Takt

Takt, von lateinisch tactus für »Berührung, Wirkung«, in der Musik und in der Notation gebräuchliches Rastersystem, das dazu dient, die metrischen Verhältnisse kenntlich zu machen; in der Notation wird ein Takt durch zwei senkrecht die Notelinien kreuzende Striche kenntlich gemacht.

Was zwischen diesen beiden Taktstrichen passieren soll, wird durch die Taktangabe, einen Bruch, der immer am Anfang der ersten Notenzeile zu finden ist, festgelegt: In einem mit 4/4 bezeichneten Takt leitet sich aus dem Nenner ab, dass der Grundschlag – in Jazz, Rock und Pop Beat genannt – auf Viertel-Notenwerten basiert. Der Zähler 4 verdeutlicht, dass in einem Takt vier Viertel-Noten enthalten sind, demzufolge auch acht Achtel, sechzehn Sechzehntel, oder aber zwei Halbe oder eine ganze Note. Ein Vier-Viertel-Takt kann auch mit dem Buchstaben C gekennzeichnet werden; ist das C mit einem senkrechten Strich versehen, heißt dies, dass es sich um einen Allabreve-Takt handelt, also eigentlich um einen 2/2-Takt..
Im Zähler können verschiedene Werte stehen, so beispielsweise eine drei für ¾-Takt oder eine fünf für 5/4-Takt. Der Grundschlag ist auch hier in Vierteln organisiert, im ¾-Takt sind aber nur drei Viertel, im 5/4-Takt dagegen fünf Viertel enthalten. Bei manchen Taktarten, so dem 6/8-, dem 9/8 und dem 12/8-Takte liegen dagegen nicht Viertel, sondern Achtel als Wert des Grundschlags vor.
Durch die Taktangabe wird auch das Metrum festgelegt, also die Verteilung von Schwerpunkten innerhalb eines Taktes. Im Grunde gibt es nur zwei Verteilungen von Schwerpunkten: Zweier-Gruppen und Dreier-Gruppen. Beim 2/4-Takt befindet sich ein Schwerpunkt auf der Zählzeit 1, kein Schwerpunkt dagegen auf der Zählzeit 2. Beim ¾-Takt befindet sich ein Schwerpunkt wiederum auf der Zählzeiten, keiner dagegen auf den Zählzeiten 2 und 3. Einen Sonderfall stellt der 4/4-Takt dar, obwohl man ihn eigentlich schon als »zusammengesetzten« Takt bezeichnen könnte: Ein Schwerpunkt befindet sich auf der Zählzeit 1, ein zweiter auf der Zählzeit 3; letzterer hat aber nicht das Gewicht des ersten Schwerpunkts. Die Zählzeiten 2 und 4 haben keine Schwerpunkte, die Zählzeit 4 ist die schwächste Zählzeit im 4/4-Takt. Andere Taktarten zu bilden, ist natürlich möglich, die Folge von Schwer-Leicht oder Schwer-Leicht-Leicht bleibt aber immer erhalten. Ein 5/4-Takt hat also immer zwei Schwerpunkte, da er aus einer Zweier-Gruppe und einer Dreier-Gruppe zusammengesetzt wird, wobei die Reihenfolge gleichgültig ist – der Komponist muss festlegen, ob es eine Kombination von 2 und 3 oder eine von 3 und 2 ist. Für Musiker bedeutet dies, dass sie anhand von Harmoniefolgen und der Melodie selbst herausfinden müssen, wie die Schwerpunke gesetzt sind.
Ein ¾-Takt scheint auf den ersten Blick dasselbe zu sein wie ein 6/8-Takt. In der Algebra ist das zwar richtig, nicht aber in der Musik: »Füllt« man einen ¾-Takt mit Achtel-Werten, so werden diese in drei Zweier-Gruppen unterteilt; beim 6/8-Takt aber sind es zwei Dreier-Gruppen von Achteln. Während der ¾-Takt also ein so genannter »ungerader« Takt ist, ist der 6/8-Takt ein »gerader« Takt wie etwa der 2/4-Takt. Damit sind natürlich auch die metrischen Verhältnisse unterschiedlich: Der ¾-Takt hat nur einen Schwerpunkt, der 6/8-Takte dagegen zwei. Es ist gar nicht so selten, durch bloßes Hören die einem Musikstück zugrunde liegende Taktart feststellen zu wollen, gibt es doch rhythmische »Hilfsmittel«, die Taktart zu verschleiern. So erscheinen dem Hörer ein 9/-Takt und ein ¾-Takt gleich, wenn beim ¾-Takt über dem Grundschlag Achtel-Triolen platziert werden.
Die Taktangabe sagt im Übrigen nichts über das Tempo aus, mit dem ein Musikstück gespielt werden soll. So ist ein 9/8-Takt nicht von vornherein schneller zu spielen als ein ¾-Takt. Tempoangaben werden entweder verbal gemacht, also etwa durch Bezeichnungen wie »largo«, »moderato«, »allegro« oder aber durch eine Metronom-Angabe, also (Grund)Schläge je, in Minute, in Rock und Pop Beates per minute (BPM).