Bogen

Bogen, Spielhilfsmittel für Streichinstrumente, selten auch für andere Instrumente wie Stabspiele (Metallophone, Xylophone), Becken und Zupfinstrument wie elektrische Gitarre oder elektrischer Bass verwendet; für jedes der Streichinstrument (Violine, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Gambe usw.) wird ein besonderer Bogen verwendet.

Ein Bogen besteht im Wesentlichen aus einem Stab aus elastischem Holz – mittlerweile gibt es auch brauchbare Bögen aus Verbundstoffen (Glasfaser, Kohlfaser, Epoxydharz) – und einem so genannten Bezug aus den Haaren eines Pferdeschweifes. Für den Stab, die so genannte Stange, wird das Holz des Pernambuk-Baumes (Brasil-Holz) verwendet, für das Haar des Bezuges kommen nur die Schweifhaare von Hengsten in Frage.

Der Bezug aus etwa 150 bis 250 einzelnen Haaren (Violonbogen) wird an einem Ende mit einem Knoten versehen, dann in eine Aushöhlung an der Spitze des Bogens eingeführt und am anderen Endes des Bogens in einer im Frosch angebrachten Zwinge befestigt. Der Frosch kann mit einer Stellschraube auf dem Bogenholz um Weniges hin- und her bewegt werden, ermöglicht also das Straffen des Bezuges. Die Stange selbst ist nicht völlig gerade, sondern zum Bezug hin konkav gewölbt. Um den Bogen spielbereit zu machen, müssen die Haare des Bogens mit Kolophonium bestrichen werden.

BogenGeigeFür jedes Streichinstrument wird ein auf das jeweilige Instrument angepasster Bogen benötigt, für eine Violine (siehe Abbildung) beispielsweise also ein anderer als für die Bratsche, für das Violoncello ein anderer als für den Kontrabass. Die Bögen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Länge, ihres Gesamtgewichtes und der Lage ihres Schwerpunktes. Ein Violinbogen hat eine Länge von 74 bis 75 cm und ein Gewicht von etwa 56 bis 60 Gramm. Der Bogen für eine Viola ist bei gleicher Länge etwa 63 bis 70 g schwer, während der Bogen für ein Violoncello 70 bis 73 cm lang ist, aber 70 bis 85 g wiegen kann. Für den Kontrabass sind je nach Bogenhaltung zwei verschiedene Ausführungen in Gebrauch: Bei der vor allem in Deutschland bevorzugten Haltung des Bogens im Untergriff ist der Frosch verhältnismäßig groß, damit auch der Abstand zwischen Bezug und Stange etwas größer; bei den beispielsweise in Frankreich üblichen Obergriff – also wie beim Cello gehalten – gehaltenen Bögen ist der Frosch etwas kleiner. Die Länge des Kontrabassbogens beträgt etwa 70 cm, die deutschen Bögen sind um etwa zwei Zentimeter kürzer.

Die Existenz von Bögen zum Streichen von Saiteninstrument kann seit etwa dem 10. Jahrhundert nachgewiesen werden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Form des Streichbogens stark verändert, obwohl die wesentlichen Bestandteile – Stange und Bezug – Konstanten blieben. Entsprach seine Form zunächst der des Jagdbogens mit einer fast halbkreisförmig gewölbten Stange, so wurde diese Wölbung nach und nach aufgegeben, bis etwa im 17. Jahrhundert die Stange gerade ausgeführt wurde, mit einer ausgeprägten gebogenen Spitze. 1785 gab der Bogenmacher François Tourte dem Bogen die bis heue gültige Form mit einer leichtern Krümmung zum Bezug hin.

Die Länge eines Bogens war lange Zeit nicht standardisiert, meist waren die Bögen um Einiges kürzer als heute. Der Bezug, zunächst an beiden Enden fest mit der Stange verbunden und mit den Fingern gestrafft, wurde bald so gestaltet, dass er in unterschiedlicher Weise gespannt werden konnte; dazu wurden etwa Haken am unteren Ende des Bogenholzes oder auch ein in mehreren Stufen verstellbarer Frosch vorgesehen. Die Erfindung des durch eine Schraube verstellbaren Frosches macht dann eine feine Anpassung der Spannung des Bezuges möglich.

Der Bogen und das Streichinstrument bilden eine Einheit; so ist nicht nur die Beherrschung der Grifftechnik zum adäquaten Spiel eines Streichinstrumentes notwendig, sondern auch die Beherrschung der verschiedenen Bogentechniken.

Mitunter werden Bögen auch zum Streichen von anderen als Streichinstrumenten verwendet. So können die Klangplatten von Stabspielen durch Streichen der Kanten zum Schwingen gebracht werden. Einzelne Rockmusiker wie zum Beispiel Jimmy Page von Led Zeppelin oder Lee Jackson von The Nice haben die Saiten ihrer elektrischen Gitarre beziehungsweise elektrischen Bassgitarre dann und wann auch mit einem Bogen gestrichen. Im Free Jazz verwendeten auch einige Schlagzeuger einen Bogen, um Becken in Schwingung zu versetzen.

Weblink

www.gerbeth.at (Website mit Inforamtionen über Geschichte des Bogens und den Bogenbau)