Sound

Sound, englisch für »Schall, Klang«, in verschiedener Bedeutung gebrauchter Begriff für die Beschreibung von Rock- und Popmusik, häufig in Zusammensetzungen wie Flower-Power-Sound, Boston-Sound, Philadelphia-Sound und Beatles-Sound wie auch in Kombinationen, etwa Sound Design.

1) Allein wird das Wort »Sound« etwa für die Beurteilung einer Wiedergabeanlage verwendet. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Art eine Verstärkeranlage ist: der Klang einer Heim-Stereoanlage kann eben so einen »guten« oder »schlechten« Sound produzieren wie die P.A. in einem Konzertsaal. Dabei bleibt es der subjektiven Betrachtungsweise des Hörers überlassen, was er unter »gut« oder »schlecht« versteht, wenn auch bestimmte Maßstäbe in der Beurteilung der Qualität einer Wiedergabeanlage allgemeiner Konsens zu sein scheinen: Die Wiedergabe sollte frei von Verzerrungen sein, die Lautstärke muss der Musik angemessen sein – Heavy-Metal-Musik entfaltet einen »guten« Sound erst bei einer gewissen Minimal-Lautstärke, die allemal höher ist als etwa die von Folk Music -, die Sprachverständlichkeit muss gegeben sein, es darf sich weder ein Instrument noch ein Vokalist in den Vordergrund drängen und die Musik muss mit einem gewissen Engagement der Musiker präsentiert werden, also mit Nachdruck gespielt werden. Unter Fans ein und derselben Musik lässt sich in der Regel schnell ein Konsens finden, wann ein Sound »gut« ist. Dabei beinhaltet das Wort Sound weit mehr als das Wort Klang die rezeptive Seite des Hörens, ist also nicht nur eine den äußeren Umständen zuzuschreibende Angelegenheit: Eine Verstärkeranlage kann zwar einen den Daten nach »guten« Klang haben, möglicherweise gefällt ihr Klang dennoch nicht.
2) In diversen Zusammensetzungen, die nach dem Muster Boston-Sound kreiert werden, bleibt die Bedeutung des Wortes bei kritischer Betrachtung stets unklar. Mitunter wird eigentlich disparates mit dem vorangestellten Begriff allgemein gekennzeichnet. Zusammensetzungen wie Boston-Sound, San-Francisco-Sound, Beatles-Sound und vielen anderen geben einerseits augenzwinkernd vor, dass der Hörer, konfrontiert mit diesen Begriffen, schon wisse, was damit gemeint ist, andererseits behaupten sie, dass es tatsächlich etwas Gemeinsames in der Musik, in ihrem Klang gibt, das sie sofort als zu Boston, zu San Francisco oder den Beatles zugehörend kennzeichnet. Was das jeweils sein könnte, vermittelt der Begriff natürlich nicht. San-Francisco-Sound etwa suggeriert, dass sich in der Musik von Grateful Dead, Jefferson Airplane, Scott McKenzie und selbst der britischen Band The Flower Pot Men mit ihrem Song »Let’s Go To San Francisco« – für den sie listig eine Reihe von Anleihen bei den Beach Boys gemacht hatten – etwas findet, das irgendwie mit der Stadt San Francisco und dem Lebensgefühl im so genannten Summer of Love zu tun hat.
Natürlich lassen sich die individuellen Stilmerkmale in der Musik einer Band dingfest machen, wenn auch nur selten über ihr komplettes Ouevre. Mit Beatles-Sound ist fast immer der Gruppenklang gemeint, den die Beatles etwa 1967 hatten, als etwa mit LPs wie »Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band« und »The Magical Mystery Tours« präsentierten. Wenn der Beatles-Sound nachgeahmt wird – ein Beispiel bietet etwa der Song »Nothing Lasts Forever« (2010) der australischen Band Unitopia, andere einige Songs von Badfinger, Radiohead oder Oasis – so wird auf einige Songs dieser Veröffentlichungen zurückgegriffen.
Wesentlich scheint der Sound einer Band von ihren Vokalisten abhängig: Der markante Sound von Bands wie The Beatles, Deep Purple, Gazpacho, The Rolling Stones, Queen – um nur wenige zu nennen – beruht weniger auf Instrumentalisten als auf den jeweiligen Sängern. Bands etwa, deren Sänger verstarb, hatten mit einem anderen Sänger auch einen anderen Sound.



Diskografie

The Beatles: Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)
Badfinger: Magic Christian Music (1969)
Oasis: Whatever (1994; Single)
Radiohead: OK Computer (1997)
Unitopia: Artificial (2010)



Literatur

Gillett, Charlie: The Sound of The City; London 1971
Sandner, Wolfgang: Sound & Equipment, in: Wolfgang Sandner (Hrsg.): Rockmusik – Aspekte zur Geschichte, Ästhetik, Produktion; Mainz 1977
Frith, Simon/Goodwin: On Record – Rock, Pop and the Written Word; New York 1990
Moore, Allan F.: Rock: The Primary Text – Developing a Musicology of Rock; Ashgate 2001