Klaviatur

Klaviatur, von lateinisch clavis für »Schlüssel« abgeleitet, englisch: keyboard, französisch: clavier, italienisch: tastiera, Tastatur bei Musikinstrumenten; im eigentlichen Sinn sind mit dem Begriff Tastaturen gemeint, deren Ausformung auf der C-Dur-Tonleiter (»weiße« Tasten, c d e f g a h) und den übrigen fünf Tönen (»schwarze Tasten«, cis/des, dis/es, fis/ges, gis/as, ais/b) beruhen. Klaviaturen können als Manual (von lateinisch manus für »die Hand«) oder Pedal (von lateinisch pes, pedis für »der Fuß«) ausgeführt sein. Tastaturen anderer Ausführung, etwa vom Knopfakkordeon oder von der Drehleier, werden nicht als Klaviaturen bezeichnet.

Der Begriff Klaviatur wird seit etwa dem 13. Jahrhundert verwendet, zunächst allerdings nur für die Spieleinrichtung einer Orgel. Die Vorrichtung selbst gab es schon seit der Antike, so etwa bei der Wasserorgel, die mittels einer aus schmalen Holzleisten bestehenden Hebelmechanik gespielt wurde. Die heutige Ausformung mit einer Reihe Untertasten und einer Reihe Obertasten für die Diatonik beziehungsweise Chromatik entstand im 13. Jahrhundert in England.

Einige Tasten der Klaviatur eines Klaviers

Einige Tasten der Klaviatur eines Klaviers (Fotolia)

Je nach Instrument haben Klaviaturen einen unterschiedlichen Umfang. Beim Klavier und Flügel hat sich ein Umfang von 88 Tasten als Standard durchgesetzt, wenn auch einzelne Hersteller (etwa Petrof) im Tieftonbereich einige wenige weitere Tasten anfügten. Der Umfang von 88 Tasten wurde in jüngerer Zeit für Digitalpianos, elektrische Klaviere, hochwertige Synthesizer und Workstations übernommen. Der Tonumfang reicht dabei von 2A bis c5.

Clavichorde haben einen Umfang von 30 bis 61 Tasten, verbreitet ist ein Umfang von 49 Tasten und recht damit von 1F-f3, vereinzelt auch bis a3. Wie beim Clavichord ist auch bei Cembali und Spinetten der Umfang der Klaviaturen nicht standardisiert. Hatten frühe Instrumente einen Klaviaturumfang von kaum drei Oktaven, so wurde der Umfang im Laufe der Entwicklung stetig erweitert. Cembali haben heute üblicherweise einen Umfang von 5 Oktaven (61 Tasten) und reichen von 1F-f3. Spinette stellen oft nur vier Oktaven (49 Tasten) bereit, die von C-c3 reichen.

Ähnlich groß ist die Vielfalt bei Orgeln, bei denen in früheren Jahrhunderten der Umfang der Manuale und Pedale ebenfalls nicht einheitlich festgelegt waren; auch wurden die Manuale ein und derselben Orgeln mit unterschiedlichem Umfang ausgestattet. Im modernen Orgelbau werden Manuale von fünf Oktaven Umfang (61 Tasten, C bis c4) und Pedale von 30 oder 32 Tasten Umfang (C bis f1 beziehungsweise g1) eingebaut. Eine Besonderheit bei Orgeln – und hier und da auch bei Clavichord und Cembalo –, ist die so genannte Kurze Oktave oder Kleine Oktave: Bei diesen Klaviaturen enthält die unterste Oktave nicht alle 12 Tasten, sondern nur acht, mit denen die Töne C D E F G A B H erreicht werden können.

Die amerikanische Firma Hammond übernahm für ihre Orgeln von der Pfeifenorgel auch Klaviaturumfang (fünf Oktaven) und Tonumfang (C bis c4), lediglich die so genannten Spinett-Orgeln wurden mit zwei versetzt angeordneten Manualen kleineren Umfangs (vier Oktaven) ausgestattet. Eine Besonderheit findet sich bei den zweimanualigen Modellen der Firma (etwa A 100, B 3, C 3, New B3): In Fortsetzung der tiefsten Oktave der eigentlichen Spielklaviatur findet sich eine weitere Oktave, mit revers gefärbten Tasten, die als Preset-Schalter fungieren.

