Synthie-Pop

Synthie-Pop, auch Synthiepop und Synthpop, Kunstwort zusammengesetzt aus Synthie als Abkürzung für Synthesizer und Pop, Musik die ausschließlich unter Einsatz von Musikinstrumenten mit elektronischer Tonerzeugung zustande kommt und mitunter von absichtlich einfacher Struktur ist; andere Begriffe für derartige Musik sind Elektro-Pop und – weniger gebräuchlich – Techno-Pop.

Die Wurzeln des Synthie-Pop dürften in den 1960er-Jahren liegen, als Platten wie »Switched On Bach« (1968) und »The Well-tempered Synthesizer« (1969) von Walter Carlos das Interesse von Rockmusikern erweckten. Da die von Carlos und wenig später Keith Emerson verwendeten Synthesizer extrem teuer waren, bauten sich Musiker vielfach selbst Oszillatoren und Ringmodulatoren, verbanden sie mit Effektgeräten wie Wah-Wah-Pedal und Fuzz Box und erzeugten mit diesen Konstruktionen zumindest markante Effekte. Anfang der 1970er-Jahre waren dann kleinere Synthesizer verfügbar, zu denen neben dem Minimoog vor allem der AKS Synthesizer gehörte – Brian Eno benutzte ihn bei den Aufnahmen für die erste Platte von Roxy Music. Elektronische Musik war zu dieser Zeit vor allem eine Sache europäischer Rockmusiker, die mit den Geräten experimentierten und eher an wie auch immer avantgardistischer Musik interessiert waren. Zu diesen Bands gehörte neben anderen auch die Düsseldorfer Band Kraftwerk.
Etwa zur selben Zeit veröffentlichte die amerikanische Formation Hot Butter ihre Single »Popcorn« (1972), die zwar auf dieselbe Weise wie die Produktionen Carlos’ zustande gekommen war – nämlich in langwierigen Studio-Sessions unter zu Hilfenahme diverser Tonbandgeräte -, aber ein sehr simpel konstruiertes Lied war. Zunächst fand diese Musik keine Nachahmer. Mitte der 1970er-Jahre brachten japanische Firmen wie Korg und Yamaha kleine Synthesizer auf den Markt, die sich relativ leicht handhaben ließen und vor allem nicht so teuer waren wie die amerikanischen Synthesizer von ARP oder Moog. Nachdem der Punk an Kraft und Wirksamkeit verloren hatte und die so genannte New Wave Punk wie Progressive ablöste, setzten eine Reihe von Bands auf elektronische Klänge, bestanden aber auf der Einfachheit des Materials. Prototypisch kann die Musik Kraftwerks gelten, doch gab es auf dem gesamten europäischen Kontinent Musikerformationen, die mit Hilfe der kleine Synthesizer und einfacher Rhythmus-Geräte komplette LP einspielten. Bands wie Ultravox, Depeche Mode, Tubeway Army, Orchestral Manoeuvres In The Dark, Yello, The Human League, Blancmange und Soft Cell benutzten zeitweise ausschließlich Instrumente mit elektronischer Tonerzeugung. Amerikanische Gruppen wie beispielsweise TONTO’s Expanding Head Band hingegen blieb in Europa einem größeren Publikum unbekannt, doch gab es auch in Europa, zumal in Deutschland Bands – wie z.B. Deutsch-Amerikanische Freundschaft –, die trotz ähnlicher Ausrichtung nicht unbedingt als Vertreter des Synthie-Pop angesehen werden, sondern bereits den Übergang zur komplett auf elektronischem Wege erzeugten Tanzmusik darstellen. Diese wiederum verdrängte spätestens ab Mitte der 1980er-Jahre den Synthie-Pop, die Bands lösten sich entweder auf oder passten sich auf die eine oder andere Weise an und nur wenige Gruppierungen – so z. B. Depeche Mode und Yello – bestanden weiterhin. Die Stilmittel des Synthie-Pop werden hier und da aber immer wieder mal genutzt.