Techno

Techno, englisch, Kunstwort auf der Grundlage von altgriechisch techne für »Kunst«, von elektronischen Klangerzeugern bestimmte Musik, die sich seit Ende der 1980er-Jahre von ihrer ursprünglichen Funktion als Tanzmusik zu einem eigenen Zweig der Pop-Musik entwickelte und Teil einer Jugendkultur ist; im Mittelpunkt des kreativen Prozesses steht im Techno der Disc Jockey, der als Produzent der eigenen Musik fungiert. Der Begriff selbst wurde möglicherweise in Deutschland geprägt.

Dabei sind Sequencer – vom einfachen Arpeggiator bis hin zur Digital Audio Workstation – das wichtigste Werkzeug des Techno-Musikers. Die sich a priori einstellende Anmutung von Maschinenmusik, wie sie der Einsatz von Sequencern unweigerlich hervorrufen, wird im Techno nicht verschleiert, sondern geradezu gewollt. So ist Techno stets von einfacher Faktur, es dominiert der Vier-Viertel-Takt und entsprechend der Produktionsmittel werden Pattern konstruiert, die ausschließlich von Bass-Drum-, Snare-Drum– und Hi-Hat-Klängen, jeweils mit Hilfe von Rhythmus-Boxen oder Drum Computern erzeugt, bestimmt sind. Dabei spielen authentische Vorbilder – etwa von Schlagzeugern gespielte Pattern – keine Rolle, vielmehr werden auch Pattern konstruiert, die wegen ihres hohen Tempos von Musikern nicht gespielt werden könnten. Traditionelle Melodik wie Harmonik werden durch Riffs ähnelnde Figuren ersetzt, aus denen sich durch Reihung so etwas wie eine Form ergibt. Die Funktion der elektronisch erzeugten Klänge besteht einerseits darin, den Zuhörer respektive Tänzer zu überraschen – es werden monumental wirkende, oft rohe Klänge wie Sägezahn- und Rechteckklänge bevorzugt -, andererseits durch unablässige Wiederholung formaler Kürzel darin, eine Art Trance zu erzeugen. Eigentlichen Gesang gibt es nicht, stattdessen werden vokale Kürzel, häufig Samples, eingefügt. Ob Techno als Ganzes oder zumindest in Teilen als Avantgarde-Musik eingestuft werden kann, ist fraglich: Sämtliche musikalischen wie technischen Mittel der Musik waren seit den 1950er-Jahren bekannt.

Techno-Musiker berufen sich zwar häufig auf die Protagonisten früherer Ausprägungen elektronischer Musik wie etwa Oskar Sala (Mixturtrautonium) oder Karlheinz Stockhausen, beziehen sich dabei aber vor allem auf die Klangwelt, nicht aber auf Faktur und Intention der Musik. Als Vorläufer könnten indessen Minimal Music einerseits, andererseits aber auch Produktionen etwa der deutschen Gruppe Kraftwerk oder auch der amerikanischen Formation Hot Butter (»Popcorn«, 1972). Die spieldosenartig ablaufende Musik dieser beiden Gruppierungen mochte noch unter dem Gesichtspunkt der Ironie gesehen werden, die Songs des deutschen Duos Deutsch-Amerikanische Freundschaft dagegen waren völlig frei von Distanz zur Klangmaschine Synthesizer, wenn auch die Präsentation der Musik noch herkömmlich wirkte: Mit Robert Görl gab es einen Schlagzeuger, die Musik lief von Tonbandkassetten ab. Wie DAF waren aber auch Bands, deren Musik zum so genannten Synthie-Pop gerechnet wurde, von mehr oder weniger großer Bedeutung für spätere elektronische Musik, somit auch für den Techno; zu nennen wären etwa Yello, Depeche Mode, Human League, Ultravox und weitere mehr. Die Nähe zur Maschinenmusik steigerte sich natürlich, als gegen Ende der 1970er-Jahre preiswerte Klangerzeuger mit Computern und entsprechender Software verbunden werden konnten. Die relativ eingeschränkten Möglichkeiten dieser frühen Geräte sorgten beinahe zwangsläufig für die dürre Klangästhetik des frühen Techno.

Parallel zu diesem quasi europäisch bestimmten Zweig der elektronischen Tanzmusik entwickelt sich auf der Basis amerikanischer House-Musik eine weitere Form elektronischer Musik, die ebenfalls Techno genannt wurde. Hierin ist möglicherweise der Grund für die in der Dance Music üblichen Abgrenzungen zu sehen, die allemal einen Wust von kennzeichnenden Begriffen hervorrufen: Industrial, Electronic Body Music, Detroit Techno, Dark Electro, Electro Industrial, Acid House, New Beat, Intelligent Techno und weitere mehr. Der Einfachheit halber wurde auch der Begriff Techno House geprägt, in Berlin als einem Zentrum der Techno-Musik auch der Begriff Tekkno. Entsprechend ihrer Funktion als Tanzmusik zeigten sich Entwicklungen in der Musik vor allem bei öffentlichen Veranstaltungen. Die herkömmliche Diskothek verlor stark an Bedeutung, in den 1980er-Jahren wurden Tanzveranstaltungen, so genannte Raves, an ungewöhnlichen Orten wie verlassenen Industriehallen und Bahndepots, häufig einmalig, abgehalten. Die informellen Veranstaltungen wurden ebenso informell beworben, meist lediglich durch Plakatierungen und Flyer, natürlich auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Veranstaltungen wie die Love Parade oder die Mayday-Partys zogen bzw. ziehen jeweils ein großes Publikum an.

Es blieb nicht bei den beschriebenen Ausformungen elektronischer Musik. Die bedeutendste Entwicklung ist dabei sicherlich eine langsamere Variante des Techno, in dem Schlaginstrumente eine kleinere Rolle spielen, stattdessen harmonisch abgestimmte Klänge wie auch ein langsameres Tempo im Vordergrund stehen. Diese Trance genannte Variante stellte bald einen eigenen Bereich dar, dies als Teil einer bis Anfang der 1990er-Jahre weltweit gängigen elektronischen Musik, die abseits des immer noch obligaten Begriffs Techno in eine Vielzahl von Ausprägungen aufgespaltet ist.

Es ist keine Frage, dass die meisten Rock-Hörer Techno kritisch oder gar ablehnend gegenüberstehen. Einige Kompositionstechniken, die im Techno angewandt wurden und werden, stammen aus der Rockmusik, andere ergaben sich quasi aus der instrumental-technischen Entwicklung und wurden hier wie da eingesetzt, jeweils natürlich mit unterschiedlicher Intention.