Tear-Jerker

Tear-Jerker, von englisch tear für »Träne« und to jerk für »reißen, ziehen«, abfällige Bezeichnung für ein sentimentales Lied

Eine der zentralen Aufgaben von Musik wird darin gesehen, dass mit ihrer Hilfe Gefühle ausgedrückt werden können und sollen. Dies führt zwangsläufig dazu, dass der Hörer für sich entscheiden muss, den Ausdruck der Gefühle ernst zu nehmen – sie also für echt zu halten – oder aber als vorgetäuscht anzusehen. Übertreibungen können dann zu der Annahme führen, dass das jeweilige Lied durch Komposition, Klanggestaltung, Text und Interpretation eher an das Mitleid des Hörers appelliert, als dass es das reflektierende Mitdenken, den Versuch des Verstehens des Hörers fordert. So ist es Sache des Hörers, etwa »Hey Jude« (1968) von den Beatles als Trostlied für Julian Lennon, den kleinen, unter der Trennung seiner Eltern leidenden Sohn John Lennons zu sehen, oder aber als sentimentale Ballade, oder als Tear-Jerker. Ein relativ sicheres Zeichen, einen Song als Tear-Jerker einzustufen, ist das Auftreten von Selbstmitleid im Text, wenn der Sänger also vornehmlich von sich singt. Tear-Jerker gibt es seit es Gesang gibt; es gibt keine Musik, die frei davon ist.