Skiffle

Skiffle, englisch, Bezeichnung für eine an Blueswendungen und Jazzrhythmen ausgerichtete Gruppen-Musizierweise, deren Ursprung in den so genannten Rent-Parties schwarzer US-Amerikaner liegt; Musik, erzeugt mit einfachen oder improvisierten Instrumenten, gehörte obligat zu diesen Festen. Skiffle kann man als eine Art hemdsärmeligern Jazz ansehen, genauer betrachtet handelt es sich um eine stilistische Mischung von Blues-, Volkslied- und Jazzelementen. Der Begriff war wohl seit den 1920er-Jahren geläufig und wurde etwa von dem Jazz-Klarinettisten Jimmy O’Bryant (* 1896, † 1928) in den Namen seiner Band Chicago Skifflers eingebaut. Die genaue Bedeutung des Wortes ist unklar.

Schon im Hinblick auf das Instrumentarium stellt Skiffle denkbar einfache Anforderungen: akustische Gitarre, Banjo, Kontrabass bzw. tea-chest bass – ein aus einer Kiste und einem daran befestigten Besenstiel, von dessen Spitze die Saite zur Kiste gespannt ist, bestehendes Bassinstrument –, Mundharmonika, Kamm und Waschbrett sind in kurzer Zeit von jedem erlernbar. In geschichtlicher Sicht kommt dem englischen Skiffle seit Anfang der 1950er-Jahre mit Musikern und Gruppen wie Lonnie Donegan, Chas McDevitt, Nancy Whiskey, Johnny Duncan, The Vipers einiger Verdienst in der Vorbereitung der britischen Rockmusik zu; auch das britische Blues-Revival der 1960er-Jahre und das zur gleichen Zeit wieder erwachende Interesse an der eigenen, schottischen und englischen Volksmusik haben Wurzeln in der Skiffle-Bewegung. Später so einflussreiche Jazz-, Blues-und Rockmusiker wie Ken Colyer, Chris Barber, Alexis Korner und nicht zuletzt John Lennon haben ihre ersten musikalischen Erfahrungen in Skifflegruppen gesammelt.

Gegen Ende der 1950er-Jahre erlahmte das Interesse an der fröhlichen Musik. In den 1990er-Jahren kam es zu einem kleinen Revival – erneut unter Mitwirkung Donegans –, doch entsprach die ganze Art des Skiffle-Musizierens in Zeiten, in denen für eine elektrische Gitarre nur wenig Geld ausgegeben werden muss, nicht mehr der Realität von Musikern, und seien es Anfänger.

Literatur

Bird, Brian A.: Skiffle – The Story Of Folk Song With A Jazz Beat (London 1958)
Lührig, Holger: The British Skiffle Groups 1954–1958 – A Discography with Biographies, Photographs and Background Material; Unna 1997