Transkription

Transkription, Übertragung einer gehörten Musik in schriftliche Zeichen, zumeist in Noten

Die Musikethnologie, die sich mit der überwiegend schriftlosen Musik bestimmter europäsischer und außereuropäischer Musikkulturen befasst, hat Methoden entwickelt, die auch im Rockbereich mit Gewinn herangezogen werden können. Geringer sind die Schwierigkeiten einer schriftlichen Fixierung beim Rock insofern, als sein Zeitmaß konstant bleibt und auch die rhythmischen Werte sich zumeist auf einfache Beziehungen wie 1:2, 1:3, 1:4, 2:3 usw. reduzieren lassen. Im Gegensatz hierzu lässt sich der rhythmisch freie Vortrag z. B. balkanischer, türkischer, arabischer Musikstücke zumeist nicht in das europäische Taktsystem einzwängen. Probleme ergeben sich teils bei verwickelteren Rhythmen, wie sie von schwarzen, amerikanischen Schlagzeugern improvisiert werden (vgl. etwa Billy Cobham auf Schallplatten des Mahavishnu Orchestra); hier konnte die sogenannte Springer-Maschine gute Dienste leisten, die es ermöglichte, schnelle Tonfolgen in langsame umzusetzen, ohne dass hierdurch die Tonhöhe geändert wurd, wie das bei der Transkription mit Hilfe von Tonbandgeräten der Fall ist. Es gibt auch Sample-Geräte, die kurze Tonfolgen speichern und beliebig oft in langsamerer Geschwindigkeit reproduzieren können. Auch bei diesem Verfahren bleibt die Tonhöhe unverändert.
Teils entstehen Schwierigkeiten dadurch, dass für die elektronisch oder halbelektronisch erzeugten Klänge bislang keine Notierungsweise entwickelt werden konnte. Die Notation der europäisch beeinflussten Kunstmusik rechnet mit genau bestimmbaren Tonhöhen, Zeitwerten und Klangfarben; für die Rockmusik hingegen sind allmählich sich verändernde Klangstrukturen und Klangfarben kennzeichnend, deren unzählig vielen Zwischenwerte von einem so groben Raster, wie es die herkömmliche Notation ist, nicht aufgefangen werden. Eine Filterung (z. B. Wah-Wah), ein Phasing-Effekt, ein bestimmter Nachhall usw. können in ihren feinsten Abstufungen relativ genau mit dem Gehör wahrgenommen werden, und der technisch Kundige kann die gehörten Klangveränderungen wiederholen; aber sie können nicht notiert, sondern höchstens sprachlich umschrieben oder in Diagrammen dargestellt werden. Schematische Schaltbilder von der Zusammenschaltung beispielsweise von Gitarre, Effektgeräten, Verstärker und Lautsprecher zeigen dem mit der Materie Vertrauten durchaus, mit welchem Klang er zu rechnen hat. Absolut reproduzierbar ist allerdings kein Klang, denn ein nicht unwesentliches Element ist die individuelle Spielweise dieses oder jenes Musikers – Eric Claptons Gitarren-Klang lässt sich auch mit dessen eigenen Gerätschaften nicht von einem anderen Gitarristen getreu nachvollziehen. Im Rockbereich (auch im Bereich des Free Jazz und der nur annähernd notierbaren Klangkompositionen der sogenannten Avantgarde) kann das Ohr alles, dagegen das Auge fast nichts ausrichten.