Licht

Licht, im Sinne von Light Show, auch Licht-Design, Bestandteil jedes Rock- und Popkonzertes; die Wirkung dieser Konzerte beruht zu einem wesentlichen Teil auf der Wirkung künstlichen Lichtes.

Kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte oder Theateraufführungen finden zum überwiegenden Teil in den Abend- und Nachtstunden statt, sehr oft in geschlossenen, fensterlosen Räumen. Der Einsatz von künstlichem Licht ist also in jedem Fall notwendig, einerseits, um den Zuschauern und Zuhörern die Möglichkeit zur Orientierung zu geben, andererseits, um das Geschehen auf der Bühne auszuleuchten. Mit Beginn eines Konzertes oder einer Theateraufführung wird das Licht im Zuschauerraum ausgeschaltet, lediglich die Bühne bleibt erleuchtet.
Bei Konzerten der traditionellen Kunstmusik wie auch bei Jazzkonzerten wird meistens weißes Licht für die Beleuchtung genutzt. Bei Rockkonzerte dagegen kommen neben weißem Licht nicht nur farbiges Licht, sondern auch diverse Lichteffekte zum Einsatz. So ähnelt die Lichtgestaltung bei Rock- und Pop-Konzerten eher der von Theater- und Opernaufführungen – und selbst Zirkus-Vorstellungen – als der von Konzerten mit traditioneller Kunstmusik.
Wie bei diesen Konzerten wurde zu Beginn der Rock’n’Roll-Ära die wesentliche Aufgabe der Bühnenbeleuchtung darin gesehen, die Musiker auf der Bühne buchstäblich ins »rechte Licht zu setzen« – das Publikum sollte die Stars möglich gut sehen können. Allenfalls wurden vor einzelne Scheinwerfer, deren Technik durchweg aus dem Theaterbereich stammte, einfarbige Farbfilter gesetzt. Eine Lichtsteuerung im eigentlich Sinne bestand lediglich aus der Zahl der verwendeten Scheinwerfer, deren Ausrichtung und deren einfache Hell-Dunkel-Steuerung mit Hilfe von regelbaren Widerständen.
Bis in die 1960er-Jahre hinein blieb dies im Wesentlichen Stand der Technik. Erst etwa Mitte der 1960er-Jahre begannen sich Rock- und Popmusiker mit den Möglichkeiten einer dann bald so genannte Light Show auseinander zu setzen. Einerseits wurde experimentiert: Die britische Band Pink Floyd ließ 1966 ihre Auftritte im UFO Club mit diversen Lichteffekten untermalen. Dazu hatte ein Freund der Band neben mit Farbfiltern ausgestatten Scheinwerfer auch Diaprojektoren und selbst gebaute Stroboskope aufgebaut. Die Idee, Diarahmen mit verschiedenfarbigem Öl zu füllen, das dann unter der Hitze der Projektorlampen sich zu bewegen begann, wurde bald von vielen Bands nachgeahmt. Auch die Experimente, die bei den Konzerten des Summers of Love 1967 in San Francisco von Bill Ham, eingesetzt. In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre waren dann leistungsfähige Thyristoren und Tricas – mit diesen Halbleitern können hohe Ströme geschaltet werden – zu erschwinglichen Preise zu haben, so dass so genannte Lichtorgeln gebaut werden konnten: Das Frequenzband der Musik wurde in drei oder vier Bereiche aufgeteilt – Bass, Mitten, Höhen – und je einem Kanal der Lichtorgel zugeteilt, so dass bei lauten Basstönen beispielsweise der rote Scheinwerfer aufleuchtete, bei Tönen in mittlerer Lage etwa ein gelber, bei hoher Lage ein blauer. Waren diese Lichtorgeln quasi halbautomatische Anlagen – die Musik wurde einfach mit einem Mikrofon abgenommen und die Tonspannung umstandslos zu einer Frequenzweiche geleitet, die dann die Frequenzbereiche der Lichtelektronik zuteilte -, so kamen bald regelrechte Lichtmischpulte zur Anwendung, mit deren Hilfe direkt in die Lichtsteuerung eingegriffen werden konnte; technisch kamen dabei leistungsstarke Dimmer in Anwendung.
