Sunshine Pop

Sunshine Pop, zusammengesetzt aus englisch sunshine für »Sonnenschein« und pop für »Pop« im Sinne von Popmusik, US-amerikanische Spielart des Psychedelic Rock

Sunshine Pop entstand als einer der Reflexe auf die British Invasion, den Siegeszug britischer Beat- und Rockbands in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre in den USA. Vorbilder für den Sunshine Pop boten einige Songs der Beatles und der Rolling Stones, die durch ihre farbige und für Rockmusik ungewöhnliche Instrumentierung mit Streichinstrumenten und traditionellen Tasteninstrumenten wie Klavier und Cembalo sowie Streicher und vereinzelte Holzblasinstrument wie Querflöte und Oboe auffielen. Im Kombination mit bestimmten Elementen des Surf Rock, insbesondere dem mehrstimmigen Satzgesang und deren meist »positiven« Thematik entstand aus diesen Reflexen der Sunshine Pop. Es gibt zwar kaum eine Band, die ausschließlich dem Sunshine Pop zuzurechen ist, doch finden sich auch im Œuvre von Bands wie The Beach Boys, The Mamas and the Papas, The Turtles, The Monkees, The Buckinghams, The Lovin‘ Spoonful, The Association, Strawberry Alarm Clock und weiteren mehr eine Reihe von Songs, auf die das im Gunde wenig aussagende Etikett Sunshine Pop passt. Es liegt auf der Hand, das eine Strömung, die den Begriff Sunshine im Namen trägt und in den USA beheimatet ist, allemal auf das zumindest meteorologisch angenehme Leben in Kalifornien Bezug nimmt und so stammen viele der der Bands des Sunshine Pops eben aus diesem Bundesstaat an der Westküste der USA.
Sunshine Pop hat durch die häufige Verwendung von traditionellen Instrumente wie eben Cembalo, Violin und Oboe eine gewisse Nähe zum so genannten Baroque Pop, in dem zwar auf die Klangwelt der barocken Kunstmusik zurückgegriffen wird, aus dieser aber nicht direkt zitiert wird wie im Classical Rock. In diesen Zwischenbereich fällt etwa die Musik von Curt Boettcher und The Left Banke.
Wenn auch der Begriff selbst ein sorgenfreies Leben voller wohlklingender Musik suggeriert, so lohnt es sich allemal, die Texte der Songs zu beachten,in denen – wie in den Texten der britischen Vorbilder – oft genug Ironie und Doppeldeutigkeit auftreten; dies kann etwa in den Texten der Turtles der Fall sein.
In den 1960er-Jahren waren die Begriffe Sunshine Pop und Baroque Pop zumindest in Deutschland ungebräuchlich,wenn nicht unbekannt. Ihre Herkunft liegt im Dunkel. Lediglich der Begriff Baroque Rock wurde 1969 von der US-amerikanischen Musikjournalistin Lillian Roxon genannt, eventuell sogar geprägt. Als Teil des Psychedelic Rocks sind Sunshine Pop und Baroque Pop Teil der Vorgeschichte des sich in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre herausbildenden Progressive Rocks. Sunshine Pop selbst geriet Anfang der 1990er-Jahre erneut in den Fokus des Interesses von Rockhörern, zunächst in Japan, dann auch in den USA und Europa.