Cerys Matthews

Matthews, Cerys, britische Pop-Musikerin (Gesang, Gitarre, Text, Komposition), * Cardiff 11.4.1969.

Biografie

Cerys Matthews, Tochter eines Chirurgen, wuchs in Swansea und Pembrokeshire auf und begann im Altern von neun Jahren, Gitarre zu lernen. Sie interessierte sich für Blues und Folk Music und lernte autodidaktisch einige Songs. Nach der Schulausbildung ging sie für mehrere Monate als Au-Pair nach Spanien. Zurückgekehrt nach Wales, schloss Cerys Matthews sich Anfang der 1990er-Jahre der örtlichen Musikergemeinschaft an und trat u. a. auch als Straßenmusikerin auf. Sie lernte den Gitarristen Mark Roberts kennen und gemeinsam gründeten die beiden Musiker 1992 die Band Catatonia.
Catatonia wurde 2001 aufgelöst, nicht zuletzt wegen Matthews angeschlagener Gesundheit. Zwar nahm die Sängerin noch im selben Jahr zwei Songs für eine für Kleinkinder gedachte Zeichentrickserie auf, doch nahmen ihre eigenen Pläne erst Monate später Gestalt an: In Nashville wollte Matthews, die fließend die Sprache ihrer Heimat Wales spricht, eine Reihe von traditionellen Folk Songs einzuspielen. Der für die Aufnahmen engagierte Lap-Steel-Gitarrist Bucky Baxter überredete sie aber, eigene Songs aufzunehmen. Das aus den Aufnahmen resultierende Album »Cockahoop« kam 2003 auf den Markt. Zwar ging Cerys Matthews mit der Musik des Albums auch auf eine Tournee, beschränkte diese aber auf wenige Termine in Großbritannien.
Nach der Veröffentlichung ihres zweiten eigenen Albums, »Never said goodbye« im Jahre 2006, stellte sie eine eigene Band zusammen und tourte über zwei Monate in Großbritannien und Irland. Immer wieder trat sie auch in kleinem Rahmen auf, um Folks-Songs aus Wales zu singen, meist nur von wenigen Instrumenten wie Gitarre und Harfe begleitet. In ihrer Karriere erreichte sie allerdings nicht mehr die Erfolge, die sie mit Catatonia hatte. So war Cerys Matthews 2007 auch in der britischen Klamauk-TV-Veranstaltung »I’m a Celebrity get Me out of here« zu sehen und erhielt dafür mehr Beachtung als für ihr im gleichen Jahr veröffentlichtes Mini-Album »Awyren = Aeroplane«. Auch die 2009 veröffentlichte CD »Don’t look down«, zwölf Songs, die etwas unentschieden zwischen Motown-Reminiszenzen und Pop-Versatzstücken herumirren, von Matthews aber gewohnt perfekt gesungen. Von der CD legte sie auch eine in walisischer Sprache gesungene Fassung vor.
Da hatte die Sängerin schon begonnenen, sich eine kleine parallele Karriere im Rundfunk aufzubauen: 2008 und Anfang 2009 war sie für verschiedene Moderatoren bei BBC 6 Music eingesprungen und hatte im Mai 2009 die Sendung »A month of Sundays with…Cerys Matthews«; danach gab ihr der Sender mit »Cerys on 6« eine eigene Show. Auch arbeitete sie für die Fernsehabteilung der BBC.
Cerys Matthews gehört sicherlich zu den herausragenden britischen Sängerinnen jenseits von R&B und Dutzend-Pop. Wirkt ihre Stimme dem ersten Eindruck nach spekulativ kindlich, so zeigten vor allem das letzte Album von Catatonia »Paper Scissors Stone« (2001) und ihr zweites Solo-Album »Never said goodbye« (2006) ihr ganzes Können, zu dem neben den sanften Folkklängen auch kompromissloser Rock gehört. Ihre eigentliche Domäne aber ist das Konzert, gleichgültig, ob es der eher intime Rahmen eines Folk-Konzertes ist, in dem sie etwa mit walisischen Volksliedern unmittelbar anzurühren weiß, oder aber das Rockkonzert vor Tausenden von Zuhörern, wo sie ohne Rücksicht auf sich selbst mit aller Leidenschaft singt. Von Kindsgesang ist da nichts mehr.



Diskografie

Cockahoop (2003)
Never said Goodbye (2006)
Awyren = Aeroplane (2007)
Don’t look down (2009; auch unter dem Title Paid Edrych i Lawr veröffentlicht)



»… and I hope we passed the audition.«

Never said goodbye (2006)
Tracks: Streets of New York|A bird in hand|Oxygen|Open roads|This endless rain|Blue light alarm|Morning sunshine|Seed song|What kind of man|Ruby|Elen

Mit dieser CD machte Cerys Matthews 2006 da weiter, wo sie 2001 mit Catatonia aufgehört hatte. Oder: An dieser CD wird klar, wie sehr Catatonia von dem Gesang, den Texten und der Musik Cerys Matthews‘ abhängig war; die Auflösung seinerzeit war unumgänglich. Dabei war die erste Solo-CD der Sängerin, »Cockahoop«, 2003 veröffentlicht, noch etwas zu sehr vom Aufnahmeort Nashville geprägt. »Never said goodbye« dagegen ist wieder britischer Pop, und natürlich ist es vor allem der singuläre Stimmklang Matthews, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zunächst aber nicht allein: Schlagzeuger Mason Neely spielt sich mit roh knallendem Drum-Sound in den Vordergrund. Bei anderen Songs, etwa in »This endless rain«, hält er sich zurück, Drums, Kontrabass, Klavier , später ein paar Streicher, genügen zunächst für diesen leisen Song, der trotz der typischen Besetzung nichts mit dem Pop-Jazz dieser Zeit zu tun hat. Bei anderer Gelegenheit, so für »Oxygen«, singt sich Cerys Matthews in ihrer bekannten Art in Rage, brüllt wie eine ordinäre Straßengöre – nur allzu bekannt, dass diese Sängerin vor allem im Konzert von unglaublicher Wirkung ist. Und doch auch ganz anders kann, wie ihre walisisch gesungenen Lieder immer wieder zeigen. Auf »Never said goodbye« ist es der letzte, das Album im Wortsinn schließende Song »Elen«. Lange müsste man suchen, um eine Sängerin zu finden, die gleichermaßen überzeugend Songs wie »Oxygen« und »This endless rain« singen kann.