Tritonus

Tritonus, lateinisch für »Dreiton«, von altgriechisch tris für »drei« und tonos für»Spannung«, damit auch die Spannung einer Saite und somit »Ton« meinend, Intervall, das aus drei Ganztönen besteht und daher die übermäßige Quarte oder verminderte Quinte bildet.

Beispielsweise von c1 ausgehend ist das Intervall c1-fis1. Da der Tritonus diatonisch aus den Intervallen F-G, G-A und A-H besteht, bildet er eigentlich eine übermäßige Quarte, die aber im Klang gleich der verminderten Quinte ist. Der Ton fis1 im obigen Beispiel teilt die Oktave in zwei gleiche Teile, nämlich in die Intervalle c1-fis1 und fis1-c2. Vorausgesetzt ist dabei die übliche gleichschwebend temperierte Stimmung.

Der Tritonus hat in der Musik eine besondere Bedeutung: In der Lehre Guidos galt der Tritonus als »Diabolus in Musica« als verbotenes Intervall, hauptsächlich wegen seiner Schwierigkeit im Gesang. Im Laufe der Zeit lockerte sich zwar das Verbot, zumal im strengen Kontrapunkt sollte er aber vermieden werden. Im 17. und dann im 18. Jahrhundert wurde der Tritonus in der Komposition zwar genutzt, hatte dann aber oft die Aufgabe, für Tod und Sünde zu stehen, auch für schmerzliche Erfahrungen. Der Tritonus ist im Dominantseptakkord enthalten, also etwa in C-Dur der Akkord G-H-d-f das Intervall H-f. Große Bedeutung hat der Tritonus in der atonalen Musik, da er wie die Oktave umgekehrt werden kann, ohne seinen Klangcharakter zu verlieren. Der Tritonus ist der Dreh- und Angelpunkt in der Auflösung der Tonalität.

Im jüngeren Jazz hat der Tritonus in der Reharmonisierung eine gewisse Bedeutung, in dem ein Dominantseptakkord durch einen im Tritonus-Abstand gesetzten Akkord ersetzt werden kann; man spricht in diesem Fall von Tritonussubstitution. Spätestens seit dem Bebop zählt auch ein Ton zwischen Tritonus und reiner Quinte als Blue Note; gespielt wird beispielsweise von Pianisten dann in der Regel der Tritonus.

Beispiele für die Verwendung des Tritonus gibt es in großer Zahl, die US-amerikanische Band Slayer benannte sogar ein Album nach ihm (»Diabolus in Musica«, 1998). Gerade im Heavy-Metal tritt das Intervall immer wieder mal auf, etwa bei Deep Purple, Black Sabbath, Mägo de Oz, Metallica, Korn und Voivoid, außerdem bei Jimi Hendrix (»Purple Haze«) und der Band Primus. Etwas unerwartet wird auch der Song »Maria« in dem Musical »West Side Story« von Leonard Bernstein mit dem Intervall eröffnet. Weitere Beispiele bieten Kompositionen von J.S. Bach (Kantate Nr. 170), A. Vivaldi (»Credo«), F. Chopin, R.Wagner und B. Britten. Zu hören ist der Tritonus auch in den Pokémon-Videospielen und immer wieder einmal in Filmmusik.

Literatur

de la Motte, Dieter Kontrapunkt – Ein Lese- und Arbeitsbuch; Kassel 1981
de la Motte, Dieter: Harmonielehre; Kassel 1976
Sikora, Frank: Neue Jazz-Harmonielehre;Mainz 52012