Tin Pan Alley

Tin Pan Alley, englisch für »Blechpfanne-Gasse«, kein tatsächlicher Straßenname, sondern die Bezeichnung für den zwischen 6th Avenue und dem Broadway gelegenen Teil der 28th Street. In diesem Teil Manhattans hatten seit dem späten 19. Jahrhundert viele amerikanische Musikverlage ihre Büros und Verkaufsräume.

Zu diesen Verlagen gehörten etwa Witmark & Sons, Marks and Stern, Harris and Harry von Tilzer. In den Räumen der an der Straße gelegenen Häuser wurde die aktuelle Musik – die seinerzeit noch in Notenausgaben verkauft wurde – ausgiebig auf mit Papierstreifen gedämpften und nicht selten wohl auch verstimmten billigen Klavieren gespielt; der Klang der vielen Klaviere erinnerte den Journalisten Monroe Rosenfeld im Jahre 1903 an den Klang von Blechpfannen, eben an Tin Pans, Pfannen aus Blech. Die »»Ruhestörer« waren Pianisten, so genannte Song Plugger, die die Stücke von Hausautoren oder freien Komponisten vorführten. Bis der ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts erfundenen Phonograph Thomas A. Edisons und das Grammophon Emil Berliners sich durchgesetzt hatten, lag die Macht über den Musikmarkt in den Händen der Besitzer der Musikverlage; danach büßten die Verlage viel von ihrer Macht ein und wurden – auch aufgrund strikter durchgesetzter Urhebergesetze – zu Hilfsorganisationen der großen Plattenfirmen.
Im übertragenen Sinn steht der Begriff Tin Pan Alley aber weiterhin sowohl für die Schlagerindustrie, als auch für den amerikanischen Schlager selbst; im Falle von Rockmusik, die mit dem Begriff bedacht wird, kann man von einer gewissen Abwertung ausgehen.



Literatur

Goldberg, Isaac: Tin Pan Alley; New York 1961
Ewen, David: The Rise and Fall of Tin Pan Alley; New York 1964