Von Hammond übernahmen die meisten Hersteller elektronischer Orgeln Klaviaturumfang und auch Tonumfang. Die Hersteller von Synthesizern dagegen bauten in ihre Instrumente stets nur eine Klaviatur ein, meist von vier oder fünf Oktaven Umfang mit einem bei C beginnenden Tonumfang. Spezielle Synthesizer, so etwa Bass-Synthesizer und manche MIDI-Controller, stellen oft nur zwei Oktaven bereit. Die aus Synthesizern abgeleiteten so genannten Keyboards werden ebenfalls mit einer Klaviatur von vier oder fünf Oktaven ausgestattet. Entsprechend ihrer Aufgabe werden für Masterkeyboards meist hochwertige Tastaturen mit einem Umfang von 88 Tasten verwendet.

Die Tasten selbst bestehen bei traditionellen Instrumenten wie Flügel, Cembalo und Orgel aus einem Holzkern, der mit verschiedenen anderen Materialien belegt sein kann. Beim Klavier und Flügel war das früher meist Elfenbein, nur bei billigen Instrumenten Knochen oder Celluloid; Celluloid wurde auch als Material für die Fronten der Tasten eingesetzt. Schwarze Tasten können aus Ebenholz gefertigt sein, meist wird aber ein ohnehin dunkles Hartholz zusätzlich schwarz gebeizt und lackiert. Bei Kielinstrumenten werden die Farben der Tastenreihen vertauscht oder aber die Tasten von vornherein aus verschiedenfarbigen Hölzern geschnitten, oft Holz von Obstbäumen. Die Tasten dieser Instrumente können mitunter auch mit Intarsien versehen sein. Für das mit strengen Handelsbeschränkungen belegte Elfenbein wurde bisher kein wirklich befriedigender Ersatz gefunden. Manchmal wird Bein verwendet, oft aber speziell für den Einsatz für Klaviaturen gefertigter Kunststoff, der in der Tat dem Spielgefühl von Elfenbein sehr nahe kommen kann. Die Tasten von Tasteninstrumenten mit elektromechanischer oder elektronischer Tonerzeugung werden stets mit Tasten aus Kunststoff versehen. Lediglich die Klaviaturen hochwertiger Master-Keyboards wie auch hochwertiger Digitalpianos werden mit Tasten ausgerüstet, die denen traditioneller Instrumente gleichen, also aus einem Holzkern bestehen, der mit Kunststoff belegt wird.
Als Schnittstelle zwischen Instrument und Instrumentalist unterliegen die Abmessungen der einzelnen Taste gewissen Veränderungen. Manche Unterschiede gehen einfach auf Konventionen im Bau der jeweiligen Instrumente zurück. So sind beispielsweise die Tasten von Orgeln geringfügig kürzer als die von Flügeln und die von Kielinstrumenten sind im Ganzen etwas kleiner. In jüngerer Zeit werden bei Flügeln die schwarzen Tasten geringfügig schmaler geschnitten als in früherer Zeit, gleichzeitig ihre Höhe über den weißen Tasten etwas vergrößert.

Von Bedeutung bei den Klaviaturen von Flügeln und Klavieren ist die Gewichtung der einzelnen Taste. Da das Gewicht des Holzes jeder Taste, die ja weit in den Korpus des Instrumentes reicht, nicht gleich sein kann, werden zum Ausgleich kleine Gewichte in die Taste gesetzt, um sie auszubalancieren. Um eine genaue seitliche Führung der Taste zu gewährleisten, befindet sich in der Unterseite der Taste eine Bohrung von etwa drei bis vier Millimeter Durchmesser, in die ein im Klaviaturbett eingesetzter Stahlstift greift. Der Querschnitt des Stifts ist nicht rund, sondern oval. Falls die einzelne Taste im Laufe der Zeit zuviel seitliches Spiel erhält, kann dieser Stift leicht verdreht werden, somit die seitliche Bewegung der Taste präzisiert und natürlich auch eingeschränkt werden.

Für Übungszwecke gibt es so genannte Stumme Klaviaturen, die lediglich aus einer Tastatur ohne Tonerzeugung bestehen.

Literatur

Batel, Günther: Handbuch der Tasteninstrumente und ihrer Musik; Braunschweig 1986