Synkope

Synkope, von altgriechisch synkope für »Zusammenschlagen, Verkürzung«, Verlegung des metrischen Gewichts entgegen des herrschenden Metrums von einer betonten Zählzeit auf eine unbetonte; Synkope ist nicht gleichbedeutend mit Off-Beat.

In einem Vier-Vierteltakt wechseln sich betonte und unbetonte Zählzeiten ab; betont sind stets die Zählzeiten 1 und 3, während die Zählzeiten 2 und 4 als unbetont angesehen werden. Wird diese Abfolge durchbrochen, indem eine eigentlich auf der Zählzeit 1 erwartete Note bereits auf der Zählzeit 4 des vorangehenden Taktes auftritt, so handelt es sich um eine Synkope.

Im metrisch »normalen« Verhältnissen heißt dies: Zählzeit 1 erhält durch die halbe Note eine Betonung, Zählzeit 2 hat keine Note daher unbetont, Zählzeit 3 wiederum ist durch das Auftreten der Viertelnote betont; die Note auf Zählzeit 4 darf unter diesen Verhältnissen nicht betont werden.

SynkopeEinfach1

Im folgenden Beispiel erhält wiederum die Zählzeit 1 durch die Viertelnote eine Betonung. Nunmehr aber tritt auf Zählzeit 2 eine halbe Note auf, die durch das Fehlen eines Tones auf der eigentlich betonten Zählzeit 3 die Betonung zwangsläufig vorwegnimmt; die Viertelnote auf Zählzeit 4 darf wiederum nicht betont werden.

SynkopeEinfach2

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine Synkope zu erzeugen: Die einfachste ist die im obigen Beispiel beschriebene – ein Ton wird auf einer unbetonten Zählzeit begonnen und über die eigentlich betonte Zählzeit hinweg gehalten. Bei einer zweiten, ähnlichen Methode wird ein Ton auf eine unbetonte Zählzeit gesetzt, auf der folgenden betonten Zählzeit aber eine Pause. Schließlich kann in einem mehr oder weniger gleichmäßigen melodischen Fluss ein Ton auf einer unbetonten Zählzeit einfach lauter gespielt werden als der folgende, auf einer betonten Zählzeit sitzende Ton.

Sämtliche dieser Möglichkeiten der Verschleierung der eigentlichen metrischen Verhältnisse gibt es auch in Jazz, Rock und Pop. Viele Riffs etwa im Hardrock und Heavy Metal enthalten Synkopen, wie etwa auch das Gitarrenriff schlechthin, das von »Smoke On the Water«, ein Song, den die britische Rockgruppe Deep Purple 1972 mit ihrer LP »Machine Head« veröffentlichte.

SmokeOnWater3

Mitunter wird das Phänomen des Off-Beats mit dem der Synkopenbildung verwechselt oder gleichgesetzt. Tatsächlich stellt auch der Off-Beat wie die Synkope eine Negierung der metrischen Verhältnisse dar, richtet sich aber nach den herrschenden Zeitwerten. Der Gitarrist Ritchie Blackmore, Urheber des Riffs, zog das zweite Achtel im zweiten Takt gelegentlich um weniges vor, machte also aus der Synkope – die es in der Notation zweifelsfrei ist – ein Off-Beat-Ereignis; es darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass Rockmusik zwar in der Regel im Vier-Viertel-Takt notiert wird, tatsächlich aber eine Achtel-Bewegung zugrunde liegt.

Synkopen treten in fast allen Musikkulturen auf. Beschrieben wurde das Phänomen schon im 14. Jahrhundert. In der notierten mehrstimmigen Musik erlaubte die Möglichkeit der Synkope zwar die rhythmische Variation einzelner Stimmen, in einer Art Gegenbewegung wurde dadurch aber auch das Metrum als die für alle Stimmen geltende Basis gestärkt; eine Synkope stellte eine Verletzung dieser Ordnung dar. Bereits im beginnenden 19. Jahrhundert, etwa in der Musik Franz Schuberts, zeigen sich Auflösungstendenzen der Ordnung der Schlagzeiten, bis hin zur Verschleierung in Jazz und Rock.