Oktavreinheit

Oktavreinheit, Bezeichnung für die unabdingbare Eigenschaft von mit Bünden versehenen Instrumenten wie Gitarren, Lauten, elektrischen Gitarren, elektrischen Bässen und anderen, dass die Tonhöhe der gegriffenen halben Saite mit dem an diesem Punkt vorhandenen Flageolett-Ton übereinstimmt.

Eine zwischen zwei Punkten gespannte Saite erzeugt nach dem Anreißen einen bestimmten Ton. Physikalisch bedingt, produziert eine Saite von halber Länge denselben Ton, aber eine Oktave höher. Wird die gespannte E-Saite einer Gitarre gezupft, so erklingt der Ton E. Auf halber Länge der Saite erklingt somit der Ton e; die Verdoppelung dieser Länge ergibt die Mensur des Instrumentes. Exakt an dieser Stelle muss auch das Griffbrett den 12. Bund für den Ton e tragen.
Um die Oktavreinheit eines mit Bünden versehenen Instrumentes zu prüfen, ist zunächst der Flageolett-Ton auf der halben Länge der Saite zu spielen; er sollte an der Stelle zu finden sein,wo das Griffbrett zwei Markierungen aufweist – beispielsweise zwei Punkt-Einlagen. Drückt der Spieler nun die Saite an dieser Stelle, also direkt hinter dem Bund, sollte dieser Ton mit dem Flageolett-Ton übereinstimmen. Wenn dies nicht der Fall ist, muss die Länge der Saite entsprechend vergrößert oder verkleinert werden; bei elektrischen Gitarren und Bässen kann die schwingende Länge der Saite mittels der so genannten Saitenreiter der einzelnen Saite für jede Saite exakt eingestellt werden; dabei kann auch berücksichtigt werden, das beim Greifen eines Tones der schwingende Teil der Saite etwas gespannt wird, dadurch der Ton sich geringfügig erhöht. Bei akustischen Gitarren klassischer Bauart und bei Westerngitarren wird die Oktavreinheit bereits beim Bau des Instrumentes festgelegt, indem der einteilige Steg exakt justiert wird; Korrekturen können nur vorgenommen werden, indem die Lage des gesamten Steges korrigiert wird. Da die meisten elektrischen Gitarren und Bässe industriell hergestellt werden, ist eine korrekte Einstellung des Instrumentes in aller Regel möglich, zumal Saitenhalterungen und Brücken alle erdenklichen Einstellmöglichkeiten bieten.
Oktavreinheit und Bundreinheit haben im Übrigen nur bedingt miteinander etwas zu tun: Ein oktavreines Instrument ist möglicherweise dennoch nicht bundrein; umgekehrt ist ein Instrument möglicherweise nicht oktavrein, wohl aber bundrein. Im Gegensatz zur Oktavreinheit kann die Bundreinheit nicht ohne größeren Aufwand – bis hin zur Neubundierung – korrigiert werden. Sitzt der 12. Bund nicht an der korrekten Stelle, ist das Instrument weder bundrein noch oktavrein.
Es liegt auf der Hand, dass ein Instrument, dessen Oktavreinheit geprüft werden soll, zunächst exakt zu stimmen ist.