Saitenhalter

Saitenhalter, englisch: Tailpiece, deutsch eigentlich »Endstück«, Vorrichtung an Saiteninstrumenten, in die die Saiten eingehängt werden; der englische Begriff Tailpiece hat sich auch im deutschen Sprachgebrauch eingebürgert, bezeichnet aber im engeren Sinn eine bestimmte Bauform des Saitenhalters.

Bei den meisten Saiteninstrumenten – das gilt für Zupf- und Streichinstrumente, aber auch für mit Saiten versehene Tasteninstrumente – werden die Saiten an einem Punkt befestigt, über Steg und Sattel zu den Stimmwirbeln geführt; in den Stimmwirbeln wird die Saite am zweiten Punkt befestigt. Saitenhalter können wie bei den Streichinstrumenten separate Bauteile sein, sie können aber auch – so bei vielen elektrischen Gitarren mit dem Steg und dessen Befestigung – der so genannten Bridge oder Brücke – eine konstruktive Einheit bilden.

Saitenhalter; von links: Violine, Viola, Violoncello (Fotolia)

Saitenhalter; von links: Violine, Viola, Violoncello (Fotolia)

Bei Violinen, Violen, Violoncelli und anderen Streichinstrumenten besteht der Saitenhalter aus Hartholz, beispielsweise Ebenholz. Der Saitenzahl entsprechend hat dieser Saitenhalter je Saite eine Bohrung, in die die Saite eingehängt wird. Am sich verjüngenden Ende des Saitenhalters wird die so genannte Henkelsaite (Hängesaite, Einhängesaite) befestig, die ihrerseits im Endknopf in der Zarge des Korpus eingehängt wird. Der Saitenzug hält diese Bauart des Saitenhalters über dem Korpus in der Schwebe. Häufig werden Feinstimmer benutzt: Diese werden in das jeweiligen Loch im Saitenhalter befestigt und die Saite am Feinstimmer eingehängt. Mittels einer kleinen Rändelschraube kann die Stimmung präzisiert werden.

Von ähnlicher Bauweise ist ein Saitenhalter aus Metall, der beispielsweise an Mandolinen, Westerngitarren und auch elektrischen Archtop-Gitarren verwendet wird. Dieser Saitenhalter besteht aus einem Stück Blech, in das die Saiten eingehängt werden. Auf diese Bauform bezieht sich die Bezeichnung Tailpiece. Der Saitenhalter selbst wird am Korpus, meist an der Zarge, mit Schrauben befestigt; mitunter ist der Gurtkopf des Instrumentes fester Bestandteil dieser Bauform eine Saitenhalters.

Saitenhaler an einer Archtop-Gitarre (Fotolia)

Saitenhalter an einer Archtop-Gitarre (Fotolia)

Bei akustischen Gitarren ist der Saitenhalter Teil der Brücke, die ihrerseits aus dem Querriegel und dem Steg besteht. Meist wird die Saite hier von Bohrungen im Querriegel gehalten, in dem die einzelne Saite mit einem speziellen Knoten befestigt wird. An vielen akustischen Gitarren finden sich aber auch Stifte, die durch eine kleine Schlaufe in der Saite geführt und in Bohrungen im Querriegel gesteckt werden.

Saitenhalter einer akustischen Gitarre; der Halter ist Bestandteil der Brückenkonstruktion und sitzt hinter dem Steg auf dem Querriegel.

Saitenhalter einer akustischen Gitarre; der Halter ist Bestandteil der Brückenkonstruktion und sitzt hinter dem Steg auf dem Querriegel. (Fotolia)

Vornehmlich bei elektrischen Gitarren und Bässen ist der Saitenhalter konstruktiv in den so genannten Saitenreiter eingearbeitet, d. h., dass die Saite im jeweiligen eigenen Saitenreiter eingehängt wird. Voraussetzung für diese Bauform ist, dass die Saitenreiter fester Besandteil der Bridge-Konstruktion sind. Bei vielen E-Gitarren wird die Saite aber von der Bridge selbst gehalten: Dazu werden die Saiten durch das winklig aufgebogene Blech der Bridge gefädelt.

Auch kann der Korpus der Gitarre direkt selbst als Saitenhalter fungieren. In diesem Fall wird die einzelne Saite durch eine durchgängige Bohrung im Korpus des Instrumentes von der Rückseite her eingefädelt.

Bei Tasteninstrumenten wie Cembalo und Flügel wird das entsprechende Bauteil nicht Saitenhalter, sondern Saitenaufhängung genannt. Meist handelt es sich dabei um stabile Stahlstifte, die in speziellen Leisten sitzen und in die die Saiten mittels einer Schlaufe eingehängt werden. Die Saitenaufhängung besteht insbesondere bei Flügel und Klavier oft aber auch aus Stiften, die Teil des Gußrahmens des Instrumentes sind; ihr genauer Sitz muss also schon beim Entwurf des Rahmens berücksichtigt werden.

Literatur

Evans, Mary Anne/Evans, Tom: Guitars – Music History, Construction and Players: From The Renaissance to Rock; New York/London 1977,³1979
Gill, Dominic (Hg.): Das Große Buch vom Klavier; Freiburg/Basel/Wien 1983
Batel, Günther: Handbuch der Tasteninstrumente und ihrer Musik; Braunschweig 1986