Summer of Love

Summer of Love, von englisch summer für »Sommer« und love für »Liebe«, Bezeichnung für die Sommermonate des Jahres 1967; der Begriff wurde zunächst lediglich für die Hippie-Subkultur der amerikanischen Stadt San Francisco geprägt, wurde dann aber von den Medien aufgegriffen und gab weltweit den Anlass, ähnliche Erscheinungen in anderen Städten der USA und Europas ebenfalls damit zu belegen.

Der Summer of Love ging von dem in San Francisco gelegenen Stadtteil Haight Ashbury aus, der bereits Ende der 1950er-Jahre von Vertretern und Anhängern der so genannten Beat-Generation als Fluchtpunkt für ein freies und selbstbestimmtes Leben entdeckt und vereinnahmt worden war. Die Maßstäbe der Beat-Generation – vor allem die Zurückweisung eines von Konsum und gesellschaftlicher Verpflichtung reglementierten Lebens – übten bis Mitte der 1960er-Jahre eine stetig zunehmende Anziehungskraft auf junge Menschen aus, erst recht die Vorstellung von dem propagierten, in vielen Belangen freien Leben, in dem etwa Nahrung, Kultur, medizinische Versorgung, Drogen und nicht zuletzt Sexualität frei – im engeren Sinne also: gratis – zu haben seien. Berichte aus San Francisco, weltweit veröffentlicht, zogen daher eine große Zahl junger Menschen vornehmlich aus den USA, aber auch aus Europa nach San Francisco; in diesen Monaten soll die Einwohnerzahl des Stadtteils um 100 000 Menschen gewachsen sein.

Wesentlicher Bestandteil der sich bildenden Subkultur war Rockmusik. In so genannten Free Concerts traten Gruppen wie Grateful Dead, Jefferson Airplane, The Charlatans, The Byrds, Quicksilver Messenger Service, Janis Joplin und The Family Dog neben diversen Ad-Hoc-Formationen und lokalen Bands auf. Hier auch wurde der Phänotyp des Psychedelic Rocks entwickelt, etwa die Idee, dass zu einem Rockkonzert eine besondere Lichtgestaltung gehörte. So wurden die Licht-Design-Ideen eines Bill Ham fester Bestandteil von Rockkonzerten jeglicher Art und wurden bald auch in Europa – etwa von Pink Floyd – aufgegriffen und nachgeahmt.

Die Hippie-Kultur wurde nahezu von Anbeginn kommerziell ausgeschlachtet und überhöht: Der amerikanische Sänger Scott McKenzie sang den von John Phillips verfassten Song »San Francisco (Be Shure to Wear Some Flowers in Your Hair)« (1967) und selbst die britische Band The Flower Pot Men hatte mit »Let’s Go to San Francisco« im selben Jahr einen Hit – den einzigen. Propheten wie Allan Ginsberg und Timothy Leary lieferten den theoretischen Sockel für die Hippie-Kultur und lebten noch Jahrzehnte später von ihrem damals erworbenen Nimbus. In Bill Grahams Fillmore East wurden Konzerte wie auch eine Hippie-Hochzeit veranstaltet, Künstler wie Michael Bowen, Stanley »Mouse« Miller und Robert Crumb entwickelten eine psychedelische Kunst und die S.F. Mime Troupe experimentierte mit neuen Formen des Straßentheaters; George Harrison führte seine frisch angetraute Gattin Patty Boyd in Haight Ashbury aus.

Die Konnotation von Blumen, Drogengenuss – meist LSD und Haschisch, häufig genug von der Rocker-Gruppe Hell’s Angels geliefert –, freier Liebe und selbst freiem Essen – verteilt von so genannte Diggers, deren Bohnensuppe ein geradezu legendärer Ruf vorauseilte – mit einer Hippie-Kultur hatte auch ihre Schattenseiten, denn die bürgerliche Gesellschaft sah in den Hippies lediglich arbeitsscheue, Drogen und Sex zugeneigte Nichtsnutze. Zudem war die Stadt mit der großen Zahl der Menschen überfordert und gegen Ende des im Jahre 1967 sehr warmen, trockenen und lang anhaltenden Sommers wollten selbst die in der Stadt beheimateten »echten« Hippies die vielen Freizeit-Hippies nicht mehr sehen: Im Oktober des Jahres richteten sie eine Trauerfeier aus und beerdigten unter der Bezeichnung »The Death of the Hippie« den Summer of Love, nicht ohne den Hinweis, die Maßgaben der Sommermonate in San Francisco in alle Welt zu tragen. Das war zu diesem Zeitpunkt längst geschehen, selbst in den Grünanlagen westdeutscher Kleinstädte saßen die Hippies bei Lambrusco und Gitarrenklang beieinander.

Es sei nicht verschwiegen, dass der Sommer 1967 auch einer der Sommer war, die stark von Rassenunruhen und Gewaltausbrüchen von Demonstranten und Polizei geprägt waren. Als »long hot summer« ging er in die Geschichte ein, und es ist auffällig, dass der Summer of Love vornehmlich eine Angelegenheit weißer Bürgerkinder gewesen war. Im Hintergrund stand auch die zunehmende Verstrickung der USA in den Víetnam-Krieg, so dass bereits das auf den Summer of Love folgende Jahr 1968 die Motivation Jugendlicher nicht mehr auf einen weiteren Sommer voll Blumen, Liebe und Friede richtete, sondern auf den Protest gegen den Krieg in Südostasien.

Literatur

Lee, Martin A./Shlain, Bruce: Acid Dreams – The CIA, LSD, and the Sixities Rebellion; New Yokr 1985
Anthony, Gene: The Summer of Love – Haight-Ashbury At Its Highest; Millbrae (Kalifornien) 1980

Weblink

www.diggers.org/history.htm (Website zum Summer of Love aus der Sicht der Diggers)