Kalkant

Kalkant, von lateinisch calcare für »treten«, auch Calcant oder Balgtreter oder Bälgetreter, Person, die für die Bereitstellung der für das Spiel einer Orgel notwendigen Luft zuständig ist.

Vor Erfindung des Elektromotors konnte die für den Betrieb einer Orgel notwendige Luft nur mit Hilfe eines oder mehrer Bälge gewährleistet werden. Diese Bälge wurden von einem oder mehreren Kalkanten in Bewegung gehalten, so dass sie sich mit Luft füllen und diese in einigermaßen gleichmäßiger Strömung an die Windlade weitergeben konnten.

Bei einem Portativ besorgt der Spieler des Instrumentes die Luftzufuhr selbst, indem er mit der linken Hand einen kleinen, an der Rückseite des Portativs angebrachten Balg betätigt. Je nach Größe einer Orgel waren aber wenigstens eine, mitunter auch mehrere Personen damit beschäftigt, die Bälge mit Luft zu füllen. Da diese Mechanik oft aus zwei mit den Bälgen verbundenen Brettern bestand, auf die der Kalkant abwechselnd zu treten hatte, erhielt er eben die Tätigkeitsbezeichnung Kalkant. Es waren aber auch andere technischen Lösungen des Problems der beständigen Luftzufuhr möglich: So konnten die Bälge einer Orgel auch mit Gewichten versehen sein, die der Kalkant mittels eines Hebels nacheinander anhob, so dass die Bälge auseinandergezogen wurden und sich mit Luft füllten. Das auf ihnen lastende Gewicht drückte die Bälge dann langsam zusammen, so dass die Luft in die Windlade strömte. Für diese Mechanik sind mindestens zwei Bälge notwendig: Während der eine die in ihm befindliche Luft an die Windlade gibt, wird der andere vom Kalkanten auseinandergezogen, damit er sich mit Luft füllt.

Da die Arbeit des Kalkanten nur benötigt wurde, wenn der Organist die Orgel spielte, musste er bei unterbrochenem Spiel natürlich nicht die Bälge betätigen. Damit bei wieder einsetzendem Spiel sich aber ausreichend Luft in der Windlade befand, gab es an Orgeln, bei denen sich die Bälge im Orgelgehäuse oder hinter diesem befanden, mittels eines besonderen »Kalkantenrufes« ein Zeichen, dass er mit der Arbeit beginnen könne. Dieser Kalkantenruf bestand in der Regel aus einem Glöckchen, das der Organist vom Spieltisch aus betätigte.

Die Erfindung des Elektromotors machte die Arbeit des Kalkanten überflüssig, war es mit ihm doch möglich, stets den für das Spiel der Orgel nötigen Wind in ausreichender Menge zur Verfügung stehen zu haben. Durch Mangel an Wind entstehende Ton- und Lautstärkeschwankungen gehören deshalb der Vergangenheit an.