Lhasa

Sela, Lhasa de, kanadische Sängerin, * Big Indian (New York) 1972, † Montreal 1.1.2010; Lhasa de Sela, deren Mutter Amerikanerin und deren Vater Mexikaner ist, trat unter dem Namen Lhasa auf.

Biografie

Lhasa de Sela trat schon als Teenager öffentlich auf, ging im Alter von 19 Jahren nach Montreal und baute sich in wenigen Jahren eine, wenn auch auf die Stadt begrenzte
Karriere als Sängerin auf. Das kleine Label Audiogram Records gab ihr Mitte der 1990er-Jahre einen Plattenvertrag. Unter der Leitung des Gitarristen Yves Desrosiers spielt die Sängerin ein knappes Dutzend traditionelle Volkslieder wie gemeinsam mit Desrosiers verfasste Songs ein, allemal beeinflusst von der Musik Lateinamerikas. Der Erfolg von »La Llorona«,so der Titel des resultierenden Albums, machte Lhasa de Sela überregional bekannt. 1997 erhielt sie den Félix-Musikpreis und 1998 den Juno Award, so etwas wie der kanadische Grammy.
Die Sängerin ging nach diesem relativ großen Erfolg allerdings nicht den obligaten Weg, dem Album eine Tour und der Tour eine weitere CD folgen zu lassen, sondern unternahm, zunächst Konzertreisen durch Kanada und die USA, ging dann nach Europa und schloss sich 1999 dort dem von ihren drei Schwestern gegründeten Zirkus Pocheros an. Weitere drei Jahre lang entzog sie sich dem Musikgeschäft, schrieb aber weiter Songs. 2002 nach Kanada zurückgekehrt, nahm sie in Montreal ihr zweites Album auf. »The living road« (2003) steigerte einerseits ihre Reputation als ungewöhnliche Sängerin, andererseits weckte die CD das Interesse des Sängers von The Tindersticks, Stuart A. Staples, der mit ihr ein Duett sang und sie für das Tindersticks-Album »Waiting for the moon« (2003) als Gast engagierte. An »The living road« war Desrosiers zwar nicht mehr beteiligt, doch stammten einige der Songs des neuen Albums aus der früheren Zusammenarbeit mit dem Gitarristen, so etwa das den Hörer auf seltsame Weise gefangen nehmende »Con toda palabra«.
So ungewöhnlich die Sängerin mit ihrer manchmal rauen, brüchigen, mitunter kaum schwingenden Stimme ist, so ungewöhnlich ihre in englischer, spanischer oder französischer Sprache gefassten Texte sind, so ungewöhnlich ist ihre Musik. Lhasa de Sela mischte Elemente aus mexikanischer Mariachi-Musik (»La Frontera«) mit Spuren amerikanischen Folkrocks (»Abro la ventana«) und Splittern aus der Klangwelt französischer Chansons (»La marée haute«), selbst verfremdeter Trip-Hop diente als Anregung (»Mon nom«, »Para el fin del mundo o el año nuevo«). Aufs Ganze gesehen wirkt ihre Musik, »The living road« weit mehr als »La Llorona«, höchst artifiziell, wie ein melancholischer Kommentar über die lateinamerikanische Musik, die als Anregung diente. Eben diesen Weg, ihre eigenen Vorstellung für die zu ihrer Stimme und ihrem Gesang passende Musik zu finden, wenn nicht zu konstruieren, setzte sie mit dem 2009 veröffentlichten Album »Lhasa« unbeirrt fort. Nachzuprüfen etwa an dem seltsamen Blues »Love came here«.

Diskografie

La Llorona (1997)
The living road (2003)
Lhasa (2009)

Weblinks

http://lhasadesela.com (Offizielle Website der kanadischen Sängerin Lhasa de Sela)