Tempo

Tempo, italienisch Zeit, vorgeschriebenes Zeitmaß, in dem ein Musikstück verläuft, also die Geschwindigkeit seines gesamten Ablaufs.

Während der Vorherrschaft der italienischen Musik im 17. und 18. Jahrhundert entstammten auch die näheren Bestimmungen des Zeitmaßes der italienischen Sprache, so etwa Adagio (langsam), Moderato (gemäßigt), Allegro (schnell) und Presto (sehr schnell). Erst die Romantiker, unter ihnen der deutsche Komponist Robert Schumann, begannen damit, entsprechende deutsche Ausdrücke zu verwenden.
Die Tempovorschrift bezieht sich auf die Dauer eines Taktes oder – weit häufiger – auf einen Zeitwert, dessen Mehrfaches einen Takt ausmacht, zum Beispiel auf ein Viertel. Auch indirekt, durch Angabe der absoluten Zeitdauer eines musikalischen Satzes kann man das Tempo eines Taktes bestimmen. Seit Einführung des Mälzelschen Metronoms Anfang des 19. Jahrhunderts kann das Zeitmaß in absoluten Zeitwerten festgelegt werden, während sich der frühere Musiker am Pulsschlag orientierte. Die Vorschrift Viertelnote = M. M. 60 z. B. heißt, daß sechzig Viertel in einer Minute gespielt werden sollen, mit anderen Worten, dass jedes Viertel genau eine Sekunde lang ist. Die wichtigste Frage bei der Tempobestimmung ist, welchen Taktbruchteil man zum Maßstab nimmt. Es leuchtet ein, dass das Zeitmaß einer Komposition um so schneller ausfällt, je größer der Taktteil ist, auf den sich die Metronomvorschrift bezieht. Im oben genannten Beispiel (Viertelnote = M. M. 60) liegt Moderato vor; bei Halbe Note = M. M. 60 dagegen ist das Tempo doppelt so schnell, da in einer Minute nicht sechzig Viertel, sondern ebenso viele Halbe untergebracht werden sollen (dabei Viertelnote = M. M. 120, also Presto).
Eine andere Frage von Interesse berührt das Verhältnis von Zeitmaß und Rhythmusdichte innerhalb des Taktes. Wir erleben das musikalische Zeitmaß im Hinblick auf die Taktschwerpunkte, nicht in Bezug auf die Ereignisdichte innerhalb eines Taktes, so dass ein Takt, in welchem viele Noten untergebracht sind, immer noch als langsam empfunden werden kann, wenn sich nur die wiederkehrenden Taktverhältnisse von schwer-leicht über eine längeren Zeitraum hinziehen. Umgekehrt können relativ wenige Noten das Gefühl von Schnelligkeit erzeugen, wenn man in ihnen eine schnelle Taktfolge wahrnimmt (z. B. beim Allabreve-Takt). Die Tempovorschriften sind nicht absolut zwingend, vielmehr haben sie lediglich Orientierungscharakter. Temposchwankungen kommen in einem Musikvortrag regelmäßig vor, und kaum merkliche Verlangsamungen bzw. Beschleunigungen unterscheiden eine lebendige Interpretation von Computermusik. Hinzu kommt, dass man bei Cover-Versionen immer wieder beobachtet, wie erheblich das Originaltempo eines Stückes in der späteren Fassung abgewandelt werden kann. Bei solchen Abweichungen wird die große Bedeutung des richtig gewählten Tempos ersichtlich. Ein falsch gewähltes Zeitmaß kann ein an sich gewinnendes Stück zu einem Zerrbild machen und seine ästhetische Ausstrahlung zerstören.
Rock- und Popmusik sind, was das Tempo angeht, in der Regel eher langsam. Ein Grudn mag darinleigen, dass es ich um vokale Musik handelt ubnd die Metrik wie auch Verständlichkeit des Textes eine Rolle spielen; ein allzu hohes Tempo verbietet sich aufgrund dieser Tatsachen von selbst. Das Mälzelsche Metronom wird in Rock und Pop nicht verwendet, sondern der Beat bezogen auf die Minute: 60 beats per minute (bpm) bedeuten somit 60 Viertel-Noten auf eine Minute. In der Produktion elektronischer Musik gewährleisten durch Computer gesteuerte Sequenceer die exakte Einhaltung des Tempos.