Scordatura

Scordatura, italienisch für »Verstimmung«, Umstimmen von Saiteninstrumenten, vornehmlich von Streichinstrumenten; bei Zupfinstrumenten wird von offener Stimmung, bei Blues und Rockmusik von open tuning gesprochen; in allen Fällen ist gemeint, dass eine andere als die übliche Standardstimmung eines Instrumentes eingesetzt wird.

Umgestimmt werden häufig nur einzelne Saiten, doch kann auch die gesamte Stimmung eines Instrumentes verändert werden. Meistens werden die Instrumente tiefer gestimmt, doch gibt es auch den gegenteiligen Fall, so etwa im zweiten Satz von Gustav Mahlers 4. Symphonie, in dem eine Solovioline um eine Ganzton höher gestimmt werden muss.

Für Scordatura gibt es mehrere Gründe: Durch ein Umstimmen kann das Spiel einer schwierigen Passage oder Tonart erleichtert werden, es werden Töne – vor allem in der Tiefe – erreichbar, die normalerweise dem Instrument nicht möglich sind und schließlich zeigen umgestimmte Instrumente auch einen anderen Klang.

Das Umstimmen einzelner Saiten war bereits im 16. Jahrhundert Praxis, üblich dann in der Lautenmusik und im 17. und 18. Jahrhundert auch in der Violinmusik gängig, so etwa im Werk von Biagio Marini, Antonio Vivaldi, Giuseppe Tartini, Johann Pachelbel und anderen zu finden. Im 19. Jahrhundert machte etwa Niccolò Paganini von der Möglichkeit der Scordatura Gebrauch.

Als open tuning ist Scordatura auch in Blues und Rock übliche Praxis, für manche Gitarrentechniken wie etwa Slide Guitar sogar unerlässlich. In diesem Fall wird das Instrument auf einen Akkord gestimmt.