Die Möglichkeit, ein Lichtmischpult einzusetzen – machte es erforderlich, die Lichtführung analog der Musik auch zu gestalten. Das Licht-Design, das im Laufe der 1970er-Jahre aufkam und sich schnell zu einer eigenen Kunstfertigkeit entwickelte – musste geplant werden und nicht selten wurde diese Aufgabe von Frauen übernommen. Ein typischer Aufbau im Konzertsaal der 1970er-Jahre bestand aus dem im hinteren Teil des Raumes aufgestellten Tonmischpult und dem daneben angeordneten Lichtmischpult, bei bekannten Bands und großen Sälen beide von imposanter Größe. Hinter dem Lichtmischpult war der Lichtmischer ständig in Bewegung, um das Licht zu steuern. Bei manchen Lichtmischpulten war auch eine Klaviatur eingebaut, mit der das Licht quasi »gespielt« werden konnte. Es lag auf der Hand, diese Vorgänge durch den Einsatz von Computer zu erleichtern: Das Lichtdesign wurde als regelrechtes Programm für einen gesamten Konzertabend konzipiert und mit Hilfe des Computers gespeichert. Dieses Programm bedingte aber auch, dass die Musik genau geplant werden musste und Abweichungen vom Programm ad hoc nicht möglich waren.
Als Anfang der 1980er-Jahre die MIDI-Schnittstelle eingeführt wurde, erkannten auch die Licht-Designer deren Möglichkeiten. Da es sich bei der MIDI-Schnittstelle um eine serielle Schnittstelle handelt, kann sie einfach programmiert werden und somit die Steuerung der Lichttechnik übernehmen.
Bald wurden mehrere verschiedene Protokolle zur Datenübertragung eingesetzt, bis 1986 das United States Institute for Theatre Technology (USITT) den DMX-Standard konzipierte, aus dem 1990 der nunmehr sehr verbreitete DMX512 Standard entstand; der Standard wurde seitdem mehrfach revisioniert. Wieder Name – DMX512 ist die Abkürzung von Digital Multiplex with 512 pieces of Information – andeutet, können mit der Netzwerktechnik DMX 512 Datenkanäle genutzt werden, die der Steuerung von Laserstrahlern, Dimmern, Scannern, Farbwechslern, Blindern, Moving Heads und Effekten wie Nebelmaschinen gesteuert werden. Teils war die Entwicklung der heute in der Veranstaltungstechnik üblichen Gerätschaften – etwa Moving Heads oder Scanner – erst mit Einführung des Standards möglich.
Teil der Lichttechnik ist natürlich auch der eigentliche Aufbau: Früher meist eingesetzt und auch heute noch üblich, sind verstellbare Masten von etwa drei Metern Höhe, auf denen ein oder mehrere Quertraversen befestigt sind, die die Scheinwerfer tragen. Bei Auftritten populärer Bands in großen Hallen werden dagegen Gerüste aus Gittermasten und –traversen aufgebaut, die praktisch die Bühne umschließen. Der Baldachin trägt dann sämtliche Scheinwerfer; Moving Heads werden oft auch auf den Boden gestellt. Als Teil der Lightshow muss auch die oft im Hintergrund der Bühne aufgebaute Leinwand gesehen werden, die für die Projektion kürzerer oder längerer Filme genutzt wird; derartige Filmeinspielungen kamen in den späten 1970er-Jahren in stärkerem Maße auf, waren aber hier und da schon in Rockkonzerten der 1960er-Jahre zu sehen.
Zur Lichttechnik, die innerhalb der Veranstaltungstechnik ein eigenes Gebiet darstellt, gehören auch Effektgeräte wie die schon erwähnten Nebelmaschinen, weniger dem Sinne nach, als dass sie eben auch mit DMX gesteuert werden. Effekte waren und sind in Rock- und Popkonzerten immer beliebt und vor allem in den 1960er-Jahren beliebt, wenn sie auch nach wie vor hier und da eingesetzt werden. Mochten die Messerstechereien eines Keith Emerson – er rammte in manchen Konzerten ein Messer zwischen die Tasten seiner Orgel -, die Kanonen von Emerson, Lake & Palmer oder die rotierende Schlagzeugbühne bei Earth, Wind & Fire noch vergleichsweise läppisch sein, so waren die Feuerspiele von Arthur Brown oder Rammstein, die in Käfige gesperrten Frauen bei Beastie Boys und erst recht das etwa von Alice Cooper simulierte Aufhängen seiner selbst weniger harmlos.
Das Lichtdesign selbst – welche Geräte also verwendet werden, was sie darstellen sollen, welche Farben benutz werden usw. – schöpft natürlich aus den Erfahrungen der Bühnentechnik vergangener Zeiten, also auch aus den Bereichen Theater und Oper. Mitunter aber wird auch auf bei anderen Gelegenheiten präsentierte Lichteffekte zurückgegriffen. So erinnerte die Lightshow zu den Konzerten der »Heroes«-Tournee David Bowies mitunter an Albert Speers »Lichtdom«; derartige Inszenierungen sind allerdings längst zu einem nicht unumstrittenen Topos im Lichtdesign geworden.



Literatur

Ebner, Michael: Lichttechnik für Bühne und Disco – Ein Handbuch für Praktiker; Aachen 2001
Burghardt: Lichttechnik für Einsteiger – Die eigene Lightshow mit DMX professionelle steuern; Aachen 2009