Leonard Cohen

Leonard Cohen, kanadischer Schriftsteller, Komponist und Sänger, * Montreal 21.9.1934; Cohen entstammt einer jüdischen Familie, die väterlicherseits aus Polen stammt.

Biografie

Leonard Cohen lernte als Halbwüchsiger Gitarre spielen, trat gelegentlich auch öffentlich auf und gründete die Folkband Buckskin Boys, verfolgte aber nicht den Plan, eine Karriere als Musiker einzuschlagen. Vielmehr schrieb er sich für ein Literaturstudium an der McGill University in Montreal ein, trat dort einem Debattier-Club bei, dessen Präsident er nach kurzer Zeit wurde. In dieser Zeit, 1956, veröffentlichte er in einer Buchreihe der Universität mit »Let us compare mythologies« sein erstes Buch. Im selben Jahr wechselte er für ein Jahr an die Columbia University in New York.
Sein zweites Buch, »The spice-box of earth« (1961) machte ihn einem größeren Publikum bekannt, zumal er seit 1957 seine Gedichte öffentlich vortrug, wobei er sich oft – wie seinerzeit die Beat-Poeten – von einem Jazztrio begleiten ließ. Anfang der 1960er-Jahre ging er nach Europa und lebte einige Jahre auf der griechischen Insel Hydra; hier entstanden weitere Bücher, so »The favourite game« (1963), »Flowers for Hitler« (1964) und »Beautiful Losers« (1966).
Zurück in den USA, konkretisierten sich Cohens musikalischen Pläne. Er gehörte zum Umkreis von Andy Warhols Factory, war ein heimlicher Verehrer von Nico und ihren wispernd geraunten Gesängen und sah in der Musik eine Möglichkeit, seine Verse einem größeren Publikum als den zwar interessierten aber kleinen literarischen Zirkeln präsentieren zu können.
»Suzanne« ließ ihn dann den Plan in die Tat umsetzen. Das Gedicht gehörte zu der 1966 veröffentlichten Sammlung » Parasites of heaven« und war von Cohen selbst mit einer einfachen akkordischen Begleitung versehen worden. Die Folk-Sängerin Judy Collins hatte diese Vorgabe genutzt und aus dem kleinen Lied einen Hit gemacht. 1967 holte die Sängerin den Poeten bei einem Konzert im Central Park auf die Bühne. Bis dahin war Cohen hier und da aufgetreten, immer in relativ kleinem Rahmen oder aber als einer von vielen auf irgendwelchen Folk-Festivals.
Collins Erfolg mit seinem Song brachte Cohen einen Plattenvertrag bei Columbia Records ein, und 1967 konnte er sein erstes Album veröffentlichen, schlicht »Songs by Leonard Cohen« betitelt. Die Platte mit den düsteren Songs war in den USA kein kommerzieller Erfolg, erregte in Europa, vor allem in Großbritannien, aber weit mehr Interesse. Cohen ging auf Tournee, trat in den USA, Kanada und Europa auf und veröffentlichte in regelmäßigem Abstand weiterer Platten. Für die instrumentale und vokale Ausgestaltung seiner meist dürr harmonisierten Verse standen ihm stets Könner ihres Faches zur Seite. Zu seinen Background-Sängerinnen – obligater Bestandteil der Arrangements – hatte er stets ein besonderes Verhältnis. In den 1970er-Jahren sangen etwa Jennifer Warnes und Laura Branigan in seiner Begleitband. Warnes veröffentlichte später unter eigenem Namen eine Sammlung von Cohen-Songs,die unter dem Titel »Famous blue raincoat« 1987 veröffentlichte wurde; der Song »First we take Manhattan« wurde ein kleinerer Hit und dann sogar von Joe Cocker aufgegriffen.
