Buena Vista Social Club

Buena Vista Social Club, in den 1940er- und 1950er-Jahren ursprünglich die Bezeichnung für einen Veranstaltungsort für Konzerte und Tanzabende in Havana (Kuba); 1996 nahm der amerikanische Produzent und Gitarrist Ry Cooder in Kuba mit einheimischen Musikern eine CD auf, der er den Titel »Buena Vista Social Club« gab. Nach Konzerten in Europa und den USA eben dieser Musikergruppe drehte der deutsche Regisseur Wim Wenders einen Film mit dem gleichen Titel.

El Social Club de Buenavista, so der genaue Name des Veranstaltungsortes, beruhte auf einer vereinsähnlichen Konstruktion gleichen Namens, die vor allem der sozialen Abgrenzung von anderen Clubs diente. Zumeist waren ethnische Vorbehalte ausschlaggebend für die Gründung von Clubs dieser Art. So konnte der Veranstaltungsort, dessen genaue Lage in Havanna mittlerweile unbekannt, nur von Clubmitgliedern besucht werden. Folgerichtig auch wurden diese Clubs nach der kubanischen Revolution geschlossen. Die Musik, die in diesem Club gespielt wurde, beruhte im Wesentlichen auf der Tradition des Son.

1996 stellte der amerikanische Gitarrist Ry Cooder, der in seinem Schallplattenwerk immer wieder besonders auf die sozialen Bedingungen einer Musikkultur eingeht, auf Kuba eine Gruppe von Musikern zusammen, die zum Teil in diesem Club seinerzeit aufgetreten waren. Cooder war auf Anregung des britischen Plattenproduzenten Nick Gold über Mexiko nach Kuba gekommen, um einige Aufnahmen mit dort gastierenden afrikanischen Musikern einzuspielen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Cooder nutzte daraufhin die Zeit, um kubanische Musiker, die in den 1940er- und 1950er-Jahren in den Social-Clubs gespielt hatten, ausfindig zu machen, in der Hoffnung, authentische Musik jener Zeit aufnehmen zu können.

Tatsächlich fand Cooder eine ganze Reihe von Son-Veteranen, darunter den Sänger Compay Segundo, den Pianisten Rubén Gonzáles, den Gitarristen und Sänger Ibrahim Ferrer, den Bassisten Orlando López und den Gitarristen Eliades Ochoa. Das Album wurde unter Mitwirkung Cooders und dessen Sohn Joachim innerhalb weniger Tage eingespielt. Es enthielt kubanische Musik, erkennbar im Son verwurzelt, aber schon voller Anklänge an spätere Entwicklungen wie Cha-Cha-Cha, Mambo und Charanga. Gleichzeitig wurden einige Aufnahmen für ein Rubén González gewidmetes Album eingespielt.
Cooder benannte das Album nach dem von González eingespielten Song »Buena Vista Social Club« von Israel López, der den Club zum Thema hat. Ohne dass die Ende 1997 veröffentlichte CD ausgiebig promotet wurde, konnten im Laufe der Jahre mehr als fünf Millionen Exemplare verkauft werden; 1998 wurde das Album mit einem Grammy ausgezeichnet. Einige der an den Aufnahmen beteiligten Musiker, zum Teil weit über 80 Jahre alt, erlebten eine weltweit reichende Karriere.

Cooder, durch frühere Zusammenarbeite eng mit Wim Wenders verbunden, zeigte dem deutschen Filmregisseur einige der in Kuba entstandenen Aufnahmen. Wenders, angetan von der Musik, begleitete Cooder daraufhin nach Kuba, als der Gitarrist dort die Produktion des Albums »Buena Vista Social Club presents: Ibrahim Ferer«. Wenders filmte die Aufnahmen und im Anschluss daran ein Konzert der Musiker in Amsterdam 1999 und ein weiteres in der New Yorker Carnegie Hall. Der aus dem Material entstandene Film wurde 1999 veröffentlicht und war von Beginn an auch ein kommerzieller Erfolg.

Spätestens nach Veröffentlichung des Films setzte die Vermarktungsmaschinerie der Musikindustrie ein: War das Album Cooders zunächst den Fans des Gitarristen aufgefallen, so schob sich jetzt der Erfolg des Films vor den des Albums. Die kubanischen Musiker gingen auf Tournee, andere – die mit der Platte Cooders nichts zu tun hatten – taten es ihnen gleich, lateinamerikanische Musik erlebte um die Jahrtausendwende einen Aufschwung, der letzten Endes sogar zur Einführung eines speziellen Latin Grammy führte, kubanische Songs wie »Chan Chan«, so etwas wie das Erkennungszeichen des Buena Vista Social Club, bildete eine Vorlage für Hip-Hop-Gruppen wie Orishas. War die Musik der alten Herren auf Kuba im Grunde längst in Vergessenheit geraten, so wurde sie jetzt zur touristischen Attraktion. Nebeneffekt war, dass die alten Aufnahmen von früheren Stars wie Beny Moré wieder aufgelegt wurden und Zeugnis von der Vielfalt der vergangenen kubanischen Musik ablegten.

Diskografie

Buena Vista Social Club (1997)

Film

Buena Vista Social Club (1998; Regie Wim Wenders)

Weblink

www.pbs.org/buenavista (Website zu dem Film »Buena Vista Social Club«)