Tabulatur

Tabulatur, von lateinisch tabula für »Tafel«, Methode der Verschriftlichung von Musik, die auf bestimmte Instrumente angepasst sein kann.

Tabulaturen gibt es etwa seit dem späten Mittelalter. Ursprünglich dienten sie dazu, mehrstimmige Vokalmusik auf einer Tafel zusammenzuschreiben,damit das jeweiligen Musikstück auf einem anderen Musikinstrument, meist einem Tasteninstrument, gespielt werden konnte. Aus diesen Tabulaturen entwickelten sich bis zu Barockzeit Tabulatur-Schriften für Orgel und Kielinstrument einerseits, für Laute, Theorbe und Gambe andererseits. Tabulaturen blieben auch über ihre eigentliche Blütezeit – bis die heute übliche Notenschrift zumindest in brauchbarem Entwicklungsstand verfügbar war – gebräuchlich.
In jüngerer Zeit, vor allem auch in Jazz und Rock wird für die Gitarre eine moderne Form der Tabulatur verwendet. Ählich wie bei früheren Tabulaturen beispielsweise für die Laute werden horizontale Linien gezogen,die die sechs Saiten der Gitarre darstellen; die tiefste Saite wird von der untersten Linie dargestellt, die höchste von der obersten. Am Beginn der Linien können die Saitennamen angegeben sein. Die Bünde werden nicht eingezeichnet, sondern Ziffern für den zu greifenden Bund: Eine leer zu spielende Saite wird durch eine 0 angegeben, eine 3 bedeutet, dass auf der jeweiligen Saite am dritten Bund gegriffen werden soll, eine 11, dass dies am elften Bund geschehen soll usw. Der Rhythmus wird bei einer herkömmliche Art der Darstellung durch die üblichen Notenhälse und -fähnchen verdeutlicht: Eine 4, versehen mit einem Notenhals und einem einfachen Fähnchen bedeutet, das im vierten Bund der jeweiligen Saite ein Achtel zu spielen ist.
Bei einer Variante dieser Tabulatur werden die Möglichkeiten einer nicht-proportionalen Schrift auf Schreibmaschine oder auch in einer Textverarbeitung für die gleichzeitige Darstellung des zu spielenden Rhythmus ausgenutzt: Die Saiten werden nicht durch durchgezogene Linien repräsentiert, sondern durch kurze Striche, von denen jeder einen festen Zeitwert darstellt, pragmatischerweise den kleinsten im Musikstück auftretenden, meist also Achtel oder Sechzehntel. Eine Ziffer in der Linie gibt an, dass ein Ton gespielt werden soll, die dahinter folgenden Striche,wie lange er gelten soll. Ein Viertelton G wird also durch eine 3 (auf der tiefsten Saite) mit drei folgenden Strichen dargestellt, wenn Sechzehntel die Basis sind.
Als Tabulatur werden häufig auch Griffbilder bezeichnet, wenn dies auch nicht ganz korrekt ist. Währen bei der oben beschriebenen Tabulatur diese quasi die Sicht des Instrumentalisten auf sein Griffbrett darstellt, wird für Griffbilder das Griffbrett in die Senkrechte gedreht – Sattel (nut) oben – und nur einen Ausschnitt gezeigt. Die tiefste Saite liegt nun links, die höchste rechts, waagerechte Linien geben die Bünde an, eventueller Nullbund ist Sattel. Soll ein bestimmter Ton auf dem Griffbrett gegriffen werden, so zeigt dies ein schwarzer Punkt hinter dem Bund, im Bild also über dem Bund, an. Eine leer zu spielende Saite wird entweder gar nicht angegeben, meist aber durch eine Null (0) über dem Sattel, eine nicht zu spielende Saite durch ein X über dem Sattel. Meist werden diese Griffbilder an der Stelle über der Notation einer Melodie angeben, an der ein Harmoniewechsel erfolgt, also ein Wechsel des Begleitakkordes.
Viele Gitarristen und Bassisten – für sie gibt es sinngemäße Tabulaturen mit vier oder fünf Linien für vier oder fünf Saiten – bevorzugen Tabulaturen, obwohl sie nicht unbedingt leichter zu lesen sind als die herkömmliche Notenschrift. Moderne Gitarrentabulaturen mussten, um den Anforderungen der Instrumentalisten gerecht zu werden,mittlerweile wie die traditionelle Notenschrift mit diversen Zusatzeichen für Anweisungen wie Pull Offs, Bends, Slides, Triller usw. ergänzt werden. Tabulaturen dieser Art sind obligater Bestandteil von Literatur für elektrische Gitarren und Bässe.


http://www.griffbrett.de/2011/01/wie-liest-man-tabulatur (Website mit ausführlichen Informationen über die moderne Gitarrentabulatur)