Allerdings griff er auch daneben. Die Bänder von »Death of a ladies’ man« überließ er 1977 Phil Spector, der die Songs ohne viel Aufhebens durch seine »Wall of sounds«-Tapeziermaschine zog. Dann wieder hörte er auf Joni Mitchell, die ihm 1979 für »Recents songs« ihren Produzenten Henry Lewy empfohlen hatte, der prompt eine Jazzrockgruppe ins Studio setzte, aber auch einige exotische Musikinstrumente wie Mandoline und arabische Oud hervorkramte.
Über die Jahre war Cohens Reputation in den USA stetig gesunken. Erfolgreich in Europa, blieben in den USA seine Platten in den Läden liegen. 1984 hatte er sein Album »Various positions« fertiggestellt, doch mochte Columbia es in den Vereinigten Staaten gar nicht erst veröffentlichen. Der Erfolg des Albums von Jennifer Warnes half ihm gegen Ende der 1980er-Jahre aber wieder ein wenig auf die Beine: »I’m your man« (1988) wartete mit Synthesizerklängen und sarkastischen, auch maliziösen Texten auf. Cohen vermochte es auch in den 1990er-Jahren, sich wenigstens im Gespräch zu halten: Seine Musik tauchte in Filmen wie »Pump up the volumes« (1990; Regie Allan Moyle), »Caro Diario« (1993; Regie: Nanni Moretti) und »Natural born killers« (1994; Regie: Oliver Stone) auf. Zu keiner Zeit wirklich unpolitisch, zeigte sich Cohen nun als Kritiker des amerikanischen Way of Life wie der gesamten westlichen Zivilisation überhaupt. Nach der Tour zum Album »The Future« (1992) wollte er sich in einem Zen-Kloster in der Nähe von Los Angeles erholen, blieb dann aber für Jahre. 1999 verließ er die Abgeschiedenheit als Rinzai Zen Buddhist mit dem Namen Jikham, was so viel wie »Schweigsamkeit« bedeutet.
Zwei Jahre später brach er seine Schweigsamkeit und veröffentlichte »Ten new songs«. Die zehn Songs, weit schwermütiger als die in den 1990er-Jahren vorgelegten, waren in enger Zusammenarbeit mit der Sängerin, Songschreiberin und Produzentin Sharon Robinson entstanden. Robinson blieb auch eine einflussreiche Kraft, als er eine Liaison mit der Jazzsängerin Anjani Thomas einging, die dann auch erheblichen Anteil and »Dear Heather« (2004) hatte; sie sang im Duett mit ihm und war auch an späteren Tourneen beteiligt.
Anjani Thomas allerdings profitierte mehr von Cohen, der sich 2005 mit seinem Management gerichtlich um Geld stritt, das dieses ihm vorenthalten hatte. 2006 veröffentlichte sie das Album »Blue alert«, das in Zusammenarbeit mit Cohen entstanden war, auf dem Cohen aber keine Zeile sang. Ajani zeigte sich dabei als gelehrige Schülerin und hatte selbst die Art zu Singen Cohens übernommen.
Nach ausgestandenem Rechtsstreit, der zwar zu seinen Gunsten, aber ohne positiven Niederschlag auf seinem Konto ausging, wagte Cohen einen Neuanfang. Er hatte 2006 ein Buch geschrieben und eigenhändig illustriert. Bei der Vorstellung des »Book of longing«, von dem vorab eine limitierte signierte Auflage via Internet im Handumdrehen verkauft worden war, zeigte er sich in einem Buchladen in Toronto seit Jahren wieder einmal der Öffentlichkeit, sang gemeinsam mit der Band The Barnaked Ladies und Ron Sexsmith einige seiner Songs und machte mit Thomas Reklame für die gemeinsame CD.
Der unerwartet positive Zuspruch des Publikums ließ den Sänger eine Tournee planen, die im Frühsommer 2008 begann.

