Stimmton

Stimmton oder Normalton, englisch standard pitch, Orientierungston a‘ (eingestrichenes a), auf den sich alle anderen Töne beziehen; neben dem durch Absprache normierten Stimmton gibt es weitere, so den Kammerton, den Chorton, den Operton und den Cornetton. Der Stimmtons ist in DIN 1317 normiert.

Die Normierung des Stimmtones wurde dank der Erfindung der Stimmgabel in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ermöglicht. Zuvor unterlag der Stimmton je nach Zeitpunkt und Ort beträchtlichen Schwankungen. Als eine durchgehende Tendenz lässt sich seine allmähliche Erhöhung beobachten. Während der Stimmton zu Beginn des 18. Jahrhunderts etwa um einen Halbton tiefer lag als heute, wurde er im Laufe des 19. Jahrhunderts, vor allem durch die reisenden Virtuosen, beständig erhöht, um den Klang, insbesondere den Streicherklang, aufzuhellen. Eine allgemein akzeptierte Stimmtonregelung besteht selbst in der Gegenwart nicht, trotz der Stimmtonkonferenz in Wien im Jahre 1885. Auch eine Londoner Konferenz im Jahre 1939, die den Stimmton auf 440 Hz bei 20° Celsius heraufgesetzt hatte, konnte ihre Empfehlung international nicht durchsetzen (Frankreich z. B. hat 1950 den Stimmton auf 432 Hz herabgesetzt).
Ein Instrument kann unter Einsatz verschiedener Hilfsmittel gestimmt werden. An erster Stelle steht immer noch die Stimmgabel, doch wird ihr der Rang intensiv von elektronischen Stimmgeräten streitig gemacht: Einerseits können diese auch Tuner genannten Geräte den Stimmton – und nicht nur diesen – exakt prüfen und zeigen die Annäherung an den Stimmton auch optisch auf einem kleinen Bildschirm an. Zum anderen stellt bei vielen Stimmgeräten ein eingebauter Tongenerator den Normalton von 440 Hz zur Verfügung; natürlich kann dieser Ton auch verändert werden, so dass auch historische Stimmungen eingestellt, bzw. geprüft werden können. Wegen der Konkurrenz ist die früher vornehmlich von Gitarristen verwendete Stimmpfeife mehr oder weniger außer Gebrauch gekommen; es gibt auch Stimmpfeifen-Bündel, die die Stimmung aller sechs Saiten der Gitarre bereitstellen. Der technische Fortschritt machte es möglich, dass der mit elektronischen Generatoren erzeugte Stimmton via Telefon, in jüngerer Zeit auch über das Internet, jedermann zur Verfügung steht. Der Kammerton 440 Hz beispielsweise kann über die Website http://www.kammerton.de abgerufen werden.
Im Orchester gibt der Erste Oboist den Stimmton an; der Ton der Oboe ist klar und setzt sich auch in einer lauteren Umgebungen durch; die Mitglieder des Orchesters stimmen ihre Instrumente nach dieser Vorgabe.

Ein verbindlich festgelegter Stimmton ist im Ensemblespiel unabdingbar. Dieser muss aber nicht notgedrungen in allen Fällen tatsächlich bei 440 Hz liegen, sondern kann – etwa für einzelne Konzerte oder auch Schallplattenaufnahmen – abgesenkt oder erhöht werden. Aussagen von Musikjournalisten, diese Sängerin oder jener Sänger habe mühelos den Spitzenton der jeweiligen Komposition singen können, sind daher ohne Wert, wenn nicht gleichzeitig offengelegt wird, welcher Stimmton verwendet wurde. Es gibt nur wenige CD-Veröffentlichungen, bei denen der für die Aufnahme verwendete Stimmton angegeben wurde.

Diskografie


Patricia Petibon: Amoureuse – Mozart, Haydn, Gluck; Aufnahme von 2008 mit Concerto Köln unter Leitung von Daniel Harding; Stimmton a‘ = 430 Hz