Ventil

Ventil, Vorrichtung bei Polsterzungeninstrumenten, die Länge der Schallröhren zu verändern und damit chromatisches Spiel zu ermöglichen.

Ventile werden vornehmlich bei Blechblasinstrumenten verwendet, um die durch Art und Register des Instrumentes gegebene Länge der Schallröhre – damit also die in der Schallröhre schwingende Luftsäule – zu verändern. Bei Polsterzungeninstrumenten geschieht dies anderes als bei den Holzblasinstrumenten in aller Regel durch Verlängerung der Schallröhre; lediglich bei einer in Frankreich gebräuchlichen Bauform des Waldhorns und bei der B/C-Posaune wird die Schallröhre durch Ventile verkürzt.

Die Verlängerung der Schallröhre bewirkt quasi eine geringfügig tiefere Stimmung des Instrumentes, wodurch sich natürlich auch eine entsprechend tiefere Obertonreihe ergibt. Auf diese Weise ist das Spiel in jeder Tonart möglich, also auch chromatisches Spiel. Für diesen Zweck genügt der Einbau von drei Ventilen, wie sie die meisten Blechblasinstrumente aufweisen. Das erste Ventil senkt die Stimmung um zwei Halbtöne, das zweite um einen Halbton, das dritte um drei Halbtöne. Sonderfälle sind das Quart- beziehungsweise Quintventil bei Posaunen, die – wie der Name sagt – die Stimmung des Instrumentes um eine Quart beziehungsweise eine Quinte senken.

Durch die Ventile werden jeweils weitere Rohrteile in die gesamte Schallröhre eingefügt. Je tiefer ein Blasinstrument gestimmt ist, desto länger muss die Schallröhre sein, folglich auch die prozentuale Länge des eingefügten Rohrteilstückes. Diese Teilstücke sind immer zylindrisch geformt. Bei Trompeten – deren Bohrung über den größten Teil der Röhre eine zylindrische Form zeigt – ist dies weitgehend unproblematisch. Bei Hörnern und Bügelhörnern dagegen ist die Röhre zum größeren Teil konisch geformt, das Einfügen von zylindrischen Rohrteilen bewirkt also auch eine Veränderung des Klangcharakters des Instrumentes. Hinzu kommt vor allem bei ohnehin tief gestimmten Instrumenten mit recht weiter, konischer Bohrung – also etwa bei Tuben – auch die Ventile eine gewisse Größe erreichen und der Luftweg innerhalb des Ventils selbst zur Länge des Teilstückes beiträgt. Dies kann durch weitere Ventile, so genannte Kompensationsventile, ausgeglichen werden. So haben Tubas mitunter bis zu sechs Ventilen, wobei drei Ventile eben Kompensationsventile sind, die nur im Zusammenwirken mit dem eigentlichen Spielventil zum Einsatz kommen. Auch das so genannte Stopfventil beim Horn ist ein Kompensationsventil, das die Verkürzung der Schallröhre durch das Stopfen wieder ausgleicht. Ein zu beachtendes Phänomen ergibt sich auch aus dem Umstand, dass jedes der zusätzlich eingebauten Rohrteilstücke nach den Maßen der eigentlichen Schallröhre berechnet ist. Werden durch das Betätigen von zwei Ventilen auch zwei Rohrteilstücke eingefügt, so ist der resultierende Ton aus diesem Grund immer ein wenig zu hoch.

Technisch werden in die meisten Blechblasinstrumente Dreh- oder Pumpventile eingebaut. Bei manchen Instrumenten – wie zum Beispiel beim Waldhorn – kommen ausschließlich Drehventile zum Einsatz, bei anderen – so etwa bei der Trompete – gibt es Bauformen mit Drehventilen und solche mit Pumpventilen. Pumpventile erlauben einige Spielweisen, die besonders im Jazz eine Rolle spielen, etwa eine Klangveränderung durch nur teilweises oder langsames Niederdrücken des Ventils. Das Thayer-Ventil wird nur als Quart- oder Quintventil bei Posaunen eingebaut.