Tonstudio

Tonstudio, kurz auch nur Studio, Räume zur Aufnahme von Schallereignissen jeder Art, vorrangig von Musik und Sprache; traditionell gehören zu einem Tonstudio wenigstens zwei Räume, ein Aufnahmenraum und ein Regie- oder Kontrollraum. Studios sind für ihre jeweilige Aufgabe technisch und akustisch optimiert.

Im Regieraum werden in der Regel ein Mischpult, Abhörverstärker, Effektgeräte, Abhörlautsprecher (Monitor), Equalizer und eine oder mehrere Tonbandmaschinen installiert, in jüngerer Zeit an Stelle der Bandgeräte auch ein Computer, mit dessen Hilfe es unter zusätzlichem Einsatz von A/D-D/A-Wandlern es möglich ist, die aufzunehmende Musik zu digitalisieren und auf Festplatte zu speichern. Die zu diesem Zweck eingesetzte Software kann aus einem Sequencer und weiteren Hilfsprogrammen bestehen (Digital Audio Workstation).
Der Aufnahmeraum kann je nach Erfordernissen eine Größe von wenigen Quadratmetern haben – etwa für Sprachaufnahmen – oder aber die Größe eines Saales erreichen und damit auch die Aufnahmen von kompletten Symphonieorchestern ermöglichen. Aufnahmeräume sind meist akustisch »trocken«, weisen also gar keine oder aber eine sehr kurzen Nachhallzeit auf. Die besondere Produktionsweise von Rock- und Popmusik erfordert einen akustisch trockenen Raum, da bei dieser Art von Musik der Raum bei der späteren Produktion künstlich konstruiert wird. Räumliche Informationen sollten der ursprünglichen Aufnahme daher möglichst fehlen. Aufnahmeräume sind auch weitgehend von der akustischen Umgebung abgeschirmt, dies, um Störgeräusche wie beispielsweise den Verkehrslärm zu vermeiden.
Aufnahmeraum und Regieraum liegen meistens direkt nebeneinander; eine in die trennende Wand eingebaute Glasscheibe ermöglicht den Sichtkontakt zwischen Musiker und Aufnahmepersonal. Eine akustische Verbindung kann mittels einer Talkback-Einrichtung hergestellt werden. Studios, die ausschließlich dem Abmischen oder dem Remixing dienen, bestehen lediglich aus einem Kontrollraum, dann natürlich ohne Trennscheibe. Mobile Studios – das sind Lastwagen unterschiedlicher Größe mit fest eingebauter Tontechnik – sind im Grunde bewegliche Kontrollräume; der Kontakt zu den Musikern wird dabei mittels Kameras und Monitoren hergestellt. Ebenso ist das Mischpult mit den Mikrofonbuchsen im Aufnahmeraum feste verkabelt.
Neben den eigentlichen Räumen besteht das Kapital eines Studios besonders in der technischen Ausrüstung. Im Vordergrund stehen dabei Instrumente einerseits – dies können etwa Hammond-Orgel, Leslie, Klaviere, Flügel und Drum Sets sein -, Mikrofone jeglicher Art andererseits. Bei der Ausrüstung mit Bandmaschinen, Mischpulten und Software hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein gewisser Standard herausgebildet, der von professionellen Studios stets geboten wird. Bei kleineren Studios wird dagegen oft auf eine größere Bandmaschine verzichtet, wie auch meist die Auswahl an Mikrofonen kleiner ist. Mit dem Aufkommen von Computern und Aufnahmesoftware entstand das so genannte Home-Recording, das es dem Musiker ermöglicht, zumindest Instrumente in höchster Qualität aufzunehmen; werden ausschließlich elektronische Klangerzeuger und Effektgeräte eingesetzt, ist es sogar möglich auf digitalrer Eben zu bleiben und die entstandenen Aufnahmen zur weiteren Bearbeitung in einem professionellen Studio zu verwenden.
Tonstudios werden von Rundfunksendern, von Plattenfirmen und auch von Filmstudios betrieben; viele Studios werden allerdings als selbständige Unternehmen geführt, und manche spezialisieren sich auf bestimmt Aufgaben. Seit den 1950er-Jahren, und in besonderem Maße mit Einführung der Mehrspurtechnik in den 1960er-Jahren, konnten sich einige Tonstudios, die der Aufnahme und Produktion von Rock- und Popmusik dienen, einen geradezu legendären Ruf erweben, so etwa die Abbey Road Studios in London, die Electric Ladyland Studios in New York, die Hansa Studios und die Teldex Studios in Berlin, die Musicland Studios in München, das Muscle Shoals Sound Studio und das Manor in Shipton-on-Cherwell.
Das Tonstudio hat sich im Laufe der Zeit von einem bloßen Ort, der lediglich die quasi dokumentarische Aufzeichnung von Musik erlauben sollte, zu einem Werkzeug des Produzenten gewandelt. Die eigentliche Schall-Aufnahme stellt dabei den kleineren Teil dar, denn für die Produktion insbesondere von Rock- und Popmusik jeglicher Art sind die technischen Möglichkeiten eines Studios für die nachfolgende Arbeit des Produzenten weit bedeutender.

Literatur

Görne, Thomas: Tontechnik; München 32011
Dickreiter, Michael/Dittel, Volker/Hoeg, Wolfgang/Wöhr, Martin: Handbuch der Tonstudiotechnik; München 72008