Disposition

Disposition, Orgelbau, grundsätzlicher Aufbau einer Orgel hinsichtlich Art und Zahl ihrer Register, Zahl und Aufteilung der Werke und damit auch Anzahl der Manuale; auch im Cembalobau spricht man hinsichtlich der Zahl der Manuale und der Tonlagen der Saitenbezüge mitunter von Disposition.

Die Größe einer Orgel hängt unmittelbar mit ihrer Disposition zusammen: Kleine Orgeln beispielsweise haben nur ein Manual und ein Pedal; die Zahl der Register ist eher gering und beschränkt sich auf wenige Labial- und Zungenpfeifen-Klangfarben. Es ist Aufgabe des Orgelbauers im Zusammenwirken mit dem Auftraggeber des Baus, aus verschiedenen Kriterien eine Disposition zu entwickeln. Hierzu zählen Art und Größe des Raumes, Einsatz der Orgel – ob vorrangig für Konzerte oder aber für die Begleitung des Gemeindegesangs –, ob es sich um einen Neubau handelt oder aber Register und damit Pfeifen einer eventuell vorhandenen älteren Orgel übernommen werden sollen und schließlich die Höhe der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Beruhend auf diesen Vorgaben entwirft der Orgelbauer eine Disposition, wobei er auf historische Vorbilder zurückgreifen kann, wie überhaupt eine Disposition immer auf Erfahrung beruht. Um ein ausgewogenes Klangbild zu erreichen, sind daher bestimmte Orgelregister wie Principale und Flöten stets vorhanden, während andere nur in größeren Orgeln eingebaut sind. Da die Zahl der Vorgaben aber in der Regel recht groß ist und die Gegebenheiten allemal verschieden, gibt es auch keine zwei Orgeln mit völlig gleicher Disposition.

An der Disposition kann abgelesen werden, in welcher Zeit eine Orgel entstand, wo sie gebaut wurde und in Grenzen auch, von wem sie gebaut wurde. So weicht die Disposition einer Silbermann-Orgel erheblich von der einer später entstandenen Orgel beispielsweise von Cavaillé-Colle ab. Im Barock bevorzugte man ein anderes Klangideal als im 19. Jahrhundert – hier die Durchhörbarkeit der Stimmen, dort das Ideal der am Orchester orientierten Klangverschmelzung. So ist die Disposition einer Orgel immer auch ein Spiegelbild der Musik der jeweiligen Zeit. Während kleine Orgeln meist für die Wiedergabe der Musik einer bestimmten Epoche disponiert sind, bieten große Orgeln die Möglichkeit, die Disposition so zu gestalten, dass jegliche Orgelmusik auf ihr sinnvoll gespielt werden kann – es handelt sich quasi um mehrere verschiedene Orgeln in einem Gehäuse.

Natürlich ist eine Disposition auch ein Abbild der technischen Möglichkeiten, die die Orgelbauer zu unterschiedlichen Zeiten hatten, ein Reflex der Moden, denen auch die Musik unterworfen ist und oft genug ein Kompromiss. In geringerem Maße gilt dies alles auch für den Bau von Cembali, wenn hier auch sich bestimmte Typen herauskristallisiert haben. Ein so genanntes Bach-Cembalo beispielsweise ist anders aufgebaut als ein Ruckers-Cembalo. Das Bach-Cembalo wurde einem im Musikinstrumentenmuseum stehenden Cembalo des frühen 17. Jahrhunderts nachgebaut. Es hat zwei Bezüge von 16 Fuß und 8 Fuß im unteren Manual und 8-Fuß- und 4-Fuß-Register sowie einen Lautenzug im oberen Manual; die Manuale können gekoppelt werden. Derartige Cembali wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig gebaut. Das so genannte Ruckers-Cembalo hat ebenfalls zwei Manuale, 8-Fuß- und 4-Fuß-Register im unteren, 8-Fuß-Register im oberen Manual. Wirklich authentisch sind beide nicht: das Bach -Cembalo in Berlin gehörte nicht J.S. Bach, und ob in der Cembalowerkstatt der niederländischen Familie Ruckers jemals ein Instrument wie das Ruckers-Cembalo gebaut worden ist, ist unbekannt.