Schwebung

Schwebung, akustisches Phänomen, das auftritt, wenn zwei Töne nahezu gleicher Frequenz gleichzeitig zu hören sind; dabei werden die beiden Töne nicht als Einzeltöne wahrgenommen, sondern als ein Ton, der aber in der Lautstärke periodisch zu schwanken scheint.

Zwei gleichzeitig erklingende Töne werden als zwei verschiedene Töne wahrgenommen, wenn der Frequenzunterschied groß genug ist. Nähert man aber die Frequenz eines der Töne der des andern an, so scheinen die Töne zu einem zu verschmelzen, wobei sich die Lautstärke periodisch schnell zu verändern scheint, zu hören als eine Art »Zittern«. Gleichzeitig wirkt der Ton »lebendig«. Es handelt sich dabei um eine »schnelle« Schwebung. Je mehr die Frequenz des zweiten Tones an die des ersten angenähert wird, um so langsamer erscheint das Zittern, dann »langsame« Schwebung genannt. Bei gleicher Frequenz verschwindet das »Zittern«, gleichzeitig aber wirkt der Zusammenklang aber merkwürdig leblos, ein Phänomen, das besonders bei zwei Sinustönen auffällt.

Das Phänomen der Schwebung wird beim Stimmen von Instrumenten verwendet. Grundsätzlich ist es aber im Zusammenspiel von zwei und mehr Instrumenten allgegenwärtig, denn weder können zwei Instrumente exakt aufeinander abgestimmt werden noch können zwei Instrumentalisten exakt den gleichen Ton spielen. Exakter Gleichklang ist bei Musikinstrumenten mit elektronischer Tonerzeugung möglich. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass zwei Töne noch sehr dicht beieinander stehen können und nur sehr langsame Schwebungen erzeugen. Deren Obertöne aber liegen schon weiter auseinander, je höher, desto mehr.
Tatsächlich ist das Phänomen der Schwebung nicht nur musikalisch sinnvoll, sondern auch erwünscht, ist es doch der Garant, dass ein Ensembleklang lebendig wirkt. Die Wirkung von unisono gespielten Passagen etwa bei der Violingruppe im Orchester ergibt erst durch die allgegenwärtigen langsamen Schwebungen den gewünschten orchestralen Klang. Auch bei einem Klavier werden die tiefen Töne in der Tiefe zunehmend geringfügig tiefer als exakt gestimmt, die hohen höher als exakt, der gesamte Tonbereich des Instrumentes also quasi »gespreizt«, um eine lebendigen Klang zu erreichen. Auch die zwei oder drei Saiten eines Klaviertones werden minimal gegeneinander verstimmt, damit auch der Einzelton nicht »stumpf« klingt. Hierin liegt auch eine der Schwierigkeiten, den authentischen Klavierklang mit elektronischen Mitteln exakt nachzuahmen. Umgekehrt kann der einzelne Saitenchor auch in sich zu stark verstimmt sein; das Instrument kann dann nur noch den berühmten Honky-Tonk-Klang von sich geben.