Suite

Stichworte Ouvertüre | The Nice | Emerson, Lake & Palmer | Yes | Porcupine Tree | The Beatles



Suite, französisch: Folge, unter einer Tonartbezeichnung oder auch einem Namen zusammengefasste Sammlung von meist kleineren Kompositionen, die ihrerseits häufig auf verschiedenen tatsächlichen oder zumindest stilisierten Tänzen basieren.

Die unmittelbare Abfolge verschiedener Tänze ist bereits im Mittelalter üblich gewesen. So wurden etwa langsame Schreittänze im Vierertakt mit schnellen Springtänzen im Dreiertakt kombiniert. Das Wort Suite selbst wird im 16. Jahrhundert in verschiedenen Tanzbüchern verwendet. Aus den in diesen Büchern gesammelten Einzeltänzen traf der jeweilige Musiker eine Auswahl, die dann die Suite darstellte. Es existierte auch die Möglichkeit, aus einem Tanz durch Umrhythmisierung und Variation eines einzelnen Tanzes Tanzpaare zu erzeugen, also etwa Pavane-Gaillarde oder Pavane-Saltarello. Auf diese Weise konnten auch Kombinationen von drei Tänzen geschaffen werden, Pavana-Saltarello-Piva.
Losgelöst vom praktischen Gebrauch als Begleitmusik entstand im 17. Jahrhundert die Orchestersuite, wie sie in Oper und Ballett üblich wurde. Neben die, dann auch mehr oder weniger beliebige Abfolge von Tanzsätzen wurden zu dieser Zeit auch die ersten Kompositionen in Suiten aufgenommne, die nicht auf einem Tanz basierten. Mitte des 17. Jahrhunderts dann wurde der Tanzfolge eine Eröffnung vorangestellt, die dann auch als Name für die gesamte Komposition galt; eine Ouvertüre, eigentlich das Einleitungsstück, ist in dieser Hinsicht also dasselbe wie eine Suite. Im Laufe der Entwicklung nahm der Einleitungssatz dann mehr Raum ein und konnte auch mehrere Teile aufweisen. So sind etwa G.F. Händels »Feuerwerksmusik« und »Wassermusik« ihrem Wesen nach Orchester-Suiten.
In der Kammermusik wurde die Eröffnungskomposition seltener Ouvertüre, häufiger Präludium oder Preludio genannt. Auch verfestigte sich die Kombination der Tanztypen etwa zu der Folge Allemande, Courante, Sarabande und Gigue. Diese obligate Folge konnte allerdings durch andere Stücke nahezu beliebig erweitert werden, zahlreiche Suiten etwa für Laute oder Klavierinstrumente legen davon Zeugnis ab. In Deutschland konnten die vier genannten Tänze etwa durch Menuette, Bourrée, Gavotte, Passepied, Loure und Rigaudon erweitert werden. Ende des 17. Jahrhunderts bürgert sich auch der Name Partita für die Suite ein. Suite, Ouvertüre und Partita bezeichnen also ein- und dieselbe Sache; so werden J.S. Bachs vier Suiten für Orchester BWV 1066-1069 auch Ouvertüren für Orchester genannt, seine Suite für Violine, Violoncello oder Cembalo auch Partiten, während die Französischen und Englische Suiten in ihrem Namen darauf hinweisen, dass in ihnen die in den jeweiligen Ländern bevorzugten Abfolgen von Tanzkompositionen beachtet wurden. Bachs Werke stellen den Höhepunkt, aber auch den Abschluss der Gattung dar.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts kam es etwa im Werk von Edvard Grieg und Max Reger zu einer Wiederbelebung der Gattung. Während die Werke dieser Komponisten bewusst einen Rückgriff auf die Tradition darstellten, waren andere Suiten Ansammlungen einzelner Kompositionen, die nicht durch einen gemeinsamen Charakter oder eine gemeinsame Tonart gekennzeichnet waren, sondern durch ein Programm. Dazu zählen etwa Zyklen wie Modest Mussorgskis »Bilder einer Ausstellung«, Griegs »Peer-Gynt-Suite« und Georges Bizets »Arlesienne-Suite«, aber auch Schauspiel- und Ballettsuiten etwa von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky oder Igor Strawinsky.
Gerade diese Suiten der jüngeren Zeit können als Vorbilder für Suiten ähnelnden Kompositionen und Schallplattenwerken in Jazz und Rock gesehen werden. Da weder in Jazz noch in Rock größere Formen als Lied oder Blues bekannt sind, stellen diese Folgen von Kompositionen die einzige Möglichkeit dar, ausgedehnte Kompositionen realisieren zu können. Der Begriff »Suite« selbst wurde etwa von Duke Ellington für seine »Newport Jazz Festival Suite« (1956) und die »New Orleans Suite« (1972) verwendet. Auch im Rock, insbesondere im Progressive Rock, ist der Begriff üblich, zu finden etwa bei Colosseum (»Valentine Suite«; 1969) und The Nice (»Five Bridges Suite«; 1970). Darüber hinaus, ohne Verwendung des Begriffes im Titel, stellen allerdings viele Kompositionen der Rockmusik Suiten dar, wobei Grundlage zumeist ein Pogramm, also ein Konzept ist. In diesem Sinne sind etwa »Tarkus« (1971) von Emerson, Lake & Palmer, »Close to the Edge« (1972) von Yes und in jüngerer Zeit »The Incident« (2009) von Porcupine Tree Suiten dar. Im Sinne von suite als offener Form gilt dies aber auch schon für einzelne Song wie »Good Vibrations« (1966) von den Beach Boys, »A Day in the Life« (1967) von den Beatles, erst recht für Teile deren LP »Abbey Road« (1969).