Fußmaschine

Fußmaschine, Pedalvorrichtung zum Spiel von in Drum Sets integrierten Bass Drums; obwohl auch die Hi-Hat mit Hilfe eines Pedals betätigt wird, wird dieses Pedal nicht explizit Fußmaschine genannt.

Fußmaschinen entstanden aus der Notwendigkeit, die Bass Drum innerhalb eines Drum Sets gleichzeitig mit anderen Schlaginstrumenten des Sets wie Snare Drum und Becken anschlagen zu können. Da eine Bass Drum auch nicht wie die anderen Instrumente des Sets mit Stöcken, sondern mit einem Schlägel gespielt wird, kann die Bass Drum nicht etwa mit den Händen gespielt werden. Analog zu den Trommeln in mechanischen Musikinstrumenten (Musikautomaten, Orchestrion) bot sich daher eine durch eine Hebelmechanik angeschlagene Bass Drum an.

Fussmaschine

Fußmaschine für eine Bass Drum (Fotolia)

Im einfachsten Fall besteht eine Fußmaschine aus einem Pedal, das am Fersenende beweglich mit einer Grundplatte verbunden ist. Am vorderen Ende der Grundplatte tragen in der Art eines Portals zwei Säulen eine Achse, auf der ein Rad befestigt ist, in dem radial der Schlägel steckt. Die Spitze des Pedals ist mit dem Rad über eine Zugvorrichtung verbunden; dies kann ein Band aus Metall oder Kunststoff, aber auch eine Kette sein. Der Schlägel wird durch eine kräftige Feder in Ruhelage gehalten; der Kopf des Schlägels ist somit einige Zentimeter vom Schlagfell entfernt. Aus dieser Ruhelage wird der Schlägel durch Fußdruck auf das Pedal gegen die Schlagfläche bewegt und nach Wegfall des Druckes wieder in die Ruhelage gebracht. Das gesamte Pedal wird mittels einer Schraubklammer am Fellreifen der Bass Drum befestigt. Der Kopf des Schlägels ist in der Regel nicht anders als die bei Großen Trommeln üblichen Schlägeln mit einem Bezug von Filz, Leder, Kunststoff, Gummi oder Kork bezogen. Oft sind auf einen Schlägel auch zwei verschiedene Beläge aufgebracht.

Die gesamte Mechanik ist äußerst robust aufgebaut und bei avancierten Modellen in jeder Hinsicht einstellbar. So können etwa Federspannung, Länge des Schlägels, Winkel des Schlägels zum Schlagfell, Höhe der Trittplatte und weiteres mehr eingestellt werden.

Seit den 1990er-Jahren hat sich vor allem in der Rockmusik das Spiel mit dem so genannten Double-Bass-Pedal – kurz Double Bass – durchsetzen können. Dieses Doppelpedal macht eine zweite Bass Drum überflüssig, da hier zwei Schlägel auf die Trommel wirken, die jeder für sich mit einer separaten Fußmaschine betätigt werden. Dabei ist eine Fußmaschine – bei Rechtshändern die rechte – und herkömmlicher Weise an der Trommel befestigt, trägt aber dicht neben dem rechten Schlägel einen zweiten Schlägel, der durch ein rechts neben der Hi-Hat stehendes zweites Pedal betätigt wird. Die zweite Fußmaschine ist über eine Kardanwelle mit der rechts stehenden Fußmaschine verbunden. Auf diese Weise spielt der Schlagzeuger die Fußmaschinen mit beiden Füßen, muss also gegebenenfalls mit dem linken Fuß zwischen Hi-Hat und Fußmaschine wechseln.

Eine technische Neuerung der 1990er-Jahre stellen auch die so genannten Twin Effect Pedals dar, bei denen der Spieler durch eine Fußspitze-Ferse-Technik den Schlag nicht nur durch einfachen Tritt auf das Pedal auslösen kann, sondern auch mit der Ferse auf einem abgeteilten Bereich des Pedals. So können mit einem Fuß ähnlich schnelle Schlagfolgen erzeugt werden wie mit einer Double-Bass-Maschine. Manche Schlagzeuger kombinieren diese Pedale, so dass ein Triple Effect Pedal entsteht.

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich verschiedene Spieltechniken für die Fußmaschine entwickelt: Viele Schlagzeuger spielen die Maschine mittels der sinnfälligen Heel-Down-Technik, bei der der Fuß vollflächig auf dem Pedal ruht und das Spiel aus dem Knöchelgelenk erfolgt. Hier ist die dynamische Kontrolle am größten, die erreichbare Geschwindigkeit aber am niedrigsten. Bei der Heel-Up-Technik wird nur mit der Fußspitze gespielt, die Ferse berührt also das Pedal nicht. Mit dieser Technik ist schnelles und vor allem lautes Spiel möglich, da Kraft und Gewicht des Beines genutzt werden; diese Technik ist für den Schlagzeuger anstrengender als die Heel-Down-Technik, erfordert also einiges Training. Die Heel-Toe-Technik stellt eine Kombination der zuvor genannten Techniken dar und ist instrumentaltechnisch am schwierigsten zu bewältigen.

Das Spiel der Bass Drum wurde seit den 1940er-Jahren zunächst von Jazz-Schlagzeugern wie Buddy Rich, Kenny Clark und Max Roach verfeinert und aus der bloßen Markierung der Zählzeiten herausgelöst. Schlagzeuger wie Billy Cobham, Tony Williams, Simon Philips und Lenny White im Jazz und Jazzrock setzten dank ihrer Technik die Bass Drum als vollwertiges Instrument innerhalb des Drum Sets ein. In der Rockmusik waren es Ginger Baker und Neil Pert, um nur zwei Schlagzeuger zu nennen, die die Inspiration durch den Jazz aufnahmen. In jüngerer Zeit gehören zu den Virtuosen des Bass-Drum-Spiels etwa Gavin Harrison und Mike Portnoy.