Wirkung und Rezeption

Leonard Cohen war stets ein Außenseiter, auch wenn etwa seine Aufnahme in die American Rock and Roll Hall of Fame etwas anderes vorspiegelt. Er gehört zwar mit Joni Mitchell, Neil Young und Tim Buckley – dessen Sohn Jeff Buckley Cohens Song »Hallelujah« zu Hitehren brachte – zu der Riege intellektueller, bürgerlich und großstädtisch geprägter Folkmusiker, doch war er nie musikalisch so raffiniert wie Mitchell, nie laut und wütend wie Young und nie so versponnen verletzlich wie Buckley. Er war der Mann, der bekannt wurde mit Liedern über Frauen, die er offenbar auch vor allem für Frauen sang. Diese Lieder – zu denen auch »Suzanne« gehört – waren verklausulierte und warfen oft genug irreführende Schlaglichter auf seine eigene Biografie, doch vermengte er etwa gerade in »Suzanne« gleich zwei Frauenbilder, dass seiner zeitweiligen Gefährtin Suzanne Verdal und das seiner zeitweiligen Ehefrau Suzanne Elrod. Zwischenmenschliche Beziehungen jeder Art, vor allem aber zwischen Mann und Frau, waren stets sein zentrales Thema, selbst, wenn es nicht um Liebe und Sex, sondern auch um Krankheit, Tod, Religion und Depression ging. Mit seinem im Laufe der Jahre immer tiefer und brüchiger gestimmten Bariton raunte er seine Botschaften ins Publikum, der sanfte Klang seiner Stimme und die häufig atmosphärisch dichten Arrangements stellten die Monströsität manch eines seiner Themen umso klarer heraus.
Neben dem Sänger und Liedschreiber Leonard Cohen blieb zumal in Europa der Schriftsteller weitgehend unbekannt, fehlt den Texten – allemal dieselben Themen wie in seinen Liedern – doch der Honig der Musik.
Obwohl seine Wirkung als Songwriter direkt gering war und ist – es gibt natürlich einige seiner Songs, die in der Interpretation durch andere Musiker weltbekannt wurden –, so dürfte ähnlich wie bei Bob Dylan die Wahl seiner Themen, die Ausformung dieser Themen in Musik, der weit gesteckte Rahmen dessen, was als persönlicher Ausdruck gelten kann, von erheblichem Einfluss auf zahllose andere Songwriter gewesen sein. Mögen weniger wohlmeinende Zuhörer Cohens Lieder auch eher als Klangtapeten für Edelboutiquen ansehen, so ist sein Einfluss doch etwa an der Musik von Suzanne Vega, Rufus Wainwright, Ron Sexsmith oder Regina Spektor noch leicht abzulesen.

 

Auszeichnungen

Canadian Hall of Music 1991
Companion of the Order of Canada 2003
Canadian Songwriter Hall of Fame 2006
American Rock and Roll Hall of Fame 2008
Grand Officer of the National order of Quebec 2008

 

Diskografie

Songs of Leonard Cohen (1967)
Songs from a Room (1969)
Songs of Love and Hate (1971)
New Skin for the Old Ceremony (1974)
Death of a Ladies‘ Man (1977)
Recent Songs (1979)
Various Positions (1984)
I’m Your Man (1988)
The Future (1992)
Ten New Songs (2001)
Dear Heather (2004)

 

Werke

Let Us Compare Mythologies, 1956
The Spice-Box Of Earth, 1961
The Favorite Game (dt. Das Lieblingsspiel), 1963
Flowers for Hitler (dt. Blumen für Hitler), 1964
Beautiful Losers (dt. Schöne Verlierer), 1966
Parasites of Heaven (dt. Parasiten des Himmels), 1966
Selected Poems 1956-1968, 1968
The Energy Of Slaves (dt. Die Energie von Sklaven), 1972
Death Of A Lady’s Man (dt. Letzte Prüfung), 1978
Book Of Mercy (dt. Wem sonst als Dir), 1984
Stranger Music, 1993
Book Of Longing, 2006

 

Literatur

C. Graf: Leonard Cohen – Partisan der Liebe, 1996
J. Devlin: Leonard Cohen – In eigenen Worten, 2002)
I. B. Nadel: Various Positions. A Life of Leonard Cohen. University of Texas Press, 2007

 

Weblinks

http://www.leonardcohen.com (Offizielle Website des kanadischen Songwriters und Schriftstellers Leonard Cohen)
http://leonardcohenfiles.com (Website zu dem kanadischen Songwriter und Schriftsteller Leonard Cohen)
http://speakingcohen.com (Website zu dem kanadischen Songwriter und Schriftsteller Leonard Cohen)