Stride-Piano

Stride-Piano, pianistische Technik, um 1920 von den Pianisten James P. Peterson (* 1891, † 1955) und Luckey Roberts (* 1887, † 1968) entwickelt; die Technik wurde für die Swing-Ära bedeutsam.

Nach ihrem Entstehungsort Harlem wird die Spieltechnik auch Harlem Stride genannt. Zwar zählt die Stride-Piano-Technik im Übergang vom Chicago-Stil zum Swing zu den frühen Spieltechniken des Jazz-Pianos, sie basiert aber nicht auf der Technik des Ragtime-Spiels. Kennzeichen der Stride-Piano-Technik ist vielmehr, dass in geraden Metren mit der linken Hand auf die schwere Taktzeit ein meist auch oktavierter Basston, auf die leichte ein Akkord gelegt wird. Im Viervierteltakt heißt das also, dass der Pianist auf den Zählzeiten 1 und 3 einen Basston, auf 2 und 4 einen Akkord spielt. Er kann dieses Schema auch variieren, in dem auf die Zählzeiten 1, 2 und 3 jeweils ein Basston und erst auf die Zählzeit 4 ein Akkord fällt. Durch den Einsatz des Pedals können die Basstöne noch hervorgehoben werden.

Das Stride-Piano-Spiel war bis zum Ende der Swing-Ära eine beliebte und weit verbreitete Technik, die erst mit dem Aufkommen des Bebop von abstrakteren Spielweisen abgelöst wurde. Dennoch gehört die Spieltechnik immer noch zum pianistischen Repertoire vieler Jazzpianisten.

Dem ersten Eindruck nach scheint die rhythmisch stereotype Technik leicht durchführbar zu sein, doch ist dem nicht so: Während der linken Hand hohe Präzision in der Gestaltung der Zeit abverlangt wird, ist das Spiel der rechten Hand weit weniger gebunden und steht häufig sogar im metrischen und rhythmischen Gegensatz zu den konstanten Vierteln der linken Hand. So ist der Pianist gezwungen, in zwei zeitlichen Ebenen zu denken und deshalb das Spiel der linken Hand zu mechanisieren. Zu den herausragenden Vertretern des Stride Pianos gehören neben anderen Fats Waller, Willie »The Lion« Smith, Art Tatum, Count Basie und mit einzelnen Aufnahmen auch Duke Ellington und Thelonious Monk.