 Tone« waren die Farben Schwarz und Weiß genannt, die andeuten sollten, dass es sich bei Ska um eine von weißen und schwarzen Briten gespielte Musik handelte. Das Label 2 Tone Records wurde zur Heimstatt diverser Ska-Bands. Twotone kann auch als eigener Rockstil gesehen werden, in dem Punk und Ska eine Verbindung eingingen.

Die Wirkung der Twotone-Musik war um 1980er enorm, strahlte über Großbritannien hinaus und zog selbst in den USA das Interesse von Musikern und Publikum auf sich. Aus diesem Interesse entwickelte sich im Laufe der 1980er-Jahre eine Art »dritte« Phase in der Geschichte des Ska. Seitdem ist Ska eine ständig präsente Musik, sei es in häufig sehr aktiven lokalen »Gemeinden«, sei es in der Möglichkeit, Musik als Ska zu interpretieren, wie es etwa die deutsche Band Ringo Ska vorführte, als sie Beatles-Songs in Ska-Versionen veröffentlichte. So findet man nicht nur bei expliziten Ska-Bands wie etwa The Mighty Mighty Bosstones oder Reel Big Fish, sondern eben auch etwa bei der Rockband Fishbone oder der Pop-Formation No Doubt. Eine eigenständige Richtung stellt der Ska Jazz dar, wie ihn beispielsweise das New York Ska-Jazz Ensemble vertritt. Bläsern wird im Ska-Jazz größere Freiheit gegeben und Improvisation ist obligater Bestandteil der Musik.

Literatur

Augustyn, Heather: Ska – An Oral History; Jefferson 2010

Weblinks

www.allska.de (Deutsche Website mit umfangreichen Informationen zum Ska)
www.skalovers.de (Deutsche Website zum